Ich hatte einmal Kontakt zu einem Mädchen, das eine schwere Zeit durchgemacht hatte. In mir wuchs eine tiefe Begeisterung für ihre Stärke. Sie war für andere da, auch dann, wenn es ihr selbst schlecht ging. Ihre Eltern konzentrierten sich ganz auf die schwer kranke Schwester. Sie bekam kaum Aufmerksamkeit, doch sie beschwerte sich nie. Sie liebte ihre Familie von Herzen.
Mit der Zeit wurde sie stiller und zog sich immer mehr zurück. Ich merkte, dass sie sich veränderte und sprach sie in einer Pause darauf an. Da erzählte sie mir von ihrer Schwester und dem Druck, den sie mit sich trug. Ihre Offenheit berührte mich sehr, doch ich wusste nicht, wie ich ihr helfen konnte.
Am Abend sprach ich mit meinen Eltern. Nach langem Überlegen luden wir sie zu uns ein, um ihr etwas Normalität und Geborgenheit zu schenken.
Sie kam vorbei, setzte sich an den gedeckten Esstisch. Doch plötzlich sackte sie zusammen. Als sie zu Boden fiel, griff sie nach meiner Hand. Es war ein letzter, stiller Moment zwischen uns. Ich spürte, wie die lauwarme Temperatur ihres Körpers verschwand und sie eiskalt wurde.
Der Notarzt konnte nichts mehr tun. Später erfuhren wir, dass sie an einem unentdeckten Herzfehler gelitten hatte. Die ständige Belastung hatte ihr Herz überfordert.
Es war schwer, ihren Eltern die Nachricht zu überbringen. Uns allen ging es wochenlang nicht gut. Doch Monate später geschah das Unerwartete: Ihre Schwester wurde gesund. Sie konnte wieder laufen. Die Ärzte sprachen von einem Wunder.
Wir glauben bis heute, dass sie der Engel ihrer Schwester war. Sie bleibt in unseren Herzen für immer.
Die Begriffe für die ABC-Etüde von Christiane im Juni lauten: Begeisterung, lauwarm, greifen. Mit diesen drei gespendeten Begriffen ist ein kreativer Text mit maximal 300 Wörtern zu verfassen.


Oh, das ist eine ungewöhnliche Perspektive, sehr interessant und für dich als Protagonist sehr spannend, so darüber zu denken.
Wenn man es anders betrachtet, ist da nämlich einfach ein Mädchen an Nichtbeachtung gestorben, weil ihre Eltern damit überfordert waren, sich auch noch um sie zu kümmern. Tragisch wäre auch das. 🤔
Danke dir für die Etüde! 😁👍
Deine Geschichte hat mich sehr berührt.
Du hast mit einfachen Worten etwas ganz Tiefes erzählt und ich spüre, wie viel Herz darin steckt.
Das Mädchen von dem du schreibst, war unglaublich stark. Auch wenn sie selbst kaum gesehen wurde, hat sie andere unterstützt das zeigt, wie besonders sie war. Und wie viel Liebe sie in sich getragen hat.
Der Moment am Esstisch dein Mitgefühl, deine Hilflosigkeit der Schock – all das kommt in deinem Text sehr klar rüber. Es ist traurig und gleichzeitig wunderschön zu lesen, wie ihr versucht habt für sie da zu sein. Dass ihre Schwester später gesund wurde, ist wirklich etwas ganz Besonderes. Ich glaube dir wenn du sagst, das sie wie ein Engel war.
Danke, das du diese Geschichte geteilt hast. Sie zeigt, wie wichtig es ist hinzuschauen und wie viel wir manchmal mit einem offenen Herzen bewirken können.
Sehr intensiv geschrieben!