«Allen Menschen recht getan, ist eine Kunst, die keiner kann» (Impulswerkstatt)

Als ich fünf Jahre alt war, brachte mir mein Vater einen Satz bei. Dieser Satz lautete «Allen Menschen recht getan, ist eine Kunst, die keiner kann». Ich merkte mir diesen Satz, immerhin hörte er sich bedeutungsvoll an.

Als ich in die erste Klasse kam, fand ich Freunde, auch wenn diese Freundschaft nicht lange hielt. Sie zerbrach nach einem Streit. Als ich traurig zurück nach Hause kam, hörte ich den Satz wieder von meinem Vater: «Allen Menschen recht getan, ist eine Kunst, die keiner kann» Ich merkte, dass der Satz tatsächlich wichtig war und wohl stimmte.

Ich ging am nächsten Tag wieder zur Schule und weg von meinen alten Freunden. Leider fand erst einmal auch in der ganzen ersten Klasse keine Freunde mehr. So wurde ich zum Einzelgänger, bis ich in die vierte Klasse kam.

Aber die Zeit, in der ich allein war, war nicht so schlimm. Ich konnte mich endlich auf meine Hobbys und auf die Schule konzentrieren. So wurde ich innerhalb eines Monats zum besten Schüler der Klasse.

Dann kam ich in die vierte Klasse, wo ich einen guten Kollegen fand. Wir erlebten viel zu zusammen und hatten es gut zu zweit. Alls ich jedoch einen weiteren Kollegen fand, beendete er die Freundschaft und tat so, als würde ich gar nicht mehr existieren. Ich war so sehr enttäuscht, aber ich erinnerte mich an den Satz: «Allen Menschen recht getan, ist eine Kunst, die keiner kann». Und es war mir egal.

Ich hatte jetzt immerhin einen neuen, besseren Kollegen. Ich hatte viel Spass mit ihm und er hat mir immer geholfen. Als wir in die sechste Klasse kamen, erzählte er mir aber, dass er bald wegziehen würde. Ich machte mir Sorgen, da ich meinen einzigen Freund verlieren würde. Nachdem ich von seinem Wegzug erfahren hatte, konnte ich die Zeit mit ihm nicht mehr richtig geniessen und sie ging rasch vorbei.

Und dann war es so weit. Die Sommerferien begannen und er zog weg. Nach den Sommerferien kam ich in die Sekundarschule. Da fand ich neue Kolleginnen und Kollegen, aber die Freundschaft zu meinen Kollegen sollte nicht lange halten. Sie entfernten sich von mir und beendeten die Freundschaft. Ich erinnerte mich erneut an den Satz meines Vaters: «Allen Menschen recht getan, ist eine Kunst, die keiner kann». Also war es mir egal.

Immerhin hatte ich ja noch meine Kolleginnen. Zu dieser Gruppe stiessen immer mehr Leute und wir kamen in die 2. Oberstufe. Unsere Gruppe wurde immer grösser. Doch jetzt, wo ich endlich Freunde gefunden hatte, verging die Zeit wie im Flug.

Wir waren bereits in der 3. Oberstufe und beschlossen, dieses letzte, gemeinsame Jahr noch richtig zu geniessen. Wir wussten einfach nicht, wohin uns unsere Wege nach der obligatorischen Schulzeit führen würden.

Inzwischen sind wir erwachsen und immer noch befreundet. Und das hoffentlich noch lang. Als Vater brachte ich meinen Kindern den Satz «Allen Menschen recht getan, ist eine Kunst, die keiner kann» bei. Auch sie merkten ihn sich. Ich sagte ihnen, dass eines Tages eine Zeit kommen würde, in der sie diesen Satz gebrauchen könnten. Im Leben gibt es immer dunkle Zeiten, aber die gehen glücklicherweise wieder vorbei.


Dieser Text ist im Rahmen der Impulswerkstatt Januar/Februar 2024 von Myriade entstanden. Dafür stehen vier Bilder sowie zwei Rahmensätze zur Verfügung. Er wurde von Luca im Wahlfach Bloggen 23/24 verfasst.

2 Antworten auf „«Allen Menschen recht getan, ist eine Kunst, die keiner kann» (Impulswerkstatt)“

    1. Vielen Dank für diesen netten Kommentar. Es freut mich sehr, dass dir mein Beitrag gefällt. Ich habe mir grosse Mühe gegeben, damit der Satz gut passt.

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