Jonas hatte blonde Haare und trug meistens rote T-Shirts. Vor einer Woche war er 13 Jahre alt geworden, doch für die Oberstufe war er überhaupt nicht motiviert. Er hatte noch Ferien, zwar nur noch vier Tage, aber das war immer noch besser als nichts.
Einen Tag vor Schulanfang gingen er und seine Familie in den Zoo. Beim Zoobesuch war Jonas jedoch nicht besonders begeistert, weil er die ganze Zeit an die Oberstufe denken musste. Eigentlich wollte er unbedingt die Giraffen sehen, doch als sie dort waren, konnte er keine entdecken. Das machte ihn zusätzlich schlecht gelaunt.
Danach wollte sein kleiner Bruder zu den Schildkröten. Darauf hatte Jonas gar keine Lust, weil ihr Gehege auf der komplett anderen Seite des Zoos lag und er Schildkröten sowieso langweilig fand. Widerwillig ging er mit. Die Tiere bewegten sich extrem langsam, standen fast nur herum oder lagen still da. Für Jonas war das der langweiligste Teil des ganzen Tages. Danach gingen sie nach Hause.
Zu Hause ass Jonas noch einen Snack und ging früh ins Bett. Er schlief schnell ein, nach etwa zehn Minuten. In dieser Nacht hatte er einen seltsamen Traum. Zuerst war er völlig verwirrt, weil er sich plötzlich so klein fühlte. Alles um ihn herum wirkte riesig. Dann wollte er seine Augen öffnen, doch es gelang ihm nicht. Es fühlte sich an, als wären sie schwer wie Steine. Langsam, ganz langsam, bekam er sie doch auf. Und in diesem Moment verstand er, was los war: Er war eine Schildkröte.
Er konnte nicht aufwachen. Egal wie sehr er es versuchte, er war im Traum gefangen und wusste nicht, wie er herauskommen sollte. Er befand sich in einem Zoo. Vor seinem Gehege standen Menschen, die ihn beobachteten. Neben ihm waren andere Schildkröten, die sich genauso langsam bewegten wie er.
Als Erstes wollte er ins Wasser. Doch weil er sich so unglaublich langsam bewegte, dauerte es eine Ewigkeit, bis er dort ankam. Genau das störte ihn. Jetzt verstand er plötzlich, warum er die Schildkröten im Zoo so langweilig gefunden hatte. Irgendwann später berührte er endlich die Wasseroberfläche. Es war eigentlich sehr angenehm, weder zu kalt noch zu warm.
Später kam ein Zoowärter und warf ihnen Futter ins Gehege. Es war ein grosser Löwenzahn. Von aussen hatte er ganz normal ausgesehen, doch als Jonas hineinbiss, schmeckte er überhaupt nicht appetitlich. Er vermisste plötzlich richtiges Essen und fragte sich, wie lange er das noch aushalten musste.
Nach sehr langer Zeit wurde es plötzlich stockdunkel. Das Licht im Zoo ging aus. Er konnte nicht einmal mehr sich selbst erkennen. Alles war schwarz. Genau in diesem Moment bekam er Angst, für immer eine Schildkröte zu bleiben.
Und dann passierte es. Er wachte ruckartig auf. Es war vorbei.
Er musste nur noch einen einzigen Tag überleben, seinen ersten Tag in der Oberstufe. Für einen kurzen Moment war er erleichtert und dachte, es sei schon Morgen. Doch als er auf die Uhr schaute, war seine Erleichterung sofort verschwunden. Es war erst drei Uhr morgens, mitten in der Nacht vor dem Schulanfang.
Dieser Text ist im Rahmen der Impulswerkstatt Januar/Februar 2026 von Myriade entstanden. Dafür stehen vier Bilder zur Verfügung.
Verfasst wurde er von Adrián, einem Schüler der 1. Sek.


Hoffentlich gefällt es dir jetzt in der Schule besser als erwartet. Jedenfalls eine tolle Idee, der Schildkrötentraum!