Die Legende von der Weissen Frau von Brotterode

1890

Hoch über dem kleinen Dorf Brotterode-Trusetal in Thüringen ragte auf einem Berg ein altes Schloss empor. Dort lebten die Königin und ihre einzige Tochter, die kleine Prinzessin.

Die Königin war eine stolze Frau mit langen blonden Haaren, die immer nur in Blau gekleidet war, egal welcher Farbton, es musste immer Blau sein. Die Prinzessin hingegen, mit kurzem braunem Haar, trug ausschliesslich Weiss. Es war ihr Erkennungszeichen, fast schon eine ungeschriebene Tradition.

Doch das Glück währte nicht lange. Der König starb am Gelbfieber. Die Königin und die Prinzessin überlebten zwar, doch das Schloss wurde still und leer. Viele Diener hatten hohes Fieber, andere starben. Von da an mussten Königin und Prinzessin viele Arbeiten selbst machen, da sie niemanden mehr hatten, der für sie arbeiten konnte.

Die Prinzessin, jung und voller Lebenslust, ertrug die Langeweile kaum. Während die Königin sich neuen Aufgaben widmete, schlich sie sich eines Tages hinaus in den Wald.

Der letzte Weg

Der Berg war von dunklem, dichtem Wald umgeben. Es war Jagdsaison, überall lauerten Fallen. Zunächst wich die Prinzessin ihnen aus, doch sie ging immer tiefer in den Wald, bis sie den Heimweg nicht mehr fand. Es wurde immer dunkler, die Schatten wurden länger, das Rufen der Vögel verstummte.

Verzweifelt irrte sie umher, bis sie plötzlich in eine Jagdgrube stürzte. Bewusstlos lag sie darin. Ihre Mutter suchte sie, doch niemand fand sie. Eine Woche lang rief die Prinzessin nach Hilfe, dann starb sie. Regen und Erdrutsche begruben sie in dieser Grube.

Die Weisse Frau

1897 – sieben Jahre nach ihrem Tod

An genau dem Tag, an dem sie gestorben war, spielte ein kleiner Junge im Wald, in der Nähe der Stelle, wo sie verschüttet wurde. Plötzlich erhob sich eine Gestalt aus dem Boden: ein Mädchen in einem weissen Kleid, bleich wie der Tod, mit traurigen Augen. Der Junge schrie auf und floh voller Schrecken ins Dorf. Er erzählte allen, was er gesehen hatte, aber natürlich glaubte ihm niemand.

Doch genau sieben Jahre später erschien die Gestalt wieder. Alle sieben Jahre wurde sie gesehen, die Prinzessin, die keine Ruhe findet.

Die Menschen nannten sie bald «die Weisse Frau». Bis heute flüstern die Dorfbewohner, man könne die Gestalt in der Nacht am Waldrand sehen, wie sie schweigend ihren Heimweg sucht.


Natürlich ist dies keine wahre Geschichte. Aber die Sage von der «Weissen Frau“ gibt es tatsächlich und sie wird an verschiedenen Orten in Deutschland erzählt.

Dies hier ist meine eigene Version der Geschichte, frei nacherzählt und mit eigenen Ideen gestaltet.

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