Meine unglaubliche Reise von Botswana nach Österreich

Hallo, ich bin Zoe, der kleine Elefant aus Afrika (Botswana). Meine Mama bekam mich vor fünf Monaten, also bin ich noch sehr jung. Aber trotz meines jungen Alters habe ich bereits eine ungewöhnliche Geschichte hinter mir, die ich nicht nochmals erleben möchte. Ich erzähle sie dir genauer in diesem Text.

Meine Geburt

Meine Mama bekam mich in einem schlechten Jahr, 2040. Viele Menschen waren versessen auf Elefantenhaut und so wurden wir verfolgt.

Die Leute verwendeten die Haut für Lederschuhe, zur Herstellung von Salben, die gegen Hautkrankheiten und Verdauungsproblemen helfen oder verarbeiteten sie zu Armbändern. Viele unserer Art waren bereits wegen der Menschen gestorben oder verschwunden. Nahrung oder Wasser zu finden wurde immer schwieriger, da es in Afrika sehr heiss ist und das Wasser schnell verdampft.

Die Herde meiner Mutter hatte sich immer hinter grossen Bäumen versteckt. Da meine Mutter durch die Schwangerschaft sehr dick geworden war, ging das nicht mehr so gut. Deshalb wollte die Herde in ein anderes Gebiet fliehen. Weg von den bösen Menschen, die uns suchten und töteten, verkauften oder in Zoos steckten.

Ausgerechnet in dieser Situation wollte ich nach 22 Monaten endlich raus, was für alle unerwartet kam. Trotzdem freute sich meine Mutter sehr. Sie erzählte mir immer, ich sei ein Geschenk der Natur.

Als meine Mama und ich nach Wasser suchten, hörten wir plötzlich Menschenstimmen. Wir konnten aber niemand sehen. Wir gingen zu den anderen zurück, weil wir Angst hatten. Es war auch schon spät. Ich, mit meinen erst einigen Tagen alten Beinen, war schnell müde geworden. Also legte ich mich hin und schlief ein. Meine Mama jedoch suchte noch Blätter, damit ich am nächsten Morgen etwas zu frühstücken hätte.

Dass in dieser Nacht etwas Furchtbares geschehen würde, hatte keiner erahnen können.

Entführt!

Ich wachte auf, weil ich Geräusche hörte. Und obwohl meine Mama mir verboten hatte, unser Versteck zu verlassen, wollte ich nachschauen. Plötzlich stach mich etwas in meinen Rücken und ich fiel um.

Es gab Menschen aus Österreich, die auf der Suche nach wilden Tieren waren. Sie jagten, um ihre Beute an Privatpersonen oder Zoos zu verkaufen. Dort wurden die Tiere den Leuten präsentiert und man erzählt ihnen, diese Tiere wurden aus Not gerettet. Leute aus Afrika unterstützen die Zoos, weil sie dadurch selbst grossen Gewinn machten.

Als sie mich an diesem Tag sahen, wollten sie mich fangen. Ein kleiner und junger Elefant würde bestimmt gut bei den Leuten ankommen. So schossen sie mit dem Gewehr mit einer Schlafmittelpatrone auf mich. Da ich diese Situation noch nie erlebt hatte, verstand ich natürlich nicht, worum es ging und blieb stehen. Plötzlich fiel ich um und kann mich nicht daran erinnern, was danach geschah.

Die Jäger rannten zu mir und banden Seile um meine vier Beine, um mich einfacher tragen zu können. Sie brachten mich zu einem Garten, wo ich eingesperrt wurde und liessen mich von einem Tierarzt untersuchen. Danach schickten sie möglichen Käufern Bilder und Informationen über mich, wie Grösse, Gewicht, Geschlecht und Alter.


Während der gleichen Zeit kehrte meine Mutter zurück und sah, dass ich nicht mehr dort war. Sie fing sofort an, nach mir zu suchen, konnte mich aber nirgends finden. Klar, ich war ja auch in einem anderen Dorf, welches mehrere Stunden weit weg war.

Meine Mutter informierte sofort die anderen Elefanten der Herde und erzählte ihnen über mein Verschwinden. Sie suchten alle zusammen, aber dachten sich dann auch, dass ich womöglich entführt und verkauft worden war.

