Ich erinnere mich noch genau daran, wie ich damals in meiner kleinen Fantasiewelt lebte. Es war eine Zeit, in der alles einfacher schien und die Tage irgendwie länger waren. Damals wohnte ich in Bern, wo ich oft am Nachmittag draussen unterwegs war. Die Welt fühlte sich so riesig an, aber trotzdem vertraut.
Am schönsten waren die kühlen Frühlingsmorgen. Wenn ich mit Mohamed, meinem Nachbarn, zur Schule lief, fühlte sich alles leicht an. Er war wie ein grosser Bruder für mich. Ein Jahr älter, neun Jahre alt und immer gut gelaunt. Wir redeten über alles, was uns in den Sinn kam. Manchmal lachten wir so laut, dass wir stehen bleiben mussten, weil uns die Luft ausging. Es war, als würde uns die ganze Welt gehören.
Die Schule strahle eine besondere Stimmung aus, besonders im Frühling. Die Klassenzimmer waren mit selbstgebastelten Blumen geschmückt, die aussahen, als hätten sie die Sonne eingefangen. Es machte gute Laune, dort zu sein. Jeden Montag erzählten wir uns, was wir am Wochenende gemacht hatten. Es war ein schönes Gefühl, wenn man wusste, dass die anderen sich wirklich für einen interessierten.
In den Pausen war ich immer voller Energie. Meine Kollegin und ich rannten direkt zum Spielhäuschen. Meistens holten wir uns die Badmintonschläger. Wir spielten, bis unsere Arme schwer wurden und wir kaum noch den Ball trafen.
Und dann gab es diese geheimen Momente, wenn keine Lehrperson hinschaute. Wir kletterten aufs Dach der Turnhalle, setzten uns hin und teilten unseren Znüni. Von dort oben wirkte sich der Pausenplatz ganz anders. Ich weiss noch, wie der Wind durch meine Haare fuhr und ich dachte: Das hier ist unser Ort.
Nach der Schule ging ich an den Mittagstisch. Der Weg dorthin war immer lustig, weil wir versuchten, vom Geruch her zu erraten, was es zu essen gibt. Wenn es Bouillonsuppe mit Kartoffelstock und Bratensauce gab, war ich im Himmel. Nach dem Essen spielten wir oder hörten Musik, die laut aus den Boxen schallte. Oft machten wir kleine Spasskämpfe, die wir lachend verliessen, auch wenn ich mich manchmal an den Tischen gestossen habe.
In der Schule war ich eigentlich gut, aber mein Kopf war oft ganz woanders. Ich sass da, starrte aus dem Fenster und träumte von Dingen, die ich machen wollte. Was ich backen könnte. Wo ich am Wochenende hingehen wollte. Ich war nie wirklich bei der Sache, aber das störte mich nicht.
Nach der Schule lief ich mit Mohamed nach Hause. Wir nahmen immer den längeren Weg durch den Wald. Dort war es so ruhig, dass man die Blätter rascheln hörte und manchmal das Zwitschern der Vögel. Diese Wege waren wie kleine Abenteuer. Zu Hause war mein erster Gedanke immer: Wie schnell kann ich meine Hausaufgaben machen, damit ich raus kann? Manchmal war ich so ungeduldig, dass ich einfach so tat, als hätte ich sie schon gemacht.
Die Wiese war mein Lieblingsplatz. Egal, ob es Sommer, Herbst, Winter oder Frühling war, sie war immer perfekt. Im Sommer sassen wir im Schatten der Bäume und spielten Karten. Im Herbst sprangen wir in die bunten Blätterhaufen, die laut raschelten. Im Winter schlittelten wir den kleinen Hügel runter, bis unsere Hände so kalt waren, dass sie weh taten. Und im Frühling rannte ich einfach nur durch das Gras und sammelte Blumen, bis meine Hände voll davon waren.
Ich blieb draussen, bis die Strassenlampen angingen oder mein Bruder mich rief. Der Moment, wenn die Sonne unterging und die Farben des Himmels sich veränderten, fühlte sich immer etwas magisch an. Zu Hause deckte ich den Tisch, ass mit meiner Familie und durfte danach noch fernsehen oder lesen, bevor ich ins Bett ging.
Manchmal liege ich abends im Bett und denke an diese Zeit zurück. Diese Momente auf der Wiese, die Gespräche mit Mohamed, das Gefühl von grenzenloser Freiheit. Ich wünschte, ich könnte noch einmal einen solchen Tag erleben. Nur einen. Einfach zurück in die Zeit, in der die Welt so gross und voller Möglichkeiten war.
Verfasst wurde dieser Beitrag von Amal im Wahlfach Bloggen 24/25.


Ich kann deine Gefühle und deine Nostalgie fühlen. Ich habe ähnliche Erinnerungen an meine Kindheit. Jeder Mensch wird älter und es kommen immer neue Sachen dazu, die dich glücklich machen werden. Es kommt nur darauf an, wie du etwas betrachtest.
Ja, da hast du vollkommen recht. Es ist aber auch wichtig, jetzt aktiv zu leben, denn das kann ja auch später zur Nostalgie führen. Deshalb das Leben geniessen und immer von der besten Seite betrachten.