Kommen und gehen. Es ist immer dasselbe. Am Morgen treten sie ein, setzen sich auf die schweren Holzbänke und bleiben, bis der Mond hoch am Himmel steht. Jeden einzelnen Tag. Es ist wie eine Sanduhr, die man immer und immer wieder umdreht und ablaufen lässt. Nach einer Weile ist sie leer, doch sie wird erneut gewendet und alles beginnt von vorne.
Der Inhalt ändert sich nicht, die Länge der Tage bleibt gleich, nur das Datum blättert jeden Tag um eine Zahl weiter. Ich wische mit dem nassen Lappen über die klebrigen Tische. Vor einer Stunde habe ich mit dem Besen jeden einzelnen hinausgeworfen. Habe sie angeschrien, bis sie es endlich kapiert haben und über die Türschwelle in die kühle Nacht hinausgetorkelt sind.
Ein Schauer durchfährt mich, als ich an die dreckigen und ekligen Männer denke. Obwohl ich sie jeden Tag sehe, obwohl sie mir irgendwie leidtun und obwohl ich den einen oder anderen gar nicht so unsympathisch finde, ekle ich mich vor ihnen. Erschöpft schmeisse ich alle Putzsachen in die kleine Kammer hinter der Bar und kämpfe mich mit letzter Kraft die schmale Treppe in mein Zimmer hinauf.
Kurz darauf liege ich geduscht und mit geputzten Zähnen im Bett. Wenn die Kasse endlich einmal genug gefüllt ist, wenn ich genug gespart habe, dann werde ich verschwinden. Ich werde nur das Nötigste mitnehmen und mich auf in die grosse Welt machen. Das Meer sehen, die Wälder, die schöne Natur, und mein Geld werde ich mit kleinen Jobs am Strand verdienen.
Ich werde Freunde finden und ein Hund wird mir um die Beine jagen. Die Sonne wird auf mich niederschauen und ein Lächeln wird sich auf ihrem Gesicht ausbreiten. Und es wird so strahlend schön sein, dass die ganze Welt weiss, was passiert ist. Ja, wenn es denn so weit ist, werde ich weit, weit weg gehen und nie wieder zurückschauen.