Reise durch Afrika

Ich erlebte die schlimmsten Tage meines Lebens. Der Plan des Verkäufers verlief so gut, dass der Verkäufer aus Österreich sofort zusagte und mich für seinen Zoo kaufte. Es ging so schnell, ich wusste nicht mal, was genau passierte. Sie steckten mich in einen Transporter mit etwas zu essen und zu trinken. Ganz kurz war ich glücklich, weil ich lange nichts mehr gegessen hatte.

Wir fuhren von Botswana nach Namibia. Es war eine sehr lange Fahrt, so lange war ich noch nie unterwegs gewesen und es war die ganze Zeit stockdunkel. Angekommen in Namibia holten sie mich aus dem Transporter, aber es warteten bereits die nächsten Fahrer. Ohne lange Pause wurde ich schon in einen nächsten Transporter hineingezwungen. Am Wasser entlang fuhren wir bis zur Grenze von Angola. Diese Fahrt war noch länger als die erste.

Vor dem Transporter warteten dunkel gekleidete Personen mit Waffen. Ich vermute, dass es Polizisten waren, die mit dem Verkäufer zusammen arbeiteten. Sie verbanden meine Augen. Ich hatte Angst und stampfte wild herum, aber das fanden die Menschen nur lustig und lachten mich aus. Plötzlich spürte ich einen Schmerz im Rücken. Wieder eine Spritze und ich schlief ein.

Sie brachten mich auf ein kleines Boot, mit nur wenigen Menschen, nur die engsten aus ihrem Team, die in den Plan eingeweiht waren. Ich weiss nicht mehr, wie lange diese Fahrt ging, da ich tief und fest schlief.

Als ich aufwachte, sah ich, dass wir in Nigeria waren. Wir waren jetzt bereits drei Tage unterwegs und ich dachte, es könnte nicht noch schlimmer werden. Doch leider schon, es kam noch eine längere Fahrt, tagelang, bis an die Grenze von Marokko. Ich hörte dort eine Sprache, die ich noch nie gehört hatte und es war unglaublich heiss. Dort wartete wieder das Gleiche auf mich: korrupte Polizei und wieder ein neuer Transporter.

Weiterreise durch Europa

Ich verstand langsam immer mehr, dass ich meine Mama nicht mehr sehen würde und somit ein neues Leben anfangen und es allein schaffen musste. Jetzt ging es weiter in Europa. Es wurde immer wärmer im Transporter, mein restliches Essen vergammelte und das Trinken wurde auch immer weniger. Mein Kot wurde auch nicht weggeputzt, es interessierte keinen mehr, sie wollten nur ihr Geld und schnell ankommen.

Langsam konnte ich nicht mehr, ich flippte aus! Als dies die Fahrer hörten, kamen sie rein, schrien und rasteten komplett aus. Sie schlugen mich und durch den Schmerz wurde ich leiser. Ich bekam Angst und hoffte, dass dies bald ein Ende hätte. Ich vermisste meine Mama sehr.

Plötzlich fuhr der Wagen wieder los und ich hörte, wie jemand das Wort Spanien nannte. Ich schlief ein, wodurch ich zum Glück die Schmerzen und meinen grossen Durst vergass. In Spanien angekommen, herrschte eine drückende Hitze.

Mein Durst wurde unerträglich. Zum Glück bekam ich Wasser und mehr Nahrung als sonst. Wir blieben ungefähr zwei Tage dort, die meiste Zeit schlief ich, weil mich die Hitze richtig müde machte. Auch jetzt vermisste ich wieder meine Mutter und wie ich mich hinter ihrem dicken Bauch verstecken konnte und dieser mir Schatten spendete.

Als der Wagen anfing zu rütteln, wusste ich, dass es wieder losging. Ich hielt es beinahe nicht mehr aus. Also versuchte ich mich an der Wand zu stützen, die waren bisschen kälter als der Boden. Auf dem Boden lagen jetzt auch Decken, die die Menschen wohl hineingelegt haben, als ich geschlafen hatte. Ich hoffte, dass dies ein Zeichen war, dass es bald kälter wurde.

Ich war noch nie an der Kälte, hatte aber immer von meinen Freunden gehört, dass es wie eine weisse, kalte, feste Schicht ist und man mit dem Bauch darauf rutschen kann. Trotz dieser kleinen Vorfreude hatte ich viele Gedanken in meinem Kopf. Wie lange noch? Wo genau bringen die mich hin? Ich vermisste meine Mama und meine Freunde. Ich wollte sie wiedersehen.

