Die Not naht (Impulswerkstatt)

In einer kleinen Stadt am Ende der Welt lebt ein alter Bauer. Er war sein ganzes Leben lang Bauer und könnte nicht glücklicher sein. Er hat eine liebe Familie, genug zu essen und einen schönen Hof, auf den er stolz ist. Jeden Morgen wacht er mit dem ersten Hahnenschrei auf und trinkt frische Milch. Das macht ihn fröhlich.

Die letzte Ernte war sehr ertragreich und der Bauer hofft, dass es auch dieses Jahr wieder so gut laufen wird. Momentan sieht alles vielversprechend aus und er freut sich schon darauf, die Ernte mit seiner Familie zu teilen. Am Abend sitzen alle zusammen am Tisch und der Bauer sagt voller Zuversicht:

„Dieses Mal wird die Ernte noch besser als letztes Mal!“ Die ganze Familie freut sich und springt auf. Sie wissen, dass sie vielleicht sogar etwas Geld mit der Ernte verdienen können.

Die Frau des Bauern ist so glücklich, dass sie fast in Ohnmacht fällt. „Dann können wir uns endlich eine neue Toilette leisten, die direkt ans Haus gebaut wird“, sagt sie. Der alte Bauer nickt lächelnd und antwortet mit einem klaren „Ja, das werden wir“. Zufrieden gehen sie an diesem Abend zu Bett.

Doch mitten in der Nacht wacht der Bauer plötzlich auf. Er hört laute Schreie seiner Tiere.

Schnell schaut er aus dem Fenster – und was er sieht, schockiert ihn. Draussen tobt ein heftiger Sturm, der schlimmste, den er je erlebt hat. Ohne zu zögern, schnappt er sich seine Taschenlampe und weckt seine Familie. In weniger als einer Minute stehen alle hilfsbereit vor der Tür.

Sie rennen zum Stall und sichern alle Türen und Fenster, damit die Tiere in Sicherheit sind. Dann kuscheln sie sich eng an ihre Tiere und hoffen, dass der Sturm bald vorbei ist.

Doch der Sturm tobt weiter und will nicht aufhören. Der Bauer denkt an nichts anderes als an seine Ernte. „Was, wenn alles kaputtgeht?“, fragt er sich immer wieder.

Der Sturm dauert zwei volle Tage. Als der Wind endlich nachlässt, eilt der Bauer sofort hinaus, um nach seiner Ernte zu sehen. Doch was er sieht, macht ihm das Herz schwer. „Oh nein, meine Ernte, alles ist zerstört“, ruft er verzweifelt. Seine Frau versucht, ihn zu trösten, aber der Bauer ist tieftraurig.

Er kann nicht fassen, dass dieses Unglück ausgerechnet ihn getroffen hat. Ohne die Ernte weiss er nicht, wie seine Familie überleben soll. „Ich bin arm, aber warum muss mir dieser Sturm alles nehmen, was ich habe?“, klagt er. Doch dann schaut er auf seine Familie und seine Tiere und erkennt, dass sie das Kostbarste für ihn sind.

Zum Glück hat er noch Kartoffeln im Keller. Es wird eine harte Zeit und sie müssen sparsam sein, aber sie werden es schaffen. „Solange meine Familie und meine Tiere bei mir sind, werden wir überleben“, denkt der Bauer und spürt, dass er das Wichtigste im Leben nicht verloren hat.


Dieser Text ist im Rahmen der Impulswerkstatt September/Oktober 2024 von Myriade entstanden. Dafür stehen vier Bilder sowie ein Begriff zur Verfügung.


Janis, WF Bloggen 24/25

2 Antworten auf „Die Not naht (Impulswerkstatt)“

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