Wer ist es?

In einer kleinen Stadt namens Yellow Tree, irgendwo in den Vereinigten Staaten von Amerika, nicht weit von Kalifornien, passiert normalerweise nicht viel. Yellow Tree ist winzig, kein Dorf, aber auch keine richtige Stadt. Die Orte, an denen immer am meisten los ist, sind entweder das Restaurant „Bear“ oder das Café „You Know“. Und natürlich die Schule, wobei dort niemand freiwillig ist.

Es gibt eine Freundesgruppe, bestehend aus vier Mädchen: Tracy Holly, Brenda Joans, Gia Brown und Poppy Smith. Sie sind alle 16 Jahre alt, kennen sich seit dem Kindergarten und sind unzertrennlich.

Oder zumindest glauben sie das. Denn etwas oder jemand könnte sie trennen.

Der 1. Juli

Die Sommerferien haben gerade angefangen. Die Mädchen übernachten bei Tracy, weil ihre Mutter verreist ist und Tracy allein zu Hause ist. Im Wohnzimmer liegen vier Matratzen, damit es bequem ist.

Sie schauen den Horrorfilm Halloween und erschrecken sich immerzu. Als der Film vorbei ist, wollen sie schlafen gehen. Tracy schliesst alle Türen, zieht die Gardinen zu. Sie sind noch ein wenig vom Horrorfilm durcheinander und nervös, doch sie wollen nun einfach nur schlafen und an nichts mehr denken.

Kurz nachdem sie das Licht ausgemacht haben, klopft plötzlich jemand an der Eingangstür. Alle schreien erschrocken auf. Gia, die am wenigsten Angst hat, geht zur Tür und schaut durch das kleine Guckloch. „Da ist niemand“, sagt sie, dreht sich um und will zurück zu ihren Freundinnen. Doch da klopft es wieder – lauter, stärker, länger.

Noch einmal schaut Gia durch das Guckloch. Genau in diesem Moment hört das Klopfen auf. Zögernd öffnet sie die Tür. Draussen steht niemand. Nur eine schwarze Box liegt auf dem Boden.

Sie nimmt die Box mit hinein. Alle setzen sich mit eingeschaltetem Licht in einen Kreis. Gia öffnet die Box. Zuerst ertönt nur ein Lachen, es hört sich an wie das Lachen eines Clowns. Nachdem sie das Zeitungspapier entfernt haben, liegt darin nur ein Zettel.
Ihr kennt mich noch nicht, aber ab jetzt werde ich euer Albtraum sein. Das verspreche ich euch.

In der gleichen Sekunde bekommen alle gleichzeitig eine Nachricht:
Hiermit beginnt eure Höllenfahrt.
Euer ?

„Wer ist das? Das ist nicht witzig“, sagt Tracy.

In dieser Nacht finden sie keinen Schlaf. Bei jedem kleinsten Geräusch zucken sie zusammen, ihre Gedanken spielen verrückt. Was, wenn jemand einbricht? Oder schlimmer, jemanden von ihnen entführt? Sie liegen wach, starren in die Dunkelheit und fragen sich verzweifelt, warum ausgerechnet sie ins Visier geraten sind.

Der nächste Tag

Sie haben nur fünf Stunden geschlafen und sind völlig erschöpft. Ihre Gedanken kreisen ununterbrochen um diese Person. Warum ausgerechnet sie? Was haben sie getan? Oder die viel wichtigere Frage: Wer steckt dahinter? Der Brief wurde am Computer geschrieben und ausgedruckt. Keine Handschrift, keine Spuren, nichts, was ihnen weiterhelfen könnte.

Um sich abzulenken, machen sie sich fertig und gehen zu Fuss ins Café. Frische Luft soll helfen. Sie laufen gemeinsam, niemand will allein sein. Trotzdem fühlen sie sich beobachtet und schauen sich ständig um, als würde jemand hinter ihnen stehen oder sie aus einem Fenster ansehen.

Sie wissen nicht mehr, wem sie vertrauen können, nicht einmal einander. Jede von ihnen trägt ein Geheimnis mit sich herum, etwas, das sie den anderen bewusst verheimlicht hat. Nicht, weil es die ganze Welt betrifft, sondern gerade weil es so persönlich ist und alles verändern könnte, wenn es herauskommt.

Die Geheimnisse

Tracys Geheimnis ist, dass sie heimlich etwas mit jemandem hat, den alle kennen. Mit Poppys Bruder Jason.

Brenda hat starke Familienprobleme. Zu Hause ist fast immer Streit, und sie fühlt sich oft allein damit.

Gia weiss nicht, ob sie auf Frauen oder Männer steht. Sie ist sich selbst unsicher und hat Angst davor, was die anderen denken könnten.

Poppy hat ein Drogenproblem. Sie greift zu Tabletten, wenn alles zu viel wird und sie keine Kontrolle mehr spürt.

