Es fing alles am 13.6.2000 an. Meine Mutter legte meine Geschwister und mich in Bondi Beach, damit wir dort schlüpfen konnten. Ich war natürlich die Erste, weil ich immer die Erste in allem sein muss. Mein Name ist Mina. Ich weiss, ich habe einen schönen Namen, das müsst ihr mir nicht zweimal sagen. Ich habe ungefähr sieben Geschwister und bin das einzige Mädchen in der ganzen Familie. Also fertig mit meinem persönlichen Leben.
Gestern in der Nacht ist etwas passiert: Ein Mensch hat mich mitgenommen, er hat mich in einen dreckigen Eimer gelegt und ich wachte später in einer Art Terrarium auf. Meine Brüder waren im Tiefschlaf und haben nicht bemerkt, dass ich weg war. Ich habe die Menschen reden hören und verstanden, dass sie eine weibliche Schildkröte haben wollten. Aber ich bin halt auch schön, also nimmt mich natürlich jemand mit.
Es hatte noch zwei weitere Schildkröten hier drin. Eine hiess Liana und der andere Gabriel. Sie sind Geschwister, aber sie stritten sich die ganze Nacht, und so bekam ich meinen Schönheitsschlaf nicht.
Am Morgen wurden wir von Menschen beobachtet. Als ich Liana fragte, wo wir sind, sagte sie einen komischen Namen: „Wir sind im Zoo.“ Ich wusste nicht, was das ist, also fragte ich noch einmal: „Und was ist ein Zoo?“ Sie antwortete: „Ein Ort, an dem es viele Tiere gibt und Menschen sie anschauen.“ Das fand ich sehr komisch, aber Menschen sind halt komisch. Später habe ich ein Schild gesehen, auf dem „Bondi Aquarium“ stand. Eigentlich waren wir also in einem Aquarium, aber Liana nannte es einfach Zoo.
Ich habe versucht, rauszugehen, aber dann kam jemand rein, der Futter dabei hatte, und natürlich bin ich geblieben. Gabriel und seine Schwester kamen zu mir und sagten, dass sie schon tausendmal versucht haben zu fliehen, aber immer wieder am gleichen Ort gelandet sind. Sie sagten auch, dass sie nie den richtigen Moment gefunden haben, weil immer Menschen in der Nähe waren.
Aber es war meine Mission, da herauszukommen. Also habe ich monatelang nach einem Weg gesucht. Es war das Schwierigste, was ich jemals gemacht habe. Aber ich habe einen Weg und den richtigen Zeitpunkt gefunden, damit ich wieder zurück zu Bondi Beach gehen konnte. Ich habe jede Nacht an meine Familie gedacht, weil ich sie so vermisst habe. Ich hatte auch Angst, dass ich sie vielleicht nie wiedersehe. Trotzdem war ich auch ein bisschen stolz auf mich, weil ich in dieser Zeit ein grosses Abenteuer erlebt hatte.
Also zurück zum Plan. Um 12.00 Uhr bekommen wir unser Essen und um 12.30 Uhr essen die meisten Menschen ihr Mittagessen. Also gehe ich um 12.30 Uhr aus dem Terrarium und laufe bis zum Eingang. Ich bin nämlich eine schnelle Schildkröte und nicht so langsam wie die anderen. Dort verstecke ich mich im Gebüsch und warte, bis ich niemanden mehr sehe. Ein Wunder ist auch, dass der Strand nur zwei Minuten entfernt ist. Dann renne ich bis zum Strand und suche meine Brüder. Ein guter Plan, oder?
Zum Glück hat der Arbeiter, der uns das Futter brachte, einmal die Tür nicht richtig zugemacht. Ich bin durch einen kleinen Spalt im Gitter rausgekommen. Ich dachte kurz, er hätte mich gesehen, weil er sich zu mir heruntergebückt hat, aber er hat nur seine Schnürbändel zugemacht.
Zum Glück lief alles wie geplant, ausser dass Liana und Gabriel mitgekommen sind. Aber das war okay. Lia und Gabriel haben mir später gesagt, dass sie den Spalt im Gitter nie bemerkt haben. Als wir am Strand ankamen, habe ich meine Brüder sofort erkannt und laut nach ihnen gerufen. Sie haben mich zuerst überrascht angeschaut, aber dann sind sie schnell zu mir geschwommen. Meine Geschwister haben sich auch schnell mit Liana und Gabriel angefreundet.
Ich habe mich so gefreut, dass ich wieder bei meinen Geschwistern bin. Auch wenn sie es nicht so zeigen, weiss ich, dass sie sich auch sehr freuen.
Also, das war’s mit meinem Leben. Tschüss.


Liebe/r ? Ein netter Text, ist das ein Beitrag zur Impulswerkstatt? Wenn ja, wüsste ich gerne, wie du heißt, damit ich es auf der Liste dazuschreiben kann. Liebe Grüße