Li-mun, eine junge Japanerin, die erst 19 Jahre alt ist, trifft den Amerikaner Cody Etherington, der 23 Jahre alt ist und sich nur vorübergehend im Land aufhält, in einem Café. Er findet zunächst keinen freien Platz. Dann sieht er jedoch einen freien Platz neben einer jungen Dame. Höflich fragt er sie, ob er sich ihr gegenübersetzen dürfe. Sie sagt „Ja“, und langsam kommen sie ins Gespräch und lernen sich ein wenig kennen.
Dann, aus dem Nichts, schüttet die junge Dame ihren Kaffee auf den Soldaten, direkt auf seine neue Uniform. Sie entschuldigt sich sofort und bietet ihm an, die Uniform bei ihr zu Hause zu waschen. Sie wäscht sie und gibt sie ihm zurück, als wäre nichts gewesen. Danach gehen sie noch ein wenig spazieren und fangen an zu spielen und zu lachen. Doch der Tag ist schon fast vorbei und es wird langsam dunkel. Die Japanerin geht nach Hause, und der Amerikaner muss zurück in seine Militärbasis.
Am nächsten Tag ist es vorbei mit Freizeit und Spass. Er muss den ganzen Tag im Militär bleiben, Tests absolvieren und trainieren. Morgen müssen sie bereits abreisen. Wie soll er da noch Zeit für die nette junge Japanerin finden, die er im Café kennengelernt hat? Es ist nun 20.00 Uhr, das Militärtraining ist vorbei und er hat kaum noch Zeit für sie. Er akzeptiert schliesslich, dass er sie wohl nie wiedersehen wird, und beginnt, seine Sachen zu packen.
Am nächsten Morgen steht er auf und ihm wird sofort mitgeteilt: „Da es zu weiteren Konflikten kam, müssen wir noch fünf Tage bleiben, Männer.“ Innerlich freut er sich sehr, doch er zeigt es nicht und nickt nur.
An diesem Tag hat er wieder genug Freizeit, um etwas Zeit mit der jungen Japanerin zu verbringen. Er geht erneut in das Café, in dem sie sich kennengelernt haben, und spricht einen älteren Mann an. Er beschreibt ihm, wen er sucht. Der Mann antwortet verärgert:
„Wen du suchst … das ist meine Tochter. Und woher kennst du sie?“
Darauf antwortet er nervös: „Freut mich, Sie kennenzulernen. Ich habe Ihre Tochter hier in diesem Café kennengelernt. Danach hatte ich keinen Kontakt mehr mit ihr.“
Der Mann fragt ihn sofort aus: „Wie viel verdienst du? Was hast du mit meiner Tochter vor?“
Die Fragen kommen wie aus der Pistole geschossen. Er wird nervös, fängt an zu schwitzen und sagt: „Ich will nur Gutes für Ihre Tochter, das schwöre ich Ihnen.“ Der Mann antwortet: „Gut. Wenn du zu unserer Religion konvertierst, kommt es für mich infrage. Komm zurück, wenn du bereit bist.“ Er hinterlässt einen Zettel mit seiner Adresse auf dem Tisch und verschwindet durch die Hintertür des Ladens, als wäre er nie da gewesen.
Ich bleibe noch eine Weile sitzen und starre auf den Zettel. Ich kann mir nicht vorstellen, wie ich zu einer anderen Religion wechseln könnte. Mein Vater, der früher auch im Militär war und inzwischen tot ist, wäre empört. Aber ich weiss: Wenn ich das nicht tue, werde ich nie die Liebe meines Lebens heiraten.
Während ich versuche, die richtige Entscheidung zu treffen, höre ich plötzlich eine bekannte Stimme meinen Namen sagen. Ich schaue rüber und sehe Li-mun. Sie winkt mir zu, setzt sich neben mich und fragt, was los sei. „Alles bestens“, sage ich. Sie lächelt und sagt: „Ach egal, ich wollte dir noch etwas geben.“
Sie gibt mir ein traditionelles japanisches Gewand. Sie sagt, es sei von Hand gemacht. Ich ziehe mich auf der Toilette um und merke, dass mir das Gewand perfekt passt. Ich bedanke mich bei ihr, aber sie sagt, sie müsse zur Arbeit, verabschiedet sich und verlässt den Laden.
Sofort denke ich an den alten Mann. Ich schaue auf den Zettel und gehe zu der Adresse. Vor der Haustür nehme ich all meinen Mut zusammen und klopfe an. Li-muns Vater zieht mich hinein und bringt mich in einen dunklen Raum mit Lichterketten an der Decke. Dort steht ein Tisch mit zwei Stühlen. Er macht grünen Tee für sich und mich und fragt, ob die rot-gelben Kleider, die ich trage, von Li-mun seien. Ich sage ja.
Er erklärt mir eine japanische Tradition: „Wenn eine Frau die Liebe ihres Lebens gefunden hat, näht sie ein Gewand wie dieses für ewiges Glück. Doch die Person muss ein Japaner sein, sonst werden er und seine Familie für immer verflucht.“
Er sagt: „Schau doch, es passt dir wie angegossen. Li-mun hat das für dich als Zeichen ihrer ewigen Liebe gemacht. Jetzt geh schnell und rette sie. Du hast nicht viel Zeit. Der Fluch hat sich bereits aktiviert. Laut einer alten Samurai-Legende kann man ihn nur stoppen, indem man selbst einen Fluch auf sich nimmt. Bist du bereit?“ „Ja“, sage ich und fühle mich auf einmal viel schwächer als zuvor.
Plötzlich klingelt es an der Tür. Li-muns Vater öffnet und Li-mun kommt herein, spaziert, als wäre nichts gewesen. Ich frage sie, ob es ihr gut gehe, doch sie tut so, als sei nichts passiert. In diesem Moment erzähle ich ihr von meinen Gefühlen für sie. Sie sagt, sie habe es schon immer gewusst. Ich kann es kaum glauben und frage sie, ob sie mich heiraten wolle. Sie sagt ja.
Doch an dem Tag, an dem die Hochzeit hätte stattfinden sollen, geht alles schief. Während Li-mun und ihre Familie bereits da sind und auf mich warten, hat der Fluch mich vollständig im Griff. Jedes Mal, wenn ich einen Schritt gehe, schrumpfe ich weiter, bis ich kleiner bin als eine Ameise.
Ich konnte nie meine Träume erfüllen und nie General werden. Li-mun hofft, dass sie mich eines Tages wiedersieht. Ich bin immer bei ihr. Sie hört, riecht, spürt, schmeckt und sieht mich, aber sie erkennt mich nicht.
Jeden Tag begleite ich sie überallhin, ohne dass sie es weiss. Bis ich sie eines Tages auf ihrem Sofa weinen sehe. Sie nimmt sich das Leben, weil sie nicht mehr ohne mich leben kann. Als ihr Vater das Messer aus ihrem Körper zieht, ertrinke ich in ihrem Blut.

