Dumpf schlägt der Stab immer wieder im selben Takt auf den schweren Steinboden auf. Immer und immer wieder, bis es plötzlich aufhört. Dann ist es still.
Ich lausche in die Nacht hinein. Doch das Geräusch ist verschwunden. Die Stille umgibt mich,und legt sich wie eine wohlige Hülle um meinen Körper. Und dann plötzlich, nach langer Ruhe, dröhnen erneut laute Schläge über das Dorf hinweg.
Mein Herz pocht laut, als ich mich leise durch die Gasse zum einzigen beleuchteten Fenster weit und breit schleiche. Vorsichtig spähe ich von der Seite durch das kleine Kellerfenster hinein. Wie vom Schlag getroffen taumle ich rückwärts, schlage auf dem dreckigen Boden auf und unterdrücke mit aller Kraft einen Aufschrei. Das Gesicht dort unten ist voller Falten, von Schatten überzogen und Augen so stechend scharf wie die eines Adlers.
Ob er mich gesehen hat? Das Blut steigt mir in den Kopf und die Welt beginnt zu rauschen, als ich mich zögerlich erneut nähere. Die Gestalt arbeitet. Sie hält etwas in den Händen und ist tief darüber gebückt. Mein Atem geht schneller, als sie sich umdreht und nach etwas sucht.
Und dann erkenne ich den alten Mann. Ein Stein fällt mir vom Herzen. Es ist ein Mensch. Jetzt erkenne ich endlich den alten Erfinder.
Der hinterhältige und zugleich freundliche Erfinder. Jeder kennt ihn. Erleichtert atme ich auf, doch dann erkenne ich noch etwas anderes. Auf der Schulter des schrumpligen Mannes sitzt ein Papagei. Majestätisch plustert er sein Gefieder, dreht langsam den Kopf und blickt mir mitten in die Seele. Ein Schauer kriecht meinen Rücken hinunter und meine Finger krallen sich in das feuchte Holz des Hauses. Ich kann meinen Blick nicht losreissen, also starre ich zurück.
Langsam, als wolle er mir Angst einjagen, dreht sich der Erfinder um und entdeckt mich nach einer Weile im kleinen Fenster. Der alte Mann reisst die Augen weit auf, lässt alles mit einem lauten Knall zu Boden fallen und sucht verzweifelt nach Halt. Jedoch findet er nichts und plumpst, zu Tode erschreckt, auf den knarrenden Holzboden. Ich schaue mit offenem Mund auf das ganze Spektakel, reisse schliesslich die Tür auf und stürme hinein.
„Ich bin doch bloss der alte Stadtstreuner“, rufe ich entschuldigend und helfe ihm auf die Beine. Das runzlige Gesicht mustert mich erst empört, dann scheint er zu realisieren und beginnt bitterlich zu lachen. Kurz bin ich verwundert und überrascht, dann stimme ich in das Gelächter mit ein. Wir lachen, bis uns die Bäuche schmerzen, uns die Luft ausgeht und schliesslich draussen sogar langsam die Sonne aufgeht.
Und ich weiss: Ab dieser Nacht werde ich mich nie wieder einsam und allein durch die Stadt kämpfen müssen. Nein, denn hier habe ich meinen allerbesten Freund gefunden. Und eine wunderbare Geschichte hat begonnen, die noch lange erzählt werden wird.

