Verschwundene Kinder im Wald: Ein rätselhaftes Schicksal

Es war einmal eine Familie mit fünf Kindern. Die Kinder hiessen Ila, Anna, Lino, Luan und Selina. Sie lebten in einem Bauernhaus, weil sie nicht so viel Geld hatten. Im Sommer war es viel zu heiss in dem Haus und im Winter viel zu kalt. Die Eltern mussten jeden Tag von früh bis spät arbeiten, deshalb waren die Kinder meist auf sich selbst gestellt. Sie spielten oft mit den Tieren oder gingen im Sommer im Wald spielen, denn direkt neben dem Haus lag ein sehr grosser Wald.

Im Dorf munkelte man, dass man, wenn man zu weit in den Wald hineingeht, nie wieder herausfindet. Der Wald war mit Moor bedeckt und stockdunkel. Man erzählte sich auch, dass am 29. Februar immer wieder Dinge im Wald verschwinden. Manche sagten sogar, dass das Holz an diesem Tag wie von selbst verschwinde.

Doch die fünf Kinder hatten keine Angst. Trotzdem dachten sie schon immer darüber nach, was passieren würde, wenn sie doch einmal nicht mehr herauskommen würden. Darum spielten sie meistens nur am Waldrand.

An einem Tag, am 29. Februar, war es sehr kalt, denn in der Nacht hatte es leicht geschneit. Im Haus war es auch nicht richtig warm und die ganze Familie fror. Der Wind pfiff durch die Ritzen und ohne Feuer hätten sie die Nacht kaum überstanden. Sie mussten ein Feuer machen, doch es war kein Holz mehr da. Also schickte der Vater Luan und Lino los, um Holz zu holen. Die beiden gingen zum Waldrand, denn dort lagen normalerweise immer viele Äste. Doch an diesem Tag lagen keine Äste dort.

Der Boden war leer, als hätte jemand alles eingesammelt. Es waren nicht einmal kleine Zweige zu sehen. Sie wunderten sich, warum genau an diesem Tag kein Holz mehr da war, wussten aber keine Antwort und dachten sich nichts weiter dabei. Sie erinnerten sich kurz an die Geschichten aus dem Dorf, doch sie glaubten nicht wirklich daran. Deshalb liefen sie in den Wald hinein.

Die beiden Jungen gingen immer tiefer in den Wald, weil sie nirgends Holz fanden. Sie dachten, vielleicht hatte jemand anderes das Holz ebenfalls für ein Feuer gebraucht. Mit jedem Schritt wurde der Boden feuchter und weicher, doch sie bemerkten nicht, wie sie sich immer weiter vom sicheren Weg entfernten. Doch je weiter sie gingen, desto mehr verloren sie die Orientierung und verirrten sich. Ein dichter Nebel zog zwischen den Bäumen auf.

Der Wald wurde immer dunkler, weil er so dicht war. Die Jungen wollten umdrehen, doch sie fanden den Weg nicht mehr hinaus. Sie bekamen grosse Angst und rannten wie wild umher. Plötzlich knickte Luan um und konnte nicht mehr richtig auftreten. Lino war so kalt, dass er ihm kaum helfen konnte. Sie wussten, dass sie zurückgehen sollten, doch sie hatten Angst, ohne Holz nach Hause zu kommen, und hofften, noch irgendwo Äste zu finden. Sie konnten nicht mehr richtig weiter, gingen aber trotzdem noch ein Stück weiter, was keine gute Entscheidung war, denn sie gerieten in das Moor und versanken darin. Der Boden gab plötzlich nach und zog sie langsam nach unten, egal wie sehr sie sich wehrten.

Zu Hause bekamen die Eltern und die anderen Kinder grosse Angst, weil Luan und Lino nicht zurückkamen. Sie kannten ja die Geschichten über den Wald. Der Vater ging zum Waldrand und sah Fussabdrücke, die in den Wald führten. Doch plötzlich hörten sie auf. Da wusste er, dass dort das Moor begann und die Jungen darin eingesunken sein mussten. Er ging zurück zum Haus und sagte, dass die Jungen im Moor verschwunden seien und es unmöglich sei, sie zu finden. Trotzdem konnte er nicht einfach aufgeben. Er wusste nicht, was er tun sollte, denn wenn er selbst ins Moor ging, würde er dort ebenfalls für immer bleiben.

Die Familie wusste nicht, was sie tun sollte. Im Dorf Hilfe zu holen, wäre vielleicht klug gewesen, aber sie waren sehr unbeliebt, weil sie kein Geld hatten. Ausserdem hatten die Dorfbewohner grosse Angst vor dem Wald und weigerten sich oft, überhaupt in seine Nähe zu gehen. Darum suchten sie alleine im Wald. Der Vater ging voran und suchte weiter. Er folgte den letzten Spuren und tastete sich vorsichtig vorwärts, Schritt für Schritt, um nicht selbst im Moor zu versinken. So fand er schliesslich die Jungen. Doch als er sie sah, erstarrte er. Er konnte sich nicht mehr bewegen, denn er sah nur noch Kleidungsstücke, die aus dem Moor ragten. Er stand zwanzig Minuten lang einfach nur da. Wegen der grossen Kälte erfror er fast. Mit letzter Kraft schaffte er es zurück zu seiner Familie. Doch als er beim Haus ankam, war er so erschöpft und durchgefroren, dass er starb.

Die Familie ging ins Dorf und erzählte, was passiert war. Doch niemand half ihnen. Stattdessen wurden sie beschuldigt, die drei absichtlich in den Wald geschickt zu haben, obwohl sie wussten, dass dort Moor ist. Die Dorfbewohner glaubten, die Familie habe die Gefahr ignoriert und sei selbst schuld an allem. Einige behaupteten sogar, sie hätten die Jungen absichtlich geopfert. Sie wurden bestraft, mit der Todesstrafe.

Genau ein Jahr später, wieder an dem unheimlichen Datum, ging eine andere Familie in den Wald, um Holz zu holen, und kam nicht mehr zurück. Dieses Mal wurde niemand bestraft, doch die Leute fanden es sehr seltsam. Trotzdem unternahm niemand etwas, denn die Angst vor dem Wald war grösser als der Mut, die Wahrheit herauszufinden.

Wieder verging Zeit und immer dann, wenn dieses besondere Datum zurückkehrte, verschwanden Menschen. Das ging viele Jahre lang so.

Schliesslich beschloss man, dass man das Jahr verkürzt und der 29. Februar nur noch alle vier Jahre vorkommt. Man hoffe, dass damit auch das Verschwinden von Menschen aufhört.

Bis heute weiss niemand, warum genau an diesem Tag das Holz verschwindet. Manche glauben, dass der Wald sich an diesem Tag das zurückholt, was ihm genommen wurde.

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