„When there’s trouble at home, the street becomes paradise“ bedeutet auf Deutsch „Wenn es zu Hause Ärger gibt, wird die Straße zum Paradies.“
Dieser Satz beschreibt eine Realität, die ich selbst und viele andere junge Menschen im Alter von etwa 13 bis 16 Jahren erleben, besonders wenn man aus einem toxischen familiären Umfeld kommt. Wenn das Zuhause kein sicherer Ort mehr ist, etwa wegen ständiger Streitereien oder Gewalt, wird die Strasse zu einer Art Zufluchtsort, zu einem zweiten Zuhause.
Auch ich verbringe oft Zeit draussen, auf der Strasse, weil ich zu Hause seit längerem Probleme habe. Immer wenn mir alles zu viel wird, gehe ich nach draussen, um Abstand zu bekommen und die Ruhe zu geniessen. Auf der Strasse gibt es keinen Menschen, der mich grundlos anschreit oder mir ständig Vorwürfe macht, wie zu Hause.
Für mich und viele andere Jugendliche wird die Strasse zu einem emotional sicheren Ort, weil dort die Probleme, die Gewalt, die Streitereien und die Konflikte von zu Hause nicht existieren. Mit der Zeit habe ich gemerkt, dass es mir draussen viel besser geht. Ich werde abgelenkt, bin frei und habe das Gefühl, selbst bestimmen zu können.
Besonders wichtig in solchen Zeiten sind Freunde, die Ähnliches erlebt haben oder gerade durchmachen. Mit ihnen kann ich offen sprechen, ohne mich erklären zu müssen, sie verstehen, wovon ich rede, weil sie selbst ähnliche Gefühle und Situationen kennen. Diese Freundschaften geben mir das Gefühl, nicht allein zu sein. Bei ihnen fühle ich mich verstanden, angenommen und sicher, ein Gefühl, das mir zu Hause oft fehlt.
Je mehr Zeit ich draussen verbringe, desto wohler fühle ich mich dort, besonders um dem Stress von zu Hause zu entfliehen. Aber mir ist auch bewusst, dass dieses scheinbare „Paradies“ auch Gefahren birgt. Die Strasse bringt Erleichterung und Ablenkung, aber auch Gefahren. Sie kann Einsamkeit verstärken, falsche Freundschaften fördern und sogar Suizidgedanken hervorrufen.
Einsamkeit kenne ich nur zu gut. Sie führt oft dazu, dass ich anfange, mich selbst zu hinterfragen: „Bin ich überhaupt etwas wert? Mögen mich andere wirklich?“. Einsamkeit fühlt sich schlecht an und macht mir oft Angst. Es kommt vor, dass ich mich dafür schäme, mich zurückziehe und denke, ich sei ein Versager. Daraus kann schnell ein Teufelskreis entstehen, aus dem es schwer ist, wieder herauszukommen, besonders wenn ich zusätzlich gestresst bin oder nicht schlafen kann.
Schlafmangel kenne ich ebenfalls gut, und ich weiss, wie belastend das ist. Wenig Schlaf verursacht bei mir Konzentrationsprobleme, extreme Müdigkeit und Erschöpfung sowie psychische Schwierigkeiten. Ich fühle mich dann oft kraftlos, einfache Aufgaben werden plötzlich schwierig und meine Gedanken schweifen ständig ab.
Psychische Probleme, mit denen ich manchmal zu kämpfen habe, sind beispielsweise Depressionen, Schlafstörungen, emotionale Erschöpfung, das Gefühl innerer Leere und Essstörungen.
Für mich ist Freiheit besonders wichtig, denn Freiheit bedeutet, selbst entscheiden zu können und mein Leben eigenständig zu gestalten. Es tut mir gut, wenn ich selbst bestimmen kann, was ich trage oder was ich tue, ohne dass jemand anderes darüber entscheidet. Freiheit gibt mir das Gefühl, ich selbst zu sein.

