Herr Kraske war dazu verdonnert worden, die Deutschaufsätze der BC3A zum Thema Mittelalter zu korrigieren. Die Aufgabe lautete, zu fünf verschiedenen Aspekten des Mittelalters insgesamt 10.000 Zeichen zu schreiben – eigentlich kein Problem, könnte man meinen.
Er beschloss, direkt loszulegen. Es war Samstagmorgen, er hatte Zeit. Aber zuerst holte er sich einen Kaffee. Mit dampfender Tasse setzte er sich an sein Pult und griff als Erstes zu Florians Arbeit, um einen angenehmen Einstieg zu finden. Wie erwartet war der Aufsatz hervorragend. Klar gegliedert, sauber formuliert, alle Quellen ordentlich unten aufgelistet.
Ganz anders war die Arbeit von Marcel. Er erzählte etwas über irgendeine Ameise, hatte wilde, teils erfundene Quellenangaben quer über den Text verstreut und die zahlreichen Rechtschreibfehler machten das Lesen zur Qual. Die Mischung aus Fehlern und fragwürdigen Quellen war für Herrn Kraske … quälend.
Umso erfreuter war er, als er als Nächstes Chantals Aufsatz aus dem Stapel zog. Wie immer hatte sie eine umwerfende Arbeit verfasst, sogar besser als Florians. Sie hatte nicht nur korrekte Informationen und nachvollziehbare Quellen verwendet, sondern auch in einer wunderbar klaren Sprache formuliert.
Dann kam Sonjas Text. Ausnahmsweise war er so gut, dass er fast unmenschlich wirkte. Im wahrsten Sinne des Wortes: Ihre einzige Quelle war offenbar ein KI-Chat, der mit dem Hinweis endete: „Sag einfach, wie ich dir sonst noch weiterhelfen kann.“ Herr Kraske schmunzelte, nahm den letzten Schluck Kaffee und beschloss, sich später wieder den restlichen Aufsätzen zu quellen – oder besser gesagt, sich durch sie hindurch zu quälen.
Im April 2025 ist etwas ganz Besonderes los. Wir dürfen zum ersten Mal die drei Begriffe für die ABC-Etüde von Christiane beisteuern! 🎉 Sie lauten: quellen, unmenschlich, Ameise.
Mit unseren drei gespendeten Begriffen ist ein kreativer Text mit maximal 300 Wörtern zu verfassen.


Das ist ganz sicher die Realität mit der sich Lehrer jetzt immer häufiger auseinander zu setzen haben, die Verwender von KI aber auch. Immer schon selbst noch einmal nacharbeiten. 🙂
Ich finde die Geschichte super.
Mit dem Sinn von „sich später wieder den restlichen Aufsätzen zu quellen“ habe ich allerdings ein Verständnisproblem. Arbeit, die auf seinem Schreibtisch nicht weniger zu werden scheint, sondern ihm geradezu entgegen quillt, stelle ich mir zwar dabei vor, aber nur weil ich selbst es im Kopf so hinmogele.
Wäre es für dich nachvollziehbarer, wenn der Satz so lauten würde?
„sich später wieder mit den restlichen Aufsätzen zu quellen – oder besser gesagt, sich durch sie hindurch zu quälen.“ Roses Idee war, ein Wortspiel zu verwenden. Der arme Lehrer wird von den vielen Quellen so gequält, dass er am Ende sogar die Verben vertauscht.
Oder hast du eine elegantere Lösung?
Von der Vielfalt der möglichen Quellen gequält zu sein macht Sinn, die Idee gefällt mir noch besser als mein Versuch einer Lesart.
Leider wurde mit „quellen“ ein Verb gegeben. Das mit Eleganz zu beweisen fällt mir auch schwer.
20 Schüler/Schülerinnen mal 10.000 Buchstaben ist ja schon mal etwas, wobei einem das Hirn überquellen kann und man die Worte verwechselt. Ich finde das Wortspiel sehr gelungen, zeigt es zeigt, dass die Autorin sich sehr viel Gedanken gemacht hat, nicht nur über den Inhalt. Und über den wird nach meiner Meinung zu oft diskutiert und Form und versteckte Kunstgriffe zu wenig erkannt und auch kaum bewertet.
Vielen Dank für den freundlichen Kommentar 🙂
Es freut mich, dass dir mein Text und Wortspiel gefällt.
Liebe Grüsse Rose
Ich mag das Wortspiel auch, aber ich glaube, dass wir „quellen“ einfach so nicht verwenden würden. Trotzdem finde ich dir Idee prima. 👍
Danke für die Etüde! 😁👍