Mein Herz pocht wild gegen meine Brust. Glas zersplittert am Boden. Erst eine Flasche, dann die zweite. Ich presse meine zittrigen Hände gegen den Bauch, der sich beim Anblick des blutüberströmten Bodens umdreht. Regen prasselt auf mich nieder und ich weiss nicht, ob Wasser oder Tränen meine Wangen hinabströmen. Mein ganzer Körper zittert und ich lasse mich langsam an der kalten Hausmauer auf den nassen Boden sinken.
Innerhalb weniger Sekunden kleben meine Kleider, vom Regen vollgesogen, an meiner Haut. Doch es könnte mir nicht egaler sein. Ich wünschte, ich würde jeden Moment in einem warmen Bett aufwachen und alles wäre nur ein Traum gewesen. Aber es ist wahr. Es ist wahr und es ist vorbei. Nun ist es endgültig vorbei. Seine tiefblauen Augen starren mir mitten in die Seele.
Vor wenigen Minuten noch voller Angst, sind sie jetzt leer, ausdruckslos und kalt. Ich will schreien, nach ihm greifen, ihn zurückholen. Ich will ihn noch ein letztes Mal umarmen. Ihm sagen, dass ich ihn liebe. Aber ich weiss, dass es vorbei ist. Alles. Nicht nur sein Leben, auch meins. Mit seinem letzten Atemzug hat er auch meinen letzten genommen. „Geh! Bitte geh!“, waren seine letzten Worte.
Auch wenn kein einziger Ton aus seinem Mund kam, verstand ich alles. Und es tut weh. Es tut weh, dass er seine letzten Gedanken an mich verschwendet hat. An mich und mein Leben, das ohne ihn keinen Wert mehr hat. Als ich im Hintergrund endlich die Motorengeräusche der wegfahrenden Motorräder höre, kämpfe ich mich hoch und krabble aus meinem Versteck hervor.
„Julien, bitte!“ Ich will schreien, doch meine Stimme versagt. Je näher ich ihm komme, desto übler wird mir. Alles beginnt sich zu drehen. Überall ist Blut. Ein kalter Schauer läuft mir den Rücken hinunter. Es ist auf seinem ganzen Körper, auf seinem Gesicht. Nein, es kommt aus seinem Gesicht. Ich schnappe nach Luft. „Bitte, Julien, bleib bei mir!“ Immer und immer wieder flüstere ich ihm diese Worte ins Ohr.
Er antwortet nicht. Panisch rüttle ich an ihm, will ihn anschreien, ihm sagen, dass er mich nicht alleine lassen kann. Er darf einfach nicht gehen. Doch mein kraftloser Körper gibt nach und ich falle neben ihm zu Boden. Tränen rollen über mein Gesicht, alles dreht sich und ich klammere mich an seiner kalten Hand fest. Nein, er kann nicht gegangen sein.
Ich kuschle mich so nahe an ihn, wie es nur geht. Doch ich fühle mich nicht mehr geborgen und sicher wie früher. Seine Arme sind schwer, aus seinem Mund kommt keine warme Luft mehr. Nichts ist so, wie es gestern noch war. Alles ist weg.

