Die Schildkröte Henrietta

Henrietta ist ein schönes Schildkrötenweibchen. Sie hat einen Mann namens Thomas und zwei Kinder namens Tobi und Simon. Die beiden sind sechs Jahre alt und gehen in die erste Klasse. Die Familie lebt in einem schönen Haus mit Garten.

Henrietta arbeitet als Verkäuferin in ihrem Ladengeschäft. Sie hat ihn vor einigen Jahren von ihrer Tante geerbt. Dort werden Pullis und Jacken verkauft. Thomas arbeitet als Koch in einem vegetarischen Restaurant. Morgens bringt er Tobi und Simon um genau 9.00 Uhr zur Schildkrötenschule. Henrietta geht dann um 9.30 Uhr zu Fuss zur Arbeit, weil Thomas das Auto nimmt.


Aber heute ist alles anders. Als Henrietta die Ladentür aufschliesst, ist alles umgeworfen und durchwühlt. Die Kasse steht offen und das Geld von gestern ist weg. Alle Jacken und Pullis liegen verstreut auf dem Boden. Henrietta bleibt aber ganz ruhig. Sie geht hinein, schliesst zuerst den Laden und ruft die Polizei. Nachdem die Polizei wieder gegangen ist, sortiert und ordnet sie alles neu. Als sie fertig aufgeräumt hat, öffnet sie den Laden wieder und verkauft viele verschiedene Sachen.

Um etwa 11.10 Uhr macht sich Henrietta auf den Weg zum Gemüsehändler Lolo. Sie kauft einen leckeren Salat, eine Packung Spaghetti und Tomatensosse. Danach geht sie nach Hause und macht das Mittagessen. Tobi und Simon kommen dieses Mal zu Fuss nach Hause, weil Thomas noch mit dem Auto unterwegs ist. Henrietta erzählte ihren Söhnen, was im Laden passiert ist. Tobi und Simon bekommen Angst. Nach dem Mittagessen gehen sie draussen spielen. Am Nachmittag kehrt Henrietta wieder in ihren Laden zurück. Am Abend trifft sich die Familie im vegetarischen Restaurant, wo Thomas arbeitet.


Als Henrietta am nächsten Morgen den Laden betritt, ist wieder alles verwüstet. Sie ist sehr enttäuscht und fragt sich, warum jemand zweimal alles zerstört. Also ruft sie wieder die Polizei. Nachdem die Polizei gegangen ist, findet Henrietta an einer roten Lederjacke einen Drohbrief. Sie wundert sich, warum die Polizei den Zettel nicht gesehen hat.

Henrietta nimmt den Zettel.

ICH VERLANGE VON DIR, DASS DU MIR ALLE DEINE JACKEN UND PULLOVER GIBST. WENN NICHT, DANN WERDEN ES DEINE KINDER BÜSSEN.
P.S. WENN DU DIE POLIZEI EINSCHALTEST, WIRD EINES DEINER KINDER VERSCHWINDEN.

Nach dem Lesen macht sie sich wirklich grosse Sorgen. Sie denkt an ihre Kinder, aber die sind ja bei ihrer Grossmutter, Oma Lotte. Sie fragt sich, wer so etwas tun würde und warum. Ausserdem weiss sie nicht einmal, wann und wo sie die Sachen abgeben sollte.

Henrietta beschliesst, sich abends im Laden auf die Lauer zu legen. Sie denkt, wenn der Einbrecher die letzten zwei Nächte dort war, wird er vielleicht auch heute Nacht wiederkommen. Sie ruft noch Thomas an und sagt ihm, dass sie später kommt, weil sie im Laden noch neue Ware einsortieren muss.

Es ist bereits nach Mitternacht, als plötzlich Glas klirrt und jemand erneut einbricht. Henrietta wartet erst einmal und beobachtet die Person. Nach einer Weile steht die Person mit dem Rücken zu ihr. Henrietta packt all ihren Mut zusammen, greift sich eine Jacke, stülpt sie über den Kopf der Person und zieht sie in das Lager. Dort schliesst sie die Tür ab. Kurz danach ruft sie die Polizei.

Nach einigen Minuten hört sie plötzlich eine Stimme aus dem Lager: „Henrietta, können wir reden?“ Henrietta geht langsam hinein und erstarrt, als sie sieht, wer dort ist. Es ist Amanda. Sie arbeitet im Kinderheim und sammelt Spenden.

Amanda erzählt ihr, dass sie seit mehreren Wochen keine Spenden mehr bekommen haben. Vor einigen Wochen hatte Amanda Henrietta darum gebeten, aber Henrietta hatte sie einfach ignoriert. Amanda fragt, warum sie von Henrietta ignoriert wurde. Henrietta antwortet: „Du hast mich jeden Tag angerufen und bist ständig vorbeigekommen und hast mich nach Geld gefragt. Mein Geld ist auch knapp.“

Amanda wird wegen Drohung und Hausfriedensbruch festgenommen. Als Amanda im Polizeiauto sitzt, fragt der Polizist Henrietta, warum sie den Drohbrief nicht gemeldet habe. Henrietta erklärt, dass sie Angst um ihre Kinder gehabt hat. Im Brief steht ja, dass ihnen etwas passiert, wenn sie die Polizei ruft.

Am nächsten Tag spendet Henrietta dem Kinderheim trotzdem zehn Pullis und zehn Jacken, weil ihr die Kinder leidtun.

2 Antworten auf „Die Schildkröte Henrietta“

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