Grenzerfahrung Fahrstuhl (ABC-Etüde)

Mein Name ist Carla und ich erzähle euch über meine erste Grenzerfahrung.

Ich war gerade neun Jahre alt, als meine Mutter mich bat, schnell Orangensaft und Kekse zu besorgen. Ich packte meinen kleinen Rucksack und schwang mich aufs Fahrrad, um zum Supermarkt zu fahren.

Dort angekommen machte ich mich gleich auf die Suche nach Orangensaft und Keksen. Den Orangensaft hatte ich nach fünf Minuten gefunden. Jetzt also nur noch die Kekse. Ich suchte und suchte, fand sie aber einfach nicht.

Schliesslich fragte ich eine freundliche Verkäuferin. Sie erklärte mir, dass die Kekse im oberen Stockwerk seien und ich den Fahrstuhl nehmen solle.

Ich bedankte mich höflich und ging zum Fahrstuhl. Als sich die Türen öffneten, waren schon einige Menschen darin, aber ich stieg trotzdem ein. Doch es kamen immer mehr dazu. Mit jedem neuen Fahrgast wurde der Raum enger, die Luft schwerer. Plötzlich konnte ich kaum noch atmen. Mein Herz schlug wie verrückt und eine Panik überkam mich. Die Wände schienen näher zu rücken, und ich spürte, wie mir schwarz vor Augen wurde.

Als ich wieder aufwachte, befand ich mich im Krankenhaus und meine Mama war da. Der Arzt erklärte mir, dass ich vor Angst ohnmächtig geworden war. Er lobte mich dafür, wie mutig ich gewesen sei, dass ich alleine einkaufen gegangen war – doch ich fühlte mich alles andere als mutig.

Seit jenem Tag vor sieben Jahren habe ich nie wieder einen Fahrstuhl betreten. Die Angst, die mich damals überwältigt hat, verfolgt mich bis heute.

Aber ich weigere mich, mich davon einschränken zu lassen. Ich bin ein abenteuerlustiger Mensch! Jedes Jahr erstelle ich eine To-do-Liste mit Dingen, die mich herausfordern – auch wenn Fahrstühle nicht draufstehen. Inzwischen konnte ich schon vieles abhaken.

Man kann ein erfülltes Leben führen, auch wenn man manchmal Ängste mit sich herumträgt 😊.


Dieser Text ist mit den Wörtern der ABC-Etüde für den September 2024 entstanden, die von Christiane betreut wird. Sie lauten Grenzerfahrungmutig und abhaken. Eine ABC-Etüde darf nicht mehr als 300 Wörter enthalten.


6 Antworten auf „Grenzerfahrung Fahrstuhl (ABC-Etüde)“

  1. Ich finde dich auch mutig. Und wer weiß, vielleicht steht ja eines Tages auch der Fahrstuhl auf deiner To-do-Liste. Übrigens fahre ich auch nicht mit überfüllten Fahrstühlen …
    Danke dir für die Etüde! 🌤️🌳🌻☕

  2. meine Grenzerfahrung war eine Skipiste in Österreich, die mit jeder Sekunder steiler wirkte als sie eigentlich war. Vollends den Rest haben mir die Geröll-Lawinen an der Seite gegeben.

Kommentar verfassen

Entdecke mehr von schreibenblog

Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

Weiterlesen