Am Wochenende war ich mit einer kleineren Gruppe aus der Kirche unterwegs. Wir halfen bei der Gassenarbeit von Schwester Arianne. Diese freiwillige Arbeit unterstützt Menschen in schwierigen Lebenssituationen, darunter Obdachlose, Drogenabhängige, Rentner, die von ihrer Rente nicht leben können, und andere Bedürftige.
Diese Arbeit wird täglich in drei Phasen durchgeführt. Wir konnten bei der ersten Phase, der Nahrungsmittelabgabe, mithelfen, die von 18 bis 20 Uhr dauerte. Wir trafen uns vor einem Restaurant, wo uns Ivone, eine Helferin, erklärte, was zu tun war und wer wo stehen würde.
Dann gingen wir zu einem Lager, um Essen und Getränke abzuholen. Damit wir als Helfer erkannt wurden, bekamen wir blaue Jacken mit dem Logo. Die Lebensmittel transportierten wir mit einem Wagen zur Europaallee hinter das 25h-Hotel. Dort bauten wir alles auf und stellten das Essen an die vorgesehenen Plätze.
Es gab zwei Schlangen, in denen die Menschen anstanden. Eine Schlange war für diejenigen, die sich hauptsächlich Lebensmittel holen wollten, die andere für Personen, die gezielt nach warmem Essen fragten. So konnte der Ablauf beschleunigt werden.
Die erste Station war der „Tutti-Frutti“-Wagen, an dem es verpackte Lebensmittel wie Reis, Schokolade und andere haltbare Produkte gab. Jeder durfte sich eine Sache aussuchen. An der nächsten Station wurde frisches Brot ausgegeben. Hier konnten die Menschen zwischen einem grossen oder kleinen Brot wählen.
An der letzten Station gab es warmes Essen. An diesem Tag gab es mehrere Gerichte mit Bohnen und einige mit Fleisch. Jeder musste mindestens eine Portion mit Bohnen nehmen. Wer wollte, konnte sich zusätzlich etwas zu trinken holen. Jeder musste mindestens eine Portion mit Bohnen nehmen, da das Fleischgericht nicht für alle reichen würde. Wer wollte, konnte sich etwas zu trinken holen.
Meine Aufgabe war es, den Einlass zu kontrollieren. Ich fragte die Menschen, ob sie Desinfektionsmittel nutzen wollten, sie konnten frei entscheiden. Dann liess ich eine oder zwei Personen aus der Schlange zum „Tutti-Frutti“-Wagen weitergehen, wo meine Freundin Lena stand. Die Anzahl hing davon ab, wie viele Personen schon am Wagen standen. Wenn es dort zu voll wurde, liess ich nur eine Person weiter.
Nach einer Weile kam es zu Diskussionen, weil einige sich beschwerten, dass sie noch nicht an der Reihe waren. Manche hatten das Gefühl, dass andere bevorzugt wurden oder dass es zu lange dauerte. Wir versuchten, die Situation zu beruhigen und zu erklären, dass jeder drankommen würde.
Später half ich Lena, darauf zu achten, dass jeder nur eine Sache nahm. Es hat mich überrascht, dass viele eher einen Schokoriegel als Reis oder Pasta wählten.
Als der erste Wagen leer war, waren nur noch wenige Dinge übrig – zum Beispiel Senf. Also holten wir den nächsten Wagen und füllten die Stationen wieder auf.
Nachdem unsere Schicht beendet war, räumten wir gemeinsam auf. Zum Abschluss bekamen wir ein Stück Kuchen, das wir jedoch nicht essen konnten, weil wir am Fasten waren.
Obwohl unsere Schicht vorbei war, kamen noch weitere Menschen, denen wir aber nichts mehr geben durften, da sie zu spät waren.
Diese Erfahrung war für mich neu, aber sehr wertvoll. Es fühlt sich gut an, etwas Gutes zu tun. Ich kann mir vorstellen, das öfter zu machen und auch viel mehr darauf zu achten, weniger Lebensmittel zu verschwenden.
Auf dem Heimweg fragten wir, ob jemand unsere Kuchen haben wollte, damit wir sie nicht wegwerfen mussten. Zwei Stücke wurden wir los, den Rest nahmen wir mit. Wir assen ihn dann um Mitternacht, als unser Fasten gebrochen war.
Dieser Text ist im Wahlfach Bloggen 24/25 von Soraya entstanden.


Ein schönes Projekt und eine gute Sache, dabei zu helfen. Das habt Ihr gut gemacht und auch gut beschrieben.
Ich bin bzw. war auch schon in solchen Situationen wie die Menschen dort. Möchte dazu anmerken, dasz Reis oder Pasta erst gekocht werden müssen und bei so manchem wird Gas/Strom abgestellt sein, da ist das nicht mehr zu realisieren. Während ein Schokoriegel eine gute Soforthilfe ist.
Grüsze aus weiter Ferne
Mascha
(sorry, da war eben der angefangene Kommentar irgendwie schon gesendet worden – das wollte ich nicht! Bitte löschen)
Danke! Stimmt, daran habe ich nicht gedacht wegen des Stroms/Gas!
Liebe Grüsse
Soraya