Als wir an der Grenze von Frankreich ankamen, durfte ich nach langer Zeit wieder raus. Ich genoss die frische Luft, während der Fahrer die Dokumente ändern musste. Unter einem Baum legte ich mich ins frisch gemähte Gras. Leider nur kurz, dann brachte mich der Fahrer wieder in den Wagen. Zum Glück hatten sie neues, eiskaltes Wasser und frisches Gemüse hinterlegt.

Das nächste Ziel war die Schweiz. Das war aber nicht der letzte Ort. Endziel war immer noch Österreich. In der Schweiz war es sehr kalt und windig. Durch das kleine Fenster kam viel Luft rein. Das tat mir sehr gut und ich erinnerte mich, wie meine Mama immer sagte: Bisschen Kälte schadet nie!

Ich wusste gar nicht mehr, wie lange ich insgesamt bereits unterwegs war. Anscheinend hatte ich es fast geschafft, es waren noch etwa sechs Stunden bis nach Österreich. Im Vergleich zu den anderen Fahrten war dies ja fast nichts.

Die neue Heimat im Zoo

Und dann war es so weit, in Österreich angekommen, durfte ich raus, wurde aber am Hals und den Beinen angekettet. Die Hinterbeine zusammen und die Vorderbeine zusammen. Es tat weh, weil sie die Ketten eng schnürten.

Zuerst wurde ich von vier starken breiten Männer in ein Tierschutzhäuschen getragen. Natürlich werden Elefanten nicht durch den Zooeingang hineingebracht, wäre ja komisch mit all den Zoobesuchern. Ich wurde geimpft und einem Ganzkörpercheck unterzogen. Ich schrie laut, ich wusste nicht, was Impfen und all die Spritzen und Geräte waren und hatte Angst.

Nach dem ganzen Prozedere packten sie mich in eine riesige Kiste. Diese wurde mit Ketten festgemacht und mit einem Kran in die Höhe gehoben, um mich ins Gehege zu platzieren. Alles wackelte und ich hatte grosse Angst, ich legte mich gerade hin, damit die Bewegungen weniger wurden.

Aus dem Nichts krachte es am Boden. Die Zooleute machten die Türe der Kiste auf und ängstlich schaute ich raus. Ich sah ganz viele andere Elefanten. Ich kannte die nicht, warum war meine Mama nicht hier? Waren dies Familienmitglieder von mir? Die anderen Elefanten kamen neugierig näher, aber ich war sehr nervös.

Schritt für Schritt ging ich raus. Die anderen Elefanten waren freundlich und ich verstand mich schnell mit ihnen. Ich musste aber noch viel lernen, was die anderen schon jahrelang beherrschten. Normale Elefanten in der Natur lassen sich mit Sicherheit nicht reiten, anfassen oder von der Hand füttern.

In der ersten Zeit im Zoo erlebte ich viel und musste auch oft leiden. Sobald ich mich weigerte, etwas zu tun, wurde ich mit einer Peitsche geschlagen. Ausserdem schnitten sie mir die Fussnägel ganz kurz, damit ich die anderen nicht kratzen konnte. Auch die Stosszähne wurden stumpf gefeilt, zur Sicherheit für die Zoowärter.

Das Gehege war wie zu Hause eingerichtet, alles voller Bäume, Sand und Büsche. Nach einer Weile besuchten uns Reporter, meine Wunden waren da schon verheilt. Die Zoobetreiber machten dies extra, damit jeder glaubt, die Tiere würden gut behandelt. Ich bemerkte, dass Menschen die Wahrheit auch nicht sehen wollten und nur an Geld interessiert waren.

Mit der Zeit wurde ich immer trauriger, doch zum Glück fand ich Halt bei den anderen Elefanten, die dies schon länger mitmachten. Mir wurde klar, dass ich nie mehr im Freien leben würde. Es ging mir immer schlechter, jeden Tag wurde auf meinem Rücken geritten und nach jedem Ritt mit einem Draht in den Rücken gestochen. Auch das Essen war nicht so wie bei meiner Mama, hier bekam ich nur Früchte und Baumrinde.


Ich hoffe, euch hat meine Geschichte gefallen. Über einen Kommentar oder Ideen für eine Fortsetzung würde ich mich sehr freuen.


Dieser Text ist im Wahlfach Bloggen 24/25 von Soraya entstanden.

2 Antworten auf „Meine unglaubliche Reise von Botswana nach Österreich“

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