Vor einigen Jahren war ich mit meiner Familie für drei Wochen in unserem spanischen Dorf Alcala del Valle. Es ist ein Ort voller Erinnerungen, manche schön, andere weniger.
Während unseres Aufenthalts kaufte sich meine Cousine einen Welpen. Eine grosse, starke Hündin namens Vale. Ihr glänzendes Fell liess sie richtig strahlen. Sie wirkte aggressiv, doch sobald man sie streichelte und sie einen mit ihren hellen Augen ansah, wich jede Angst. Sie hatte einen grossen Beschützerinstinkt.
Eines Morgens war mir sehr langweilig, da man im Dorf nicht viel machen kann, wenn keine Feste stattfanden. Also fragte ich meinen Vater an, ob wir mit Vale spazieren gehen könnten. Er konnte meiner Bitte nicht widerstehen und wir nahmen auch meine ältere Schwester Chiara mit.
Wir machten uns auf den Weg zur Tante, die uns eine Leine mitgab und uns erklärte, wo wir durch sollten. Ich war schon einmal mit Vale spazieren gegangen, aber da war meine Tante dabei und es lief problemlos.
Wir spazierten also los, liefen an einem kleinen Fluss entlang und kamen schliesslich zur Hauptstrasse mit Sportanlagen und Spielplätzen. Plötzlich hörten wir lautes Bellen. Wir wussten, dass es im Dorf ein paar Strassenhunde gab.
Ein grosser schwarzer Hund rannte auf uns zu. Er suchte die Aufmerksamkeit von Vale und wollte sie wohl beeindrucken oder provozieren. Da wir in seiner Nähe waren und ihm den Weg versperrten, bellte er uns aggressiv an. Ich war noch jung und bekam grosse Angst.
Ich hatte panische Angst, dass der Hund mich beissen könnte. Mein Herz raste, mein ganzer Körper zitterte. Ich bekam kaum Luft, Tränen stiegen mir in die Augen. Ich hätte die Idee, spazieren zu gehen, am liebsten sofort rückgängig gemacht.
Als ich den Spielplatz sah, nahm ich all meinen Mut und meine ganze Kraft zusammen und rannte los. Ohne viel zu überlegen, einfach weg. Meine Schwester lief mir hinterher. Diese wenigen Sekunden fühlten sich wie eine Ewigkeit an. Ich wagte es nicht, zurückzublicken, aber ich tat es trotzdem. Der riesige Hund jagte mir hinterher.
Ich schrie meine Angst heraus, riss mich zusammen und rannte weiter. Plötzlich fuhr ein Auto zwischen den Hund und mich und hielt genau im richtigen Moment an. Ich nutzte die Gelegenheit und kletterte schnell auf die Rutschbahn.
Von oben erkannte ich das Auto: Es war mein Onkel mit seinem Sohn. Der Sohn öffnete das Fenster, um den Hund abzulenken, der auf das Auto sprang. Während mein Vater unten bei Vale blieb, verfolgte der Hund das Auto, als es wieder losfuhr. In diesem Moment konnte ich endlich durchatmen. Die Angst war nicht ganz weg, aber ich fühlte mich sicherer.
Ich ging zu meinem Vater zurück, der mich beruhigte und sagte, dass jetzt alles sei. Dann beendeten wir unseren Spaziergang trotzdem.
Zu Hause hatten wir ein grosses Erlebnis, das wir unserer Tante erzählten. Sie war ganz erstaunt, da so etwas ihr noch nie passiert war. Da hatten wir wohl einfach nur Pech gehabt. Aber wir waren sehr froh, wieder zu Hause zu sein. Mein Vater erklärte uns später, wie wir das nächste Mal reagieren sollten.
In diesem Artikel wollte ich euch zeigen, dass Mut sich oft genau dann zeigt, wenn man am meisten Angst hat. Da ich jung war, wusste ich nicht, dass man lieber stehen bleibt, statt wegzurennen. Wenn man an sich glaubt, schafft man alles.
Dieser Text ist im Wahlfach Bloggen 24/25 von Soraya entstanden.

