Der Tunnel (ABC-Etüde Mai)

In der Nacht musste ich durch einen dunklen Tunnel laufen. Die Lichter flackerten die ganze Zeit, bis plötzlich alle ausgingen. Mein Instinkt sagte mir sofort: „Renn um dein Leben!“ Ein kalter Schauer lief mir über den Rücken und ich rannte einfach los. In der Ferne sah ich eine Strassenlampe und rannte hastig dorthin. Dort rief ich meine Schwester an und sagte ihr, dass sie mich abholen kommen soll. Ein paar Minuten später kam sie schon angefahren. Ich sprang fast ins Auto hinein und erzählte ihr alles. Aber sie glaubte mir nicht und lachte mich eher aus.

Eine Woche später gingen wir mit ihren Freunden in eine Bar etwas trinken. Auf dem Heimweg mussten immer mehr Leute in andere Richtungen gehen, bis nur noch meine Schwester und ich übrig waren. Nach ein paar Minuten standen wir wieder vor dem Tunnel. Ich blieb sofort stehen, aber meine Schwester sagte nur: „Komm, es ist doch nur ein Tunnel.“ Langsam rückte ich näher an den Eingang heran und ging mit ihr hinein. Die Lichter flackerten wieder wie letztes Mal. Draussen fing es an zu gewittern und wir liefen immer schneller.

Plötzlich kam ein warmer, unangenehmer Windstoss durch den Tunnel. Ich konnte mich keinen Zentimeter mehr bewegen. Meine Schwester fiel ein paar Meter vor mir auf den Boden und fing stark an zu zittern. Weisser Schaum kam aus ihrem Mund und dann lag sie einfach regungslos da.

Eine grosse schwarze Gestalt kam langsam auf mich zu. Ich wollte wegrennen, aber mein Körper machte nicht mehr mit. Ich fühlte mich schuldig, weil ich meiner Schwester nicht helfen konnte, und fing an zu weinen.

Dann spürte ich plötzlich Hände an meinen Schultern. „Wach auf!“ Ich erschrak so stark, dass ich zuerst kaum Luft bekam. Dann merkte ich, dass alles nur eine Schlafparalyse gewesen war.


Dieser Text ist Teil der ABC-Etüden, eines Projekts, das von Christiane am Leben gehalten wird. Im Mai 2026 sind die Begriffe Instinkt, schuldig, rücken vorgegeben. Die Länge des Textes darf 300 Wörter nicht überschreiten.

Geschrieben wurde diese Etüde von Abdou, einem Schüler des Wahlfach Bloggen 25/26..

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