Ich bin Matilda und 12 Jahre alt. Früher sah ich beim Spielen in unserem Garten oft einen Mann, der mich immer tief in die Augen schaute. Ich dachte mir nichts dabei. Doch eines Tages sprach er mich an: «Hallo, könntest du mir helfen, die Säcke in mein Auto zu bringen?» Ich half ihm, als er plötzlich eine Pistole auf mich richtete und sagte: «Sofort ins Auto, oder ich drücke den Abzug!» Ich hatte grosse Angst und stieg ein.
Er brachte mich in ein verlassenes Haus. Dort hielt er mich mehrere Wochen gefangen. Ich musste alles für ihn tun. Im Haus war es immer dunkel, nur durch ein kleines Fenster kam etwas Licht.
Einmal wollte er, dass ich Alkohol probiere. Ich weigerte mich, doch er wurde wütend. Also nahm ich einen Schluck. Es schmeckte säuerlich und bitter. «Und, wie schmeckt es?», fragte er. «Gut», antwortete ich aus Angst.
Er erzählte mir lachend, dass ich überall gesucht werde. Nachts sperrte er mich mit Handschellen und Fussfesseln in eine grosse Box.
Wenn er ass, kleckerte er immer. Danach musste ich den Boden scheuern. Wenn ich nicht sofort anfing, schrie er: «Der Dreck geht nicht von allein weg!»
Eines Tages vergass er, mich zu fesseln. Als er schlief, sah ich meine Chance. Ich öffnete vorsichtig das Fenster, kletterte hinaus und rannte zur Strasse. Dort hielt ich ein Auto an und rief: «Bitte bringt mich zur Polizei! Ich wurde entführt!»
Die Polizei fand den Mann später im verlassenen Haus und verhaftete ihn.
Heute bin ich wieder zu Hause, aber ich bin nur noch ein Abglanz meines früheren Ichs. Früher spielte ich gerne allein im Garten. Heute habe ich Angst, sobald ich einen fremden Mann sehe.
Dieser Text ist Teil der ABC-Etüden, eines Projekts, das von Christiane am Leben gehalten wird. Im Oktober 2026 sind die Begriffe Abglanz, säuerlich, scheuern vorgegeben. Die Länge des Textes darf 300 Wörter nicht überschreiten.
Geschrieben wurde diese Etüde von Mark, einem Zweitklässler 26/27.


Das ist wirklich eine schlimme Geschichte. Du schreibst nicht, ob der Mann sie belästigt hat, aber sie hat auf jeden Fall Glück gehabt, dass sie davongekommen ist. Und ja, ohne therapeutische Hilfe wird ihr das ihr ganzes Leben versauen.
Danke, dass du mitgeschrieben hast! 😀