Die mysteriöse Nachricht

Should I stay or should I go?

Jane, so heisse ich. Meine blonden Strähnen zwischen meinen pechschwarzen Haaren werden oft bewundert. Viele Leute meinen, die wären gefärbt, sind sie aber nicht. Die Menschen um mich herum sind eifersüchtig, vor allem die Mädchen in meinem Alter. Ich habe, wie sie es sagen, die perfekte Sanduhr-Figur, eine wunderschön glatte Haut und verträumte, blaue Augen. Ehrlich gesagt, weiss ich nicht, was sie damit meinen.

Ich hatte eine wunderschöne Kindheit. Meine Eltern haben mir immer viel Liebe gegeben, mir aufgezeigt, was richtig und was falsch ist. Wir hatten nie Schwierigkeiten mit Geld, allerdings hatten wir mehr Geld als alle anderen in der Stadt, in der wir wohnten. Jedoch ist es leider nie so, dass alles schön bleibt.

Meine Eltern sind vor ein paar Jahren umgebracht worden. Leider konnte die Polizei nie herausfinden, wer der Täter war. Ich wünschte, ich hätte der Polizei irgendwie helfen können, den Täter zu finden. Allerdings wurde der Fall meiner Eltern vor einem Monat archiviert wurde. Wenn ein Fall archiviert wird, heisst es, dass die Polizei über längere Zeit keine neuen Beweise gefunden hat und mit dem Fall nicht mehr weiterkommt.

Ich wohne nun alleine mit einer Freundin, wir besuchen zusammen die Universität. Heute war, wie immer, ein normaler und langweiliger Tag. Das einzige, was ich in der letzten Zeit an der Uni lerne, ist, dass die Leute nie vergessen, was mit jemandem geschehen ist. Alle wissen, was mit meinen Eltern passiert ist. Alle wissen auch, dass unsere Stadt nicht mehr so sicher ist wie sie mal war.

Es gibt nach wie vor einen Mörder, der sich auf freien Fuss befindet. Jedoch probieren alle normal weiterzuleben, so wie man es sonst auch immer gemacht hat. Auf jeden Fall, zurück zu meinem Tag. Es ist Freitag, endlich Ferien, keine Prüfungen mehr, keinen Stress mehr und das beste, ich muss niemand, den ich nicht mag während der Semesterferien mehr sehen.

Meine Mitbewohnerin und ich entschieden, uns einen gemütlichen Abend zu machen und morgen in ein Wellness-Spa zu gehen. Wir machen das immer, sobald wir Ferien haben. Jetzt sind wir zu Hause und schauen uns einen Film an. Meine Freundin ist eingeschlafen, und mir ist langweilig.

Ich entscheide, ein wenig durch Instagram und TikTok herumzuscrollen. Plötzlich bekomme ich eine Nachricht von einer unbekannten Nummer. Ich frage mich kurz, von wem sie sein könnte, mache mir aber zu Beginn nicht allzu viele Gedanken darüber. Und dann kommt nochmals eine Nachricht und nochmals eine, nochmals und nochmals.

Nun wundere ich mich doch darüber. Es scheint ja wichtig zu sein, sonst würde mir doch niemand so oft schreiben, oder? Ich öffne den Chat, die erste Nachricht lautet, ich zitiere „Ich weiss, wer du bist, wie du heisst, wo du wohnst, wo du zur Universität gehst und wer deine Eltern waren. Am besten machst du, was ich dir sage.“

In diesem Moment denke ich, dass ich durchdrehe. Die weiteren Nachrichten lauten „Du sollst aufhören, mich zu ignorieren und TikTok zu schauen. Du solltest mal etwas machen, damit du den Mörder deiner Eltern findest, oder nicht? Ich sehe dich, die ganze Zeit, rund um die Uhr. Gehe am Sonntag, um 23:00 Uhr, zum National Park, an dem du immer mit deinen Eltern hingegangen warst. Wenn du nicht kommst, passiert dir das Gleiche wie deinen Eltern.“

Was soll das bitte schön? Träume ich? Sind die Nachrichten vom Mörder meiner Eltern? Das muss ich nun herausfinden, zur Polizei kann ich nicht gehen, ich muss das alleine durchstehen.

Die Tage bis Sonntag vergehen wie im Flug. Ich habe niemandem von den Nachrichten erzählt. Vielleicht ist das naiv und dumm von mir, aber so wird es wohl sein. Wie immer vergeht der Sonntag schnell, es ist inzwischen Abend und ich habe meiner Mitbewohnerin mitgeteilt, dass ich an eine Party gehe. Ich frage mich, wieso sie das nicht komisch findet, es war doch Sonntag? Ah ja, stimmt, Ferien.

Ich mache mich bereit, ziehe mir Trainerhosen an, ein kürzeres Top und meine schwarze Jacke. Mache meine Haare und wie immer tusche ich meine Wimpern. Nun realisiere ich, wie dumm und uninteressiert meine Mitbewohnerin ist. Seit wann gehe ich mit Trainerhosen an eine Party?

Ich bin nun im National Park, sitze auf einer Bank und rauche meine Zigarette, während ich in meiner anderen Hand meinen Red Bull halte. Mein Telefon gibt einen Ton von sich, ich schmeisse die Zigarette weg und schaue auf mein Handy. „Du bist hier, toll gemacht.“ Ich schaue herum und sehe niemand. Ich stehe auf, schaue nochmals herum, bis zu dem Moment, als meine Sicht versperrt wird und ich nichts mehr sehe. Meine Luft wird knapp, von diesem Moment an erinnere ich mich nichts mehr. Black screen.

2 Antworten auf „Die mysteriöse Nachricht“

  1. Hallo Jessica, Ich lese deine Geschichten immer sehr sehr gerne. Man merkt, dass du dir wirklich etwas überlegst und sicherlich viel Zeit investierst. Dies merkt man auch an den Längen deiner Berichte. Mir gefällt es auch, dass du so schreibst, dass es nicht langweilig wird und man als Leser oder Leserinn nicht aufhört. Mach weiter so 🙂

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