Das Versteckspiel (Helin)

In den Hügeln lebte ich mit meiner Mutter und meinem jüngeren Bruder Leo. Wir hatten ein kleines Häuschen mit einem Schuppen. Um unser Haus herum gab es nur noch vier andere Häuser. Wenn man ca. 10 Minuten den Hügel hinunterging, kam man in eine kleine Stadt.

Mein Bruder und ich spielten gerne Verstecken. Wir hatten gerade Ferien und unsere Mutter ging einkaufen, währenddessen musste ich auf Leo aufpassen. Wir entschlossen uns Verstecken zu spielen, ich musste zählen. Als ich bei 30 angekommen war, öffnete ich die Augen und fing an, im Erdgeschoss zu suchen.

Doch Leo war nirgends zu finden. Ich schaute auch in unseren alten Verstecken, wie unter den Betten, nach. Doch mir war es nicht möglich, ihn zu finden. Im Schuppen konnte er nicht sein, davor hatte er doch Angst. Wenn man nämlich keinen Keil oder Ähnliches legt, bekommt man sie von innen nicht mehr auf.

Da ich nicht wusste, wo ich ihn sonst noch suchen sollte, ging ich zum Schuppen. Gespannt schaltete ich die Lampe an, die den Raum jedoch nur spärlich beleuchtete. Von hinten hörte ich ein leises Kichern, ich hatte ihn also doch gefunden. Um das Ganze etwas spannender zu gestalten, entschied ich mich so zu tun, als hätte ich ihn nicht gehört. Es gab einen zweiten Eingang, von dem ich mich hinter ihn schleichen konnte, um ihn so zu erschrecken.

Leise wie ein Mäuschen öffnete ich die Tür. Ich tappte zu Leo hinüber und packte seinen Arm. Er schrie auf und stolperte nach hinten. Dabei riss er mich mit. Ich versuchte mich an etwas festzuhalten und zog an der Lampe. Sie fiel krachend auf den Boden. In der ganzen Aufregung hatte ich ganz vergessen, etwas in die Türe zu legen.

Wir sassen im Stockdunkeln, nur unter der Türe schien ein blasser Lichtstrahl durch. Leo begann zu weinen. Ich weiss, er ist noch ein kleines Kind, aber trotzdem fand ich das etwas übertrieben.

Leon hatte sich inzwischen beruhigt und wir klopften an die Tür in der Hoffnung, dass uns jemand hörte, aber da wir abseits wohnten, kam niemand. Um uns die Zeit zu vertreiben, erfanden wir eine abenteuerliche Geschichte: Wir krochen durch einen Geheimtunnel aus dem Schuppen und gelangten und in Spionage-Labor. Dort wartete schon ein Auftrag auf uns.

Wir wollten ihn gerade akzeptieren, als unsere Mutter hineinkam und uns sitzend am Boden fand. Rund 20 Minuten waren wir eingeschlossen, hatten aber in dieser Zeit ein ziemliches Chaos veranstaltet.

Als wir ihr die Geschichte erzählten, fing sie an zu lachen. Leo und ich räumten das Chaos auf und entschieden, dass wir uns nicht mehr im Schuppen verstecken würden.



Dieser Text ist im Rahmen der Impulswerkstatt November/Dezember 2022 von Myriade entstanden.

3 Antworten auf „Das Versteckspiel (Helin)“

  1. Liebe Helin! Danke für deinen Beitrag. Deine Geschichte war für mich sehr spannend, weil ich ständig dachte, dass irgendetwas Schreckliches passieren würde (Bruder verschwunden, beide stundenlang in den Schuppen eingesperrt…) Vielleicht hast du das gar nicht absichtlich gemacht. Und natürlich muss in einer Geschichte nichts Schreckliches passieren damit sie interessant ist, wie man hier auch sehen kann.
    Gefällt mir gut, auch dass du das „in den Hügeln“ eingebaut hast !
    Liebe Grüße

    1. Vielen Dank für den freundlichen Kommentar. Ich habe selbst während dem schreiben überlegt ob ich noch eine gruselige Wendung einbauen soll, habe mich aber schlussendlich dagegen entschieden. Mir hat der Auftrag sehr gut gefallen und viel Spass gemacht.

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