Ich war einmal in einer Beziehung, die alles andere als gesund war. Jedes Mal hatte ich Angst, dass er andere Mädchen anschreibt. Ich wusste, dass er es tat, aber ich sagte nie etwas.
Meine beste Freundin hat mir immer wieder gesagt, dass er nicht gut für mich ist. Doch ich wollte es nicht wahrhaben. Ich redete mir ein, dass er sich vielleicht noch ändern könnte, aber es änderte sich nichts.
Meine Freundin war meine Quelle. Sie hat auf den sozialen Medien nach Hinweisen von ihm gesucht. Ich bat sie, damit aufzuhören, aber sie hörte nicht auf mich. Am Ende fand sie Dinge, die ich gar nicht wissen wollte.
Ich wollte die Dinge selbst klären, aber sie war schneller als ich. Das hat mich innerlich zerrissen. Ich fühlte mich schuldig, obwohl er den Fehler gemacht hatte. Ich bin eine Person, der andere leidtun, auch dann, wenn sie mir wehgetan haben.
Meine Freundin sagte, er sei unmenschlich. Doch ich konnte das lange nicht sehen. Ich fühlte mich leer ohne ihn. Ich dachte, ich könnte nie mehr lieben. Meine Welt war zerstört. Viele glauben, die Welt ginge deshalb unter, aber mit der Zeit merkt man: Liebe ist nicht alles.
Ich dachte immer, ein gebrochenes Herz könne nie heilen. Selbst die kleinste Narbe schimmert noch Jahre später im Licht. Wir behandeln Liebe wie ein Versprechen, eins, das uns niemand geben kann. Das ist das Happy End aus Disney-Filmen, Büchern und all den Geschichten, die uns glauben lassen, dass es nicht anders als gut enden kann.
Bis es dann mal nicht gut ausgeht. Bis das Herz in der Wirklichkeit bricht. Und uns allen wird klar: Liebe ist kein Versprechen. Du kannst mir nichts versprechen und ich dir ebenso wenig. Liebe ist immer ein Risiko, egal, wann wir sie eingehen.
Und trotzdem: Als ich wieder lieben konnte, habe ich mich in dich verliebt. Ich riskiere es, noch einmal zu lieben. Ich riskiere zu fallen, aber auch zu glauben, dass Liebe doch ein Versprechen sein kann.
Und wenn es so ist, dann verspreche ich sie dir. Denn nun bist du es, der die Narben pflegt, die du nicht verursacht hast. Und ich weiss. Auch wenn sie nicht ganz verschwinden werden, irgendwann werde ich sie nicht mehr sehen und nicht mehr fühlen.

