ABC Etüde – Albtraum (Pjero)

An einem warmen Samstagmorgen wurde ich von einer sanften Stimme aus dem Fernseher in meinem Zimmer geweckt. Ich stand auf, ging in die Küche, wo ich auf meine Mutter traf und dann weiter ins Wohnzimmer. Als ich dort den Fernseher anmachte, war der Geschichtskanal offen. Der Erzähler hatte viel guten Erzählstoff zu bieten, denn das Thema war eine Dokumentation über den 2. Weltkrieg. Dann ass ich etwas und ging wieder in mein Bett und schlief ein.

Als ich das nächste Mal aufwachte, war es Mittag. Doch etwas war anders als sonst. Der Himmel war dunkler als normal und meine Mutter war weder in der Küche noch sonst wo im Haus zu finden. Ich dachte mir, dass sie wahrscheinlich am Einkaufen war. Also kehrte ich wieder in mein Bett zurück und schlief erneut ein.

Lautes Knallen und Schreien weckten mich. Ich stand auf, ging in das Wohnzimmer … Da lagen Leichen von unbekannten Menschen auf dem Boden und die Wand zum Garten war aufgesprengt.

Als ich raussah, war der Himmel schwarz, die Bäume waren verkohlt, die Wiese bestand nur noch aus Dreck und war mit Leichen und Kratern überfüllt und die Nachbarhäuser waren zerstört. Plötzlich fuhr ein Panzer neben dem Haus vorbei. Die Wände und Böden begannen zu vibrieren, weshalb auch die restlichen Bilder und Pflanzen, die noch im Wohnzimmer hingen oder standen, umgeworfen wurden.

Auf einmal hörte ich die Stimme meiner Mutter. Sie kam aus dem Himmel! Ich blickte nach oben und sah sie wie durch ein Fenster, aber sie konnte mich nicht sehen. Dann bemerkte ich, dass ich mich im Fernseher befand. Der Panzer begann durch den Fernseher unser Wohnzimmer zu beschiessen…

Für die ABC-Etüde: 3 Begriffe, maximal 300 Wörter. Die Wortspende für die Textwochen 14/15 des Jahres 2022 stammt von Katha mit ihrem Blog Katha kritzelt. Sie lautet: Erzählstoff, sanft, vibrieren.

8 Antworten auf „ABC Etüde – Albtraum (Pjero)“

  1. Du lieber Himmel, da bist du bestimmt froh, dass das nur ein Albtraum war. Ich will mir gar nicht vorstellen, so was zu erleben … 🙁
    Danke, dass du mitgeschrieben hast!
    Morgenkaffeegrüße ;-)🌞🌼☕🍪👍

    1. Lieber Werner
      Eigentlich setzt mir die aktuelle Situation nicht wirklich zu, da ich schon so oft darüber gelesen habe und es dauernd in den Nachrichten erwähnt wird. Ich denke, daher ist es für mich nicht mehr so schlimm, schon fast normal.

      Liebe Grüsse
      Pjero

  2. großartig hast du das Ende gestaltet; Die Panzer schießen aus dem Fernseher ins Zimmer. Ja, das ist ein sehr realer Alptraum, ich hoffe, du hast ihn dir nur ausgedacht und nicht wirklich innerlich erlebt. Es ist ja so, dass die Bilder im TV irgendwie immer wie ein Film, also wie etwas Ausgedachtes, wirken. Oft sind es ja auch ausgedachte Gewaltszenen, aber manchmal eben auch nicht. Dann ist es Realität oder es war Realität wie in dem Doku über den 2. Weltkrieg, den du zwischendurch gesehen hast. Wie soll man das auseinanderhalten? In der Schweiz gab und gibt es ja keinen Krieg, aber mit den Bildern kommt er eben doch in den Kopf, egal ob ausgedacht oder wahr. Und dann erlebst du die Schrecken des Kriegs, obgleich doch rundum als friedlich ist.
    Ich wünsche dir von Herzen, dass dir die echten Schrecken des Kriegs erspart bleiben und du den Frieden deines Hauses und deiner Heimat genießen kannst.

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