Meine Grossmutter rief mich an und wollte, dass ich ihr beim Kochen helfe. Als ich vor ihrem alten Haus ankam, das sicher schon vor dem 2. Weltkrieg gestanden hatte, wurde mir etwas mulmig. Überall waren die Wände überwuchert und sie waren nicht mehr weiss, sondern gelblich verfärbt.
Ich klingelte und sie öffnete die schwere Eichenholztüre und begrüsste mich herzlich. Wir machten uns direkt auf den Weg zur Küche. Doch da fiel mir eine Sache ins Auge: eine Klapptüre an der Decke. Sie erklärte mir, das sei ein Dachboden. Etwas, das ich noch nie gehört hatte, da wir in einem modernen Haus wohnen.
Ich fragte sie, ob ich einmal hinaufdürfe, und sie erfüllte meinen Wunsch. Sie gab mir den Schlüssel zur Klapptüre. Oben war es sehr staubig und man konnte den Geruch von sechzig Jahre alten Kleidern und Gegenständen riechen. In der Ecke bemerkte ich sofort etwas Besonderes. Eine kleine Schatulle, voller Staub, deren rote Farbe immer mehr verblasst war, weil sie seit Jahren neben dem Fenster in der Sonne lag.
Ich nahm sie herunter, doch sie war verschlossen. Also fragte ich meine Grossmutter, ob sie sie für mich öffnen könne. Sie tat es und darin lag eine kleine Puppe, die sich zu einer Melodie drehte.
Ich war begeistert von der Schatulle, da ich so etwas noch nie gesehen hatte. Ich fragte meine Grossmutter, ob sie mir etwas darüber erzählen könne. Anscheinend hatte sie die Schatulle zu ihrem 4. Geburtstag im Jahr 1942 von ihrem Vater bekommen. Sie erzählte, dass sie immer wieder Probleme mit ihrer Mutter gehabt habe, weil sie nicht so folgsam war, wie es ihre Mutter erwartet hatte. Die Schatulle habe ihr geholfen, zur Ruhe zu kommen und den Problemen aus dem Weg zu gehen.
Ich fand diese Geschichte sehr spannend, da die Welt damals noch ganz anders war als heute und auch, weil sie diese Sachen bis heute aufbewahrt. Sie wurde ein bisschen emotional, da viele Erinnerungen hochkamen. In der Schatulle lag auch ein kleines Zettelchen, auf dem stand: „In Liebe, Papa“. Ich fragte sie, warum sie die Schatulle nicht sichtbar aufgestellt habe. Sie meinte, sie wolle diese Erinnerungen nicht ständig präsentieren und habe sie deshalb auf dem Dachboden aufbewahrt.

