Gespräch mit dem Psychiater – aus dem Leben eines Smartphones

„Herr Psychiater, ich … ich fürchte, er hat mich verlassen. Seit drei Tagen gibt es kein Berühren, kein Scrollen, nicht einmal ein versehentliches Foto. Bin ich wirklich nicht mehr genug wert, um Speicherplatz zu verdienen?“

„Das ist nicht schön zu hören“, sagt der Psychiater. „Erzähl mir mehr über dich und die Gefühle, die dich beschäftigen.“ Das Handy antwortet traurig: „Ich habe alles versucht – neue Updates, eine bessere For You Page auf TikTok, sogar Rabatte. Aber nichts hat geholfen, ich liege nur da. Mein Besitzer berührt mich nicht einmal.“

Der Psychiater versucht, das Handy etwas zu beruhigen, nickt verständnisvoll und antwortet mit ruhiger Stimme: „Manchmal haben Menschen andere Dinge zu tun, die für sie wichtiger erscheinen. Auch wenn wir nicht verstehen, wie etwas wichtiger sein kann als wir.“

„Sie haben schon recht, aber es tut weh“, schluchzt das Handy. Der Psychiater fragt: „Was sorgt dich am meisten, wenn du an deinen Besitzer denkst?“ „Ich … Ich habe Angst, dass ihm etwas Schlimmes passiert ist. Oder dass seine Freundin ihn verlassen hat. Oder, noch schlimmer, dass ich gegen ein neues Modell ausgetauscht werde“, sagt das Handy und blinkt mit feuchten Augen.

„Ich glaube fest daran, dass dein Besitzer bald zurückkommt“, sagt der Psychiater aufmunternd. Dann fragt er: „Was hat er denn zuletzt seiner Freundin geschrieben?“ Das Handy antwortete: „Er hat ihr gesagt, dass sie sich am Flughafen treffen.“ „Ahh, siehst du? Vielleicht ist er im Urlaub und hat dich einfach zu Hause gelassen“, ruft der Psychiater entschlossen.

Das Handy denkt kurz nach. „Das könnte wirklich sein. Danke.“ Doch dann senkt es seine Stimme und fügt mit schluchzendem Ton hinzu: „Aber … ich bin auch traurig, weil ich in den nächsten Tagen sterben werde. Meine Batterie ist fast leer.“

Der Psychiater erwidert: „Das hoffen wir nicht! Ich glaube, dass er in den nächsten zwei Tagen wiederkommt, denn seine Freundin hat auf den sozialen Medien Bilder von ihnen geteilt.“

„Vielen Dank für Ihre harte Arbeit, Herr Psychiater“, sagt das Handy erleichtert. „Ich kann mir nicht vorstellen, was ich ohne Ihre Hilfe gemacht hätte.“


Janis, WF Bloggen 24/25

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