Fehler passieren (ABC-Etüde)

Es war ein normaler Tag, an dem meine Familie und ich einen kleinen Spielnachmittag machten. Mein Vater war nicht dabei, weil er arbeiten musste. Dafür spielte mein kleiner Bruder Cedrik mit. Es war sein letzter Schultag in der 6. Klasse und nach den Sommerferien musste er entweder in die Sek oder ins Gymnasium wechseln.

Cedrik war sehr schlau und hatte gute Noten, deshalb machte er die Gymiprüfung. Bis jetzt war aber noch kein Bescheid gekommen, ob er die Prüfung bestanden hatte. Trotzdem merkte ich, dass er nach der Schule etwas komisch drauf war, aber ich ignorierte es zuerst. Ich dachte, es sei einfach ungewohnt für ihn, weil er nun nicht mehr in der 6. Klasse war.

Wir spielten UNO. Als Cedrik kam, rückte er seinen Stuhl zurecht und wir fingen an, zu spielen. Wir legten immer wieder Karten ab, bis Cedrik mitten in der Runde plötzlich in sein Zimmer ging. Er wirkte immer noch komisch. Mein Instinkt sagte mir, dass ich ihm folgen sollte, ohne dass er es merkt.

Ich versteckte mich hinter der Tür und sah, wie Cedrik weinte. Auf seinem Bett lag der Brief mit dem Resultat der Gymiprüfung. Da verstand ich sofort, dass er die Prüfung nicht bestanden hatte. Ich fragte ihn, ob alles in Ordnung sei, aber er erschrak, weil ich plötzlich aus dem Nichts auftauchte. Er sagte, dass er sich schuldig fühle, weil unsere Mutter grosse Erwartungen an ihn hatte.

Ich sagte ihm, dass er sich trauen soll, es unserer Mutter zu sagen, und er stimmte zu. Unsere Mutter erklärte ihm, dass so etwas manchmal passieren könne und es nicht schlimm sei. Danach umarmten sich die beiden.


Dieser Text ist Teil der ABC-Etüden, eines Projekts, das von Christiane am Leben gehalten wird. Im April 2026 sind die Begriffe Instinkt, schuldig, rücken vorgegeben. Die Länge des Textes darf 300 Wörter nicht überschreiten.

Geschrieben wurde diese Etüde von Angél, einem Erstklässler des Schuljahrs 25/26.

Eine Antwort auf „“

  1. Bittere, gut geschriebene Geschichte über enttäuschte Erwartungen und Wünsche. Und es macht ja auch für die Zukunft etwas aus, ob man aufs Gymnasium geht oder nicht – ich weiß nicht, ob man bei euch auch später noch problemlos wechseln kann.
    Gut, dass die Mutter so reagiert und ihn getröstet hat.

    Danke für die Etüde! 🙂

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