Der glückliche Adventskalender

Es ist Zeit. Ich weiss nicht genau, wo ich bin. Das Letzte, woran ich mich erinnern kann, ist, dass alles schwarz wurde. Es rüttelte und war eng. Ich konnte mich nicht bewegen. Alles um mich herum war verschwunden. Ich sah nichts und hörte nur einen Motor starten. Ich bekam Panik und wusste nicht, was ich machen sollte. Endlich, nach langer Zeit, sehe ich einen Lichtstrahl, der durch etwas dringt. Ich bin wohl in einer Kartonbox gefangen.

Ein Adventskalender hinter mir beginnt zu sprechen. Seine Mutter hatte ihm früher erzählt, dass dies der Traum aller Adventskalender sei. Sie würden schon bald in einem warmen, hellen und geschmücktem Haus stehen. Seine Worte trösten mich. Ich glaube ihm, weil ich im Moment an nichts anderes glauben kann.

Einige Tage später ist es so weit. Eine Frau mit langen, schwarzen Haaren hebt mich aus dem Karton. Sie trägt mich in Schritttempo durch einen Einkaufsladen. Es ist wunderschön. Überall gibt es kleine Menschen, die mich mit strahlenden Augen anschauen. Schliesslich stellt mich die Frau in ein Regal, das festlich geschmückt ist.

Es laufen immer wieder kleine Menschen, die man Kinder nennt, mit grösseren Menschen vorbei. Meine Kollegen werden einer nach dem anderen aus dem Regal genommen und weggetragen.

Plötzlich bleibt ein kleines Mädchen direkt vor mir stehen und schaut mir ganz tief in die Augen. „Papa, ich möchte diesen Adventskalender“, ruft das kleine Mädchen begeistert. Ihr Papa fragte: „Bist du dir ganz sicher? Du bekommst nur einen!“ „Ja, ich will genau diesen“, sagt das Mädchen sanft. „Dann nimm ihn und stelle ihn in den Einkaufswagen“, sagt der Vater liebevoll.

Das kleine Mädchen packt mich und schaut mich an. „Hey, lass mich los“, rief ich, aber sie konnte mich nicht hören. Ein bisschen später piepst es unter mir. Ich wurde gekauft! Dies ist für mich bis jetzt der schönste Tag meines Lebens.

Zu Hause angekommen, stellt mich die Familie auf ein Gestell. Um mich herum ist alles geschmückt, noch schöner als im Einkaufsladen. Das kleine Mädchen ist so aufgeregt, dass sie mich am liebsten gleich geöffnet hätte.

Nun ist es so weit, es ist der erste Dezember. Das kleine Mädchen springt die Treppe runter und rennt auf mich zu. Wenige Sekunden später steht sie vor mir und ein sanfter Finger streicht über meine Oberfläche. Als sie die Nummer eins gefunden hat, geht es nicht lange, bis das Türchen offen ist.

Sie schreit: „Papa, ich habe eine Schokolade bekommen. Hinten darauf ist ein kleines Büchlein.“ „Das ist toll“, antwortet ihr Papa, „Das werden wir gleich heute Abend zusammen lesen.“

Ab Abend, nach einem langen Tag, höre ich die beiden endlich nach Hause kommen. Das Mädchen ist überglücklich und kann es kaum erwarten, endlich die Geschichte zu hören. Ich selbst weiss nur, dass dort die Geschichte des Adventskalenders erzählt wird, aufgeteilt in 24 Kapitel. Jeden Tag erfährt sie ein wenig mehr davon.


Janis, WF Bloggen 24/25

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