Der gleiche Mörder (Impulswerkstatt)

Als ich heute zur Arbeit ging, waren alle gestresst und genervt. Es gab heute einen neuen Vermisstenfall und jeder musste viel arbeiten. Deshalb wurde der Fall meiner Gruppe zugeteilt. Ich wusste zuerst nicht genau, was los war, also ging ich zu meiner Partnerin Ellta. Ellta und ich sind beide erst 24 Jahre alt und arbeiten noch nicht lange zusammen.

Ich setzte mich sofort an meinen Computer und schaute meine Nachrichten an. Als ich eine neue Nachricht entdeckte, erstarrte ich. Die Nachricht kam von einer anonymen Nummer. Darin war ein Bild von einem neunjährigen Mädchen. Sie lag halb nackt auf dem Boden und ihre Hände waren gefesselt. Unter dem Bild stand: „Rettet das Mädchen, bevor es zu spät ist. Ihr habt drei Tage Zeit.“ Unter dem Bild stand ausserdem ihr Name: Leniya.

Ich bekam grosse Angst um das kleine Mädchen und rief sofort die anderen. Als sie kamen, sahen sie mich bleich und ängstlich vor dem Computer sitzen. Sie fragten, was los sei, aber ich war so geschockt, dass mir fast schwarz vor Augen wurde. Ich sprach so schnell, dass ich mich selbst kaum verstand. Kurz darauf fanden wir heraus, dass Leniya aus einer sehr bekannten Familie kam. Ihre Mutter und ihr Vater waren berühmte Künstler und sehr reich. Leniya hatte ausserdem noch eine kleine Schwester, die erst fünf Jahre alt war.

Ohne lange nachzudenken, ging ich wieder an meinen Computer und versuchte herauszufinden, wer hinter der Nachricht steckte. Unsere IT-Abteilung schaffte es, die Nummer mit einem alten Fall zu verbinden. Immer wieder tauchte dabei der Name Ethan auf. Ich suchte weiter nach Informationen über ihn und sah, dass er eine schwierige Kindheit gehabt hatte. Sein Vater war Alkoholiker und zu Hause gab es oft Streit. Seine Mutter starb am 08.05.2024. Sie war jung, begabt und schön gewesen. Nach ihrem Tod veränderte Ethan sich komplett.

Ich schaute mir das Bild nochmals genauer an. Der Hintergrund kam mir bekannt vor. Komisch. Irgendetwas daran erinnerte mich an einen anderen Fall, der mir schon seit Wochen nicht mehr aus dem Kopf ging. Dort war ebenfalls ein kleines Mädchen verschwunden. Auch damals wurde ein Bild geschickt und der Ort im Hintergrund sah genau gleich aus.

Am nächsten Tag kam meine ganze Gruppe zusammen und wir versuchten herauszufinden, wo das Bild aufgenommen worden war. Stundenlang suchten wir nach Hinweisen. Nach fast zwei Stunden sprang ich plötzlich auf und schrie laut: „Wir haben es! Das ist derselbe Ort wie beim letzten Fall!“ Ich war stolz, weil endlich etwas Sinn ergab.

Doch als wir dort ankamen, war alles verwüstet. Möbel lagen am Boden und überall war Chaos. In diesem Moment spürte ich plötzlich eine Leere in mir. Ich stand nur noch still da und schaute mich ängstlich um. Dann sah ich Blut an einer Tischkante. Langsam ging ich näher und sah, dass es wirklich Blut war. Neben dem Tisch lag ein kaputtes Armband, das wahrscheinlich Leniya gehört hatte. Mir wurde sofort schlecht. Ich hatte Angst, dass wir wieder zu spät gekommen waren. Tränen liefen mir übers Gesicht. Die Spurensicherung untersuchte alles, aber von Ethan und Leniya fehlte jede Spur.

Am nächsten Tag kam schon der nächste Fall. Dieses Mal war ein zwölfjähriges Mädchen verschwunden. Sie hiess Mila, liebte Bücher und war eher ruhig. Kurz nach ihrem Verschwinden bekamen wir wieder eine Nachricht von der anonymen Nummer. Dieses Mal wussten wir sofort, dass Ethan dahintersteckte. Das Bild sah fast genau gleich aus wie bei Leniya. Wieder derselbe Hintergrund. Wieder dieselbe Nachricht. Doch dieses Mal stand zusätzlich dabei: „15.00 Uhr. Letzte Chance.“ Wir wussten sofort, dass wir keine Zeit verlieren durften. Wenn wir zu spät kommen würden, könnte Mila vielleicht sterben.

Am nächsten Morgen stand ich früh auf. Ich machte mir einen Tee, zog mich an und ging direkt zur Arbeit. Schon um 10.00 Uhr war ich dort. Niemand sprach wirklich viel. Jeder war angespannt. Wir bereiteten alles vor und machten uns später auf den Weg. Diesmal waren wir vorbereitet. Jede Person wusste genau, was sie tun musste. Alle hatten Waffen in der Hand. Als wir beim Gebäude ankamen, war alles still. Mein Herz schlug extrem schnell. Langsam gingen wir hinein. Plötzlich hörten wir ein Geräusch aus einem Raum ganz hinten.

Dann ging alles schnell. Wir stürmten hinein und sahen Ethan. Neben ihm sass Mila auf dem Boden. Ihre Hände waren gefesselt, aber sie lebte noch. Ethan hielt gerade sein Handy in der Hand. Wahrscheinlich wollte er uns wieder ein Bild schicken, weil er dachte, dass wir erneut zu spät kommen würden.

Doch diesmal irrte er sich. Die Polizei stürmte auf ihn los und überwältigte ihn sofort. Mila wurde befreit und in Sicherheit gebracht. Ich fiel erleichtert auf die Knie und begann zu weinen. Zum ersten Mal hatten wir ihn rechtzeitig gestoppt.


Dieser Text ist im Rahmen der Impulswerkstatt Mai/Juni 2026 von Myriade entstanden. Dafür stehen vier Bilder zur Verfügung.

Verfasst wurde er von Sara S, einer Erstklässlerin 25/26.

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