Als ich 12 Jahre alt war, gingen wir am Silvesterabend zu sechst nach draussen. Wir begannen Schneebälle auf Häuser zu werfen, zuerst auf teure Villen und dann auch auf Gebäude, an denen wir vorbeikamen. So gelangten wir zu einem Haus, welches in einer kleinen Gasse im Schatten lag.
Niemand getraute sich auf dieses Haus zu schiessen, weil dort ein älterer Junge wohnte, der Tarek hiess, gross, stark und dafür bekannt, andere Kinder fertigzumachen.
Auch wir waren schon von ihm geplagt worden. Trotz der Angst, die wir von ihm hatten, waren wir auch wütend und wollten erst recht einen Schneeball gegen sein Haus werfen. Die Gruppe wählte mich aus. Aber ich traute mich nicht richtig, weil ich mich vor den Folgen fürchtete. Wenn er oder einer seiner vier Brüder zu Hause waren und uns erwischten, dann konnten wir mit einer Tracht Prügel rechnen.
Meine Freunde spornten mich an und plötzlich nahm ich allen zusammen Mut und schoss mit voller Wucht auf das Haus.
Sekunden später öffnete sich die Tür und wir hatten fast zu wenig Zeit, um wegzurennen. Tarek war älter und viel grösser, weshalb er auch viel längere Beine hatte und schneller rennen konnte. Wir rannten nach links und rechts, um ihn zu verwirren und schliesslich teilten wir uns auf und alle versuchten einzeln nach Hause rennen.
Als ich nur noch wenige Meter von zu Hause entfernt war, stand er plötzlich vor mir und ich floh. Vor meinem Haus sah ich meine Mutter stehen und rannte schnell zu ihr. Als Tarek ebenfalls angerannt kam, schickte sie ihn weg.
Ich fühlte mich in Sicherheit. Aber dann bemerkte ich plötzlich, dass ich aus Versehen das Handy meines Kollegen eingepackt hatte. Ich musste also nochmals raus, um es ihm zurückzubringen. Ich lief in die Richtung meines Kollegen als ich Tarek erneut sah.
Dieses Mal lief ich aber nicht weg, weil ich über meine Aktion nachgedacht hatte und mich bei ihm entschuldigen wollte. Gesagt, getan und zum Glück nahm er meine Entschuldigung an. Mit gutem Gewissen konnte ich dann meinem Kollegen das Handy zurückbringen.
Ich habe aus dieser Situation viel gelernt. Ich werde keine Schneebälle mehr auf Häuser schiessen, weil es die anderen nicht lustig finden. Die zweite Lehre ist mir noch wichtiger. Wenn ich etwas gemacht habe, das nicht in Ordnung ist, dann stehe ich dazu und entschuldige mich.
Robin, 2024


Lieber Robin
Ich kenne Tarek, er war bei uns in Zwillikon in der Schule. Ich hatte auch Angst von ihm. Aber Respekt, dass du Mut hattest, einen Schneeball auf sein Haus zu werfen.
Liebe Grüsse Leonis Sadrija
Lieber Robin
Respekt, dass du viel Mut hattest! Aber ich bin sehr stolz auf dich, weil du gelernt hast, nicht mehr auf Häuser zu schiessen und auch zu überlegen, wie andere Leuten sich fühlen.
Hallo John
Danke für deinen Kommentar. Ich musste lernen, wie sich andere Menschen fühlen.
Freundlich Grüsse Robin