Niemand weiss davon. Und sie haben Angst vor dem, was passieren würde, wenn es herauskommt. Sie können diese Dinge niemandem sagen, weil sie nicht wissen, wie die anderen reagieren oder was sie davon denken würden.

Die Vermutungen

Vielleicht ist alles nur ein dummer Streich. Sie überlegen, wer dahinterstecken könnte. Poppys Bruder? Tracy weiss, dass er es nicht ist, aber sie kann nichts sagen.
Vielleicht ist es jemand aus der Schule oder sogar eine von ihnen selbst. Sie durchsuchen gegenseitig ihre Handys, finden nichts. Sie schliessen sich selbst als Täter aus und vertrauen einander. Und trotzdem bleibt dieses Gefühl, dass jemand mehr weiss, als er wissen dürfte.

Dann kommt eine neue Nachricht:
Ihr fragt euch, wer ich bin.
Das müsst ihr selbst herausfinden.
Aber glaubt mir: Wir sehen uns öfter, als ihr denkt.

Alle fallen in eine Schockstarre. Keine weiss, was sie sagen soll, niemand kann den Gedanken wirklich begreifen. „Wir sehen diese Person oft“, sagt Gia leise. „Dann kann es nur jemand aus der Schule sein.“ Doch niemand antwortet. Die Angst sitzt zu tief.

Poppy steht schliesslich auf und geht auf die Toilette, um sich zu beruhigen. Ihr Herz rast, als würde es ihr gleich aus der Brust springen, ihre Hände zittern. Die Gedanken hören nicht auf, also nimmt sie eine Tablette. Nicht nur, weil sie müde ist, sondern weil sie hofft, dieses Gefühl von Kontrolle zurückzubekommen. Schlaf findet sie trotzdem nicht.

Das Gefühl, beobachtet zu werden, lässt keine von ihnen los.

Zu Hause

Nach dem Café trennen sie sich und gehen nach Hause. Jede hofft, dort etwas zur Ruhe zu kommen. Die Angst hängt ihnen noch immer nach, auch wenn niemand es laut sagt.

Jede legt sich für einen kurzen Mittagsschlaf hin, ausser Tracy. Sie ist allein im Haus, weil ihre Mutter verreist ist. Je stiller es wird, desto unsicherer fühlt sie sich. Jeder Schatten wirkt plötzlich bedrohlich, jedes Geräusch lässt sie zusammenzucken.

Plötzlich klopft es an der Tür. Tracy erschrickt, ihr Herz schlägt schneller. Langsam geht sie zur Tür und schaut durch den Türspion. Da ist niemand zu sehen. Zögernd öffnet sie die Tür. Jason steht davor. Sie ist so erleichtert, dass sie ihn sofort umarmt. Doch dann bemerkt sie etwas auf dem Boden hinter ihm. Ein Brief liegt dort.

„Hast du den mitgebracht oder lag der schon da?“, fragt sie angespannt. Jason schaut verwirrt nach unten. „Was für ein Brief? Nein, den habe ich nicht gesehen. Und von mir ist der sicher nicht.“ Tracy hebt den Brief auf und öffnet ihn vorsichtig.

Wahre Freunde erzählen sich doch alles.
Wenn ich du wäre, würde ich ihnen von Jason erzählen.
Vielleicht erzählen sie dir dann auch ihre Geheimnisse.
Kuss ?

Tracys Hände zittern, während sie liest. Sie schaut Jason an. „Wer hat das geschrieben?“, fragt sie leise. „Wem hast du etwas davon erzählt?“ Jason schüttelt sofort den Kopf. „Niemandem. Ich habe niemandem etwas gesagt.“ Er atmet tief durch. „Aber jemand weiss Dinge, die niemand wissen dürfte. Das ist kein Spass mehr. Wir müssen die anderen zusammenholen.“

Ohne weiter zu überlegen, greift Tracy zu ihrem Handy und schreibt in die Gruppe: Wir müssen uns sofort bei Poppy treffen. Niemand weiss genau, warum. Doch allen ist klar, dass es um ? geht.

Die Wahrheit

Alle sind bei Poppy im Wohnzimmer versammelt. Niemand sagt etwas, die Stimmung ist angespannt. Man hört nur das Ticken der Uhr. Erst nach ein paar Sekunden fällt allen auf, dass Jason ebenfalls da ist. Verwirrte Blicke gehen durch den Raum.

„Warum ist er hier?“, fragt Gia leise. Poppy will gerade etwas sagen, doch Jason schüttelt den Kopf. „Nein“, sagt er ruhig. „Ich gehe nicht.“ Er setzt sich neben Tracy. Sie wirkt nervös, ihre Hände sind fest ineinander verschränkt, als würde sie sich an sich selbst festhalten. Man sieht ihr an, dass sie Angst hat. Nach einem Moment räuspert sie sich. „Also … wir müssen euch etwas sagen“, beginnt sie zögernd. „Oder besser gesagt: Wir alle müssen uns etwas sagen.“

Die anderen sehen sie verwirrt an. Niemand versteht, worauf sie hinauswill. „Was meinst du damit?“, fragt Brenda schliesslich. Tracy atmet tief durch und erzählt ihnen von dem Brief, den sie bekommen hat. Von den Worten, von der Drohung, von dem Wissen über Dinge, die niemand wissen dürfte. Jason erwähnt sie dabei bewusst nicht.

Als sie fertig ist, herrscht Stille. Keine sagt etwas. Alle schauen auf den Boden. Sie wissen, dass der Brief recht hat, aber keine bringt es über sich, den ersten Schritt zu machen. Tracy merkt das. Sie weiss, dass jemand anfangen muss.

„Okay“, sagt sie leise, aber bestimmt. „Dann fange ich an.“ Sie schluckt. „Die Sache, die ich euch verheimlicht habe, ist … dass ich seit längerer Zeit in einer Beziehung bin. Und ich bin glücklich. Und ihr kennt die Person.“

Die anderen sehen sie überrascht an. „Das ist dein Geheimnis?“, fragt Gia vorsichtig. „Eine Beziehung?“ Tracy nickt. Dann greift sie langsam nach Jasons Hand und lässt sie nicht mehr los. In diesem Moment verstehen es alle.

Poppy wirkt weniger überrascht als die anderen. Sie atmet tief durch, dann sagt sie leise, fast erleichtert: „Endlich gebt ihr es zu. Ich hätte es auch nicht mehr lange für mich behalten können.“ Alle schauen sie entsetzt an. „Du wusstest das?“, fragt Brenda ungläubig.

Poppy nickt. „Ja, natürlich. Ich bin ja nicht dumm. Jason ist in letzter Zeit immer öfter aus dem Haus gegangen. Also bin ich ihm einmal gefolgt. Und jedes Mal war er bei Tracy.“
Sie sieht Tracy an. „Ich finde es nicht einmal so schlimm. Aber ich glaube, jetzt muss ich auch etwas beichten.“

Poppy erzählt von ihrem Geheimnis, von den Tabletten. Davon, wie sie sie nimmt, wenn alles zu viel wird, wenn die Angst sie nicht schlafen lässt. Als sie fertig ist, sind sie schockiert, aber niemand wendet sich ab. Im Gegenteil: Sie rücken näher zusammen. „Du bist nicht allein“, sagt Gia leise. „Wir helfen dir.“

Dann ist Brenda an der Reihe. Sie erzählt von den Problemen zu Hause, vom ständigen Streit, vom Druck, der sie jeden Tag begleitet. Von dem Gefühl, nirgends wirklich sicher zu sein.

Zuletzt spricht Gia. Sie erzählt von ihrer Unsicherheit, davon, dass sie nicht weiss, auf wen sie steht, und wie sehr sie Angst hat, dafür verurteilt zu werden.

Als alle alles gesagt haben, ist es nicht mehr still im Raum. Es fühlt sich anders an, ruhiger, als hätten sie sich endlich verstanden. Die vier schauen sich an. Tracy legt ihre Hand in die Mitte und sagt: „Ab jetzt erzählen wir uns alles, egal was.“ Eine nach der anderen legt ihre Hand dazu. Es ist wie ein Schwur zwischen ihnen. Alle sind einverstanden.

Die Beobachtung

In diesem Moment ertönt gleichzeitig auf allen Handys ein Geräusch. Eine neue Nachricht.
So süss, wie ihr euch geöffnet habt. Ich bin richtig mitfühlend geworden.
Aber so dumm, dass ihr es nicht einmal gesehen habt.
Als Erinnerung habe ich euch ein Video gemacht.

Kuss ?

Ein Video ist an die Nachricht angehängt. Mit zitternden Händen öffnen sie es. Schon nach wenigen Sekunden wird ihnen klar, was sie sehen: Sie wurden die ganze Zeit gefilmt, heimlich, aus dem Garten heraus. Jede Bewegung, jedes Wort.

Panik bricht aus. Alle reden durcheinander, ausser Tracy. Ihr Herz schlägt schneller, ein unangenehmes Gefühl kriecht in ihr hoch. Es ist, als hätte sie das alles schon einmal erlebt. Ein Déjà-vu. Langsam hebt sie den Blick und schaut aus dem Fenster. Draussen im Garten steht eine Gestalt. Ganz in Schwarz. Ohne nachzudenken, greift Tracy nach einem Messer und rennt nach draussen.

„TRACY!“, schreit jemand hinter ihr. Die anderen brauchen einen Moment, um zu begreifen, was passiert. Dann hören sie Schreie. „NEIN, LASS MICH LOS! AAAA!“

Sie stürzen nach draussen und sehen Tracy im Kampf mit jemandem. Die Person ist vorbereitet, bewegt sich schnell. Jason reagiert sofort, geht dazwischen. In dem Moment reisst sich die Gestalt los und flieht in die Dunkelheit. Tracy liegt am Boden. Sie hat ein paar Platzwunden, blutet an einigen Stellen, aber nichts ist lebensgefährlich.

„Es ist ein Junge“, sagt sie immer wieder, völlig aufgelöst. „Es ist ein Junge. Ich habe es gesehen … ich weiss es einfach.“ Doch wer es ist, kann sie nicht sagen.

Die anderen versuchen, sie zu beruhigen. „Es ist okay“, sagt Gia. „Wir finden das heraus. Du warst stark.“ Jason reicht Tracy frische Sachen. „Du kannst heute Abend nicht allein sein“, sagt er ernst. „Entweder bleibst du hier oder ich komme mit zu dir.“ Tracy versteht. Niemand geht nach Hause. Sie bleiben alle dort, zusammen, damit sie auf sich aufpassen können.

Im Wohnzimmer legen sie Matratzen aus. Sie schlafen dicht beieinander, damit keine allein ist und sich niemand ungeschützt fühlt. Bevor sie einschlafen, schauen sie noch einen Film, aber dieses Mal natürlich keinen Horrorfilm.

Die Nacht

Alle schlafen ruhig ein. . Es ist still im Haus, fast friedlich, als wäre nichts passiert. Die Matratzen liegen dicht nebeneinander, niemand will allein sein. Doch plötzlich gibt es ein Geräusch. Ein leises Klirren, als würde Glas aneinanderschlagen.

Davon wachen sie erschrocken auf. Ihre Herzen schlagen schneller. Für einen Moment sagt niemand etwas. Alle hören in die Dunkelheit. „Habt ihr das auch gehört?“, flüstert jemand. Sie setzen sich auf und schauen sich um. Alles sieht normal aus. Keine Bewegung, kein weiteres Geräusch. Trotzdem trauen sie der Stille nicht.

Schliesslich stehen sie auf und teilen sich auf, um vorsichtig durchs Haus zu gehen. Niemand will das aussprechen, aber alle denken dasselbe: Was, wenn er hier ist? Jason ist unsicher. Er weiss, dass die Person es besonders auf Tracy abgesehen hat. Deshalb bleibt er die ganze Zeit in ihrer Nähe und lässt sie keinen Moment allein. Sie schauen in jeden Raum, kontrollieren Türen und Fenster. Doch egal, wo sie nachsehen, da ist niemand. Keine Spur, nichts Ungewöhnliches.

Es dauert lange, bis sie sich wieder hinlegen. Die Angst sitzt tief und lässt sie nicht los. Irgendwann schlafen Poppy, Gia und Brenda nebeneinander ein. Jason und Tracy bleiben noch wach. Sie reden leise darüber, wie es ihnen mit allem geht, was passiert ist. Über die Nachrichten, das Video, den Angriff im Garten. Beide wissen, dass sie aus einem bestimmten Grund ausgewählt wurden. Es hätte jeden treffen können, aber es hat genau Tracy getroffen. Schliesslich schlafen auch sie ein. Doch beide haben ein schlechtes Gefühl dabei.

Gia bewegt sich unruhig hin und her. Ihr Schlaf ist nicht ruhig. Sie hat den schlimmsten Traum ihres Lebens. Sie träumt, dass sie allein in einer alten, dunklen Hütte ist. Es gibt keinen Weg hinaus. Die Luft ist kalt und alles wirkt leer. Dann sieht sie eine Person in einer gelben Regenjacke. Sie trägt eine Maske mit einem Kreuz darauf. In der Hand hält die Person einen Schocker. Sie macht ihn immer wieder an und aus. Das Geräusch hallt durch die Hütte, während die Person langsam näherkommt. Man sieht, dass sie Gia wehtun will.

Gia wacht schreiend auf. Ihr Atem geht schnell, ihr ganzer Körper zittert. Sofort ist Brenda bei ihr und nimmt sie in den Arm. Langsam beruhigt Gia sich und erzählt alles. Die anderen hören zu und versuchen, sie zu beruhigen. Sie sagen ihr, dass es nur ein Traum war, dass sie hier sicher ist. Doch während alle bei Gia sind, steht Tracy leise auf. Sie zieht sich an und macht sich fertig. Niemand bemerkt es.

Dann ist sie weg. Sie macht sich auf den Weg zu dem besten Hacker der Schule. Sie ist fest entschlossen, die Person zu finden, die ihnen das alles antut.

Die Spur

Tracy wartet beim Schulgelände. Es ist noch früh und kