Es war ein schöner Sonnenuntergang in Okinawa.
Ankunft in Okinawa
Brian war gerade mit seinem Chef in Okinawa angekommen. Sein Chef hatte ihn in einem schönen Haus bei einer Familie untergebracht, denn Brian musste heiraten, um im Land bleiben zu dürfen.
Als er Qu-Miku zum ersten Mal sah, wusste er sofort, warum ausgerechnet sie seine zukünftige Frau sein sollte. Sie war das schönste Mädchen, das er je gesehen hatte. Er stellte sich vor, wie wunderbar die Hochzeit werden würde. Doch als er ihren Vater kennenlernte, wurde ihm schnell klar, dass dieser etwas gegen Amerikaner hatte. Der Mann warf ihm ständig böse Blicke zu. Er hielt streng an Traditionen fest und wollte, dass seine Tochter einen reichen japanischen Mann heiratete.
Brians Familie hingegen war offen. Für sie spielte es keine Rolle, wen er nach Hause brachte, sie respektierten jede Kultur.
Der Abend verlief dennoch gut. Sie assen traditionelles Essen, und Qu-Miku schaute Brian den ganzen Abend über immer wieder an. In ihrem Blick lag etwas, das ihn zum Lächeln brachte. Als alle schlafen gingen, wartete Qu-Miku neben Brians Zimmer.
Als Brian sie bemerkte, machte er einen Schritt auf sie zu. Es war ein ganz besonderer Moment, denn sie waren allein. Beide waren sehr schüchtern. Brian bat sie höflich, zur Seite zu treten, doch sie hörte nicht auf ihn. Stattdessen kam sie näher. Normalerweise traute sie sich nicht, ihm in die Augen zu sehen, doch als Brian ihr sanft das Kinn anhob, blickte sie ihn endlich an.
Ihm stockten die Worte. Es waren die schönsten Augen, die er je gesehen hatte, so tief und ruhig wie das Meer. Und auch Qu-Miku war überrascht, denn seine braunen Augen waren die schönsten, die sie je gesehen hatte.
Sie sahen sich lange schweigend an, bis Brian sich räusperte. Qu-Miku machte ihm zum Abschied ein Kompliment, und Brian … er gab ihr einen schnellen Kuss auf die Wange. Er wusste selbst nicht, wie es dazu gekommen war. Es fühlte sich an, als hätte sein Herz entschieden, nicht sein Verstand. Sie lächelte und ging in ihr Zimmer.
Die Hochzeit
Am nächsten Morgen wurde Brian von Qu-Mikus Mutter geweckt.
Nach dem Frühstück begannen die Vorbereitungen für die Hochzeit. Am Altar wartete Brian auf Qu-Miku. Als er sie sah, verschlug es ihm den Atem: Ihr Kleid war schneeweiss und mit wunderschönen Mustern verziert.
Brian trug einen schlichten schwarzen Anzug mit einer roten Krawatte. Er hatte sie extra für Qu-Miku angezogen, denn Rot war ihre Lieblingsfarbe. Als sie ihn sah, lief ihr wortwörtlich eine Träne über das Gesicht.
Am Altar tauschten sie die Ringe und lachten dabei. Der Einzige, der ein böses, grimmiges Gesicht machte, war der Vater.
Nach der Hochzeit gingen Brian und Qu-Miku spazieren. Sie liefen durch kleine Dörfer. Viele Kinder erkannten Qu-Miku wieder, weil sie ihnen einen traditionellen Tanz beigebracht hatte. Brian hingegen hatte noch nie einen traditionellen Tanz gesehen. Am Rand des Dorfes blieb Qu-Miku stehen. „Das ist mein Lieblingsort“, sagte sie und deutete in den Wald. Sie zog ihn mit sich.
Als sie in den Wald gingen, verstand Brian sofort, warum sie diesen Ort liebte. In der Mitte des kleinen Waldes stand ein riesiger Kirschblütenbaum, hellrosa und weiss, mit einem unvergesslichen Duft. Brian war überwältigt, denn so etwas hatte er noch nie gesehen. In Amerika gab es nichts Vergleichbares.
Der letzte Tag
Es vergingen Monate und niemand war je böse auf die zwei. Wirklich niemand, ausser Qu-Mikus Vater. Er mochte es nicht, dass seine Tochter so glücklich war.
An einem kalten Tag klingelte es an der Haustür. Männer in Uniformen fragten, ob Brian zu Hause sei. Qu-Miku nickte, und die Männer holten ihn hinaus, um mit ihm zu sprechen. Als Brian wieder ins Haus kam, war er kreidebleich. „Was ist los?“, fragte Qu-Miku. „Ich muss wieder weg“, flüsterte Brian.
Die beiden sassen schweigend da, bis es erneut klopfte. Dieses Mal war es nicht das Militär, sondern Qu-Mikus Vater. Er fragte, warum seine Tochter so traurig sei. Brian erzählte ihm alles. Der Vater tat so, als wäre er auch traurig, aber er war ein schlechter Lügner.
Brian sagte, dass er noch am selben Abend gehen müsse. Qu-Miku wollte ihn nicht in das Schlafzimmer lassen, doch irgendwann gab sie auf. Sie sah ihm zu, wie er seine Sachen in den Koffer packte. Ihm liefen echte Tränen über das Gesicht. Auch Qu-Miku weinte stark. „Bitte geh nicht“, flüsterte sie, doch ihre Stimme brach.
Die Familie begleitete Brian zum Flughafen. Dort küsste Brian Qu-Miku zum letzten Mal, ohne zu wissen, dass es wirklich das letzte Mal sein würde. Er stieg ins Flugzeug und winkte ihr ein letztes Mal zu. Tage, Wochen und Monate vergingen, ohne dass Qu-Miku etwas von ihm hörte.
Die Worte, die alles veränderten
Eines Tages standen zwei Soldaten vor der Tür. Ihre Augen wirkten, als hätten sie geweint.
„Madame…“, flüsterte einer von ihnen. Sie wusste sofort, dass etwas nicht stimmte. „Wir müssen Ihnen mitteilen, dass Ihr Mann, Brian Conner, im Krieg ums Leben gekommen ist. Es tut uns leid. Hier sind seine Hundemarken.“
Qu-Miku brachte kein Wort hervor. Sie starrte nur auf die Hundemarke. „Wie ist er ums Leben gekommen?“, flüsterte sie. „Er wurde erschossen.“
Sie bedankte sich leise. Als sie ihrem Vater davon erzählte, wirkte er gelangweilt. Er meinte nur, jeder müsse irgendwann sterben. Qu-Miku konnte es nicht fassen. Auch der Rest der Familie sagte, sie habe nur ihre Zeit mit Brian verschwendet.
In dieser Nacht ging Qu-Miku früh ins Bett. Sie weinte ununterbrochen und liess die Erinnerungen an Brian immer wieder in ihrem Kopf ablaufen. Doch als sie endlich mit tränenüberströmtem Gesicht einschlief, wachte sie nie wieder auf.

