Inspiriert von Giacomo Puccinis Oper „Madama Butterfly“
Es fing alles mit Patrik (21) und Luna (19) an. Patrik war ein amerikanischer Soldat, der für einen Auftrag nach Japan geschickt wurde, und Luna war eine japanische Näherin.
Als Luna eines Tages aus ihrem Laden kam, sah sie einen Hut auf dem Boden. Sie hob ihn auf und bemerkte zum Glück einen grossen Mann mit braun-blonden Haaren. Sie ging direkt zu ihm und fragte, ob der Hut ihm gehöre. Er drehte sich um, bedankte sich und fragte nach ihrem Namen. Zuerst verstand Luna nicht, was er sagte, bis er es zweimal wiederholte. Luna fand, sein Akzent sei schwer zu verstehen, doch er sprach genug Japanisch, um sich mit ihr zu unterhalten.
Dann antwortete sie: „Luna. Und du?“ – „Ich heisse Patrik“, sagte er. Patrik verliebte sich sofort in Lunas schwarze Haare und ihre Augen. Es war Liebe auf den ersten Blick. Luna verliebte sich ebenfalls gleich, in seine Stimme und sein Lächeln.
Nach ein paar zufälligen Begegnungen auf der Strasse fragte Patrik sie, ob sie einmal etwas zusammen unternehmen wollten. Natürlich sagte Luna ja und sie gingen ins Kino. Von da an trafen sie sich immer wieder.
Doch eines Tages sah Lunas Bruder Ling die beiden zusammen. Er rastete aus, denn erstens hatte Luna ihm gesagt, sie sei mit ihren Kolleginnen unterwegs. Zweitens war es in ihrer Familie streng verboten, vor der Ehe mit Jungen auszugehen, weil sie es als Sünde betrachteten. Und drittens war Patrik auch noch Amerikaner. Die Familie wollte nicht, dass Luna mit einem Ausländer zusammen ist, weil sie fürchtete, der Familienname könne beschmutzt werden.
Ling packte Luna am Arm und zog sie nach Hause. Die Familie verbot ihr, ohne Begleitung auszugehen, und sie durfte Patrik nicht mehr treffen. Luna war sehr traurig, denn Patrik hatte ihr gesagt, dass er bald zurück nach Amerika müsse.
Patrik wusste nichts davon. Er dachte, Luna wolle ihn nicht mehr sehen. Da er nicht wusste, wo sie wohnte, konnte er auch nicht zu ihr gehen, um nachzufragen. Weil er in diesen letzten Tagen seines Auftrags keinen Dienst hatte, verbrachte er jede freie Minute vor ihrem Laden und wartete bis zum Sonnenaufgang, aber sie kam nie.
Als die letzte Woche seines Auftrags näherkam, erlaubte Lunas Mutter ihr schliesslich, sich von Patrik zu verabschieden, weil sie Mitleid hatte. Luna gab ihm eine letzte Umarmung, bevor sie zurückmusste. Patrik sagte ihr noch, dass er jeden Abend vor ihrem Laden gewartet hatte.
Auf dem Heimweg dachte Luna darüber nach, ob sie mit Patrik nach Amerika gehen sollte. Es kam ihr verrückt vor, doch sie wagte es. Sie packte ihre Sachen und verliess leise das Haus. Sie sagte sich, dass sie sich ein Leben ohne Patrik nicht vorstellen könne, und es war ihr in diesem Moment egal, was ihre Familie darüber denken würde.
Früh am Morgen machte sie sich auf den Weg zu ihrem Laden, doch Patrik war nicht dort. Dabei hatte er zu dieser Zeit immer sein Gebäck aus der Bäckerei geholt.
Vor der Tür ihres Ladens lag jedoch ein Brief unter einem Stein. (Patrik hatte den Brief erst kurz vor seiner Abreise hingelegt.) Luna nahm ihn und las:
„Liebe Luna
Leider muss ich dich verlassen, weil ich wieder nach Amerika muss. Diese fünf Wochen mit dir waren die besten meines Lebens, und nun sind sie vorbei. Ich werde dich sehr vermissen und du mich hoffentlich auch. Ich habe dir ein kleines Geschenk gekauft. Ich hoffe, es gefällt dir. Es ist hinter dem Stein.“
Hinter dem Stein fand sie einen Ring mit einem Diamanten in Form eines Mondes.
Elf Jahre später hatten beide neue Menschen kennengelernt und geheiratet. Luna lebte immer noch in Japan und bekam einen Sohn, den sie Patrik nannte. Patrik lebte in Amerika und bekam Zwillinge, einen Jungen und ein Mädchen.
Auch nach so vielen Jahren dachten beide immer wieder an ihre erste Jugendliebe zurück.

