Der giftige Frühling

In einem kleinen, verlassenen Haus in einem sehr dunklen Wald lebt eine einsame Frau namens Penelope. Sie lebt dort schon seit über 20 Jahren, aber bis jetzt hat sie noch nie jemand gesehen. Niemand traut sich dort in diesen Wald, weil es dort vor über fünf Jahren einen Vorfall gab. Genau neben dem kleinen Haus liegt eine Bushaltestelle.

Also damals war der Wald wunderschön grün und gross mit vielen Blumen und jeder pflückte dort Beeren für die besten Kuchen. Aber eines Tages zog ein sehr starkes Gewitter vorüber und zerstörte den ganzen Wald. Die Bewohner hatten zu wenig Geld, um ihn wieder aufzuforsten.

Jeden Tag fuhren die gleichen Busse an der Bushaltestelle neben dem Haus vorbei. Eines Tages hatte einer der Busfahrer eine Reifenpanne. Als er Hilfe anfordern wollte, stellte er fest, dass sein Akku leer war. Also ging der Busfahrer durch den Wald, um Hilfe zu suchen. Plötzlich sah er ein kleines Haus, das bis vor dem Sturm noch niemand je gesehen hatte. Er klopfte und eine kleine, alte Dame öffnete die Tür. Er fragte sie, ob er vielleicht kurz telefonieren könnte, weil sein Akku leer sei. Sie sagte ihm, er solle eintreten und bot ihm einen Kaffee und ein Stück Kuchen an.

Er hatte ein mulmiges Gefühl, immerhin fuhr er diese Strecke seit vielen Jahren und dieses Haus war ihm noch nie aufgefallen. Aber er konnte ja vor der netten, alten Dame nicht einfach weglaufen. Also trat er ein und stellte sich vor: Mein Name ist Hal Cooper und ich bin Busfahrer von Beruf. Sie fragte ihn, ob er Stück von dem Kuchen haben wolle. Natürlich sagte er ja. Sie brachte ihren frisch gebackenen Beeren-Kuchen und gab ihm ein Stück davon. Er war hin und weg von diesem leckeren Kuchen, bis ihm auf einmal richtig schlecht wurde. Er wusste nicht, was mit ihm los war, Also fragte er, was sie gemacht habe, aber ihre einzige Antwort war ein lautes, dreckiges Lachen. Das war das Letzte, was Hal Cooper in seinem Leben hörte.

Es gab nur ein Problem. Die Fahrgäste, die in dem Bus auf ihren Fahrer warteten, bekamen alles mit und erzählten es sehr schnell weiter. Sie wollten den vollständigen Namen der Frau erfahren, um sie bei der Polizei zu melden, aber auf dem Briefkasten stand nur Penelope.

Seit diesem Ereignis traute sich niemand mehr in die Nähe dieses Waldes und wenn doch, dann verschwand er schneller, als er Hallo sagen konnte. Die Bewohner des nahen Dorfes forschten nach. Sie führten Listen, wann Leute verschwanden. Es fiel ihnen auf, dass es immer nur im Frühling passierte. In den vergangenen fünf Jahren verschwanden so jeden Frühling zwischen fünf und zehn Personen. Immer wenn der Wald voller Beeren war und daraus Kuchen gebacken und verkauft wurde, wurden Leute vermisst. Es war klar, dass Penelope etwas mit dem Verschwinden der Leute zu tun hatte, aber warum trat sie nur im Frühling in Erscheinung?

Die Einwohner stellten weitere Nachforschungen an. So fanden sie heraus, dass Penelope über das ganze Jahr giftige Kuchen herstellte. Aber während der Beerenzeit, im Frühling, vergiftete sie ihre Kuchen, um Leute zu töten.

Nun sind wir wieder in der Gegenwart. Der lange Frühling, und somit die gefährlichste Zeit des Jahres, ist endlich vorbei und so beschliessen die Einwohner des Dorfes im Herbst, dieses Treiben ein für alle Male zu stoppen. Das ganze Dorf macht mit, obwohl die Menschen grosse Angst haben. Aber der Wunsch nach einen Ende des Terrors überwiegt!

Sie machen sich auf in den Wald und schleichen sich an Penelopes Haus. Wie erwartet sitzt sie in ihrer Küche. Nun müssen sie genau planen. Einer klopft an die Tür, während die anderen durch das offene Küchenfenster einsteigen. Penelope wirkt verwirrt, warum sollte jemand freiwillig an ihrer Tür klopfen? Während sie an der Tür abgelenkt wird, befinden sich die anderen schon in der Küche. Mitten auf dem Küchentisch steht eine Tasse mit Kräutertee und ein grosses Glas. Es ist beschriftet mit „spezielle Zutat“. Das muss Gift sein!

Die Eindringlinge schütten schnell eine grosse Portion dieser „speziellen Zutat“ in die Teetasse. Danach verschwinden sie wieder durch das Küchenfenster nach draussen. Penelope schickt ihren Besuch an der Wohnungstür weg, weil er für sie ohne Giftkuchen nicht interessant ist. Die Dorfbewohner verstecken sich im Wald und warten ab. Plötzlich fährt ihnen ein markerschütternder Schrei durch die Knochen. Sie rennen zum Haus zurück und steigen erneut durch das Küchenfenster ins Haus.

Da liegt Penelope, tot!

Alle sind erleichtert, lachen und weinen gleichzeitig. Fallen sich um den Hals. Sie feiern ihren Sieg mit einem Stück Beerenkuchen, ohne Gift natürlich!

Jetzt, da alles vorbei ist, wollen sie den Wald wieder neu anpflanzen. Sie machen alles selber und gemeinsam. Sie pflanzen Bäume, Beeren-Stauden, Büschen, jäten und giessen. Die Leute leben wieder ihr normales Leben ohne Angst in einer wunderschönen Umgebung. Durch ihren Einsatz wird die Bushaltestelle und der Wald zu einer Riesen Attraktion für Touristen. So füllen sich die Kassen der Gemeinde und sie können ihr Dorf zu einem kleinen Juwel machen.

2 Antworten auf „Der giftige Frühling“

  1. Uhh, diesen Kuchen würde ich nicht gerne essen. Vor allem will ich nicht vergiftet werden. Ich finde es erstaunlich, wie unfassbar gute Ideen du hast und so einen sensationellen Text verfasst.

    1. Liebe Fabienne
      Danke für deinen Kommentar, habe mich sehr darüber gefreut, dass dir mein Text so gefallen hat. Und keine Angst, meine Kuchen sind nicht vergiftet.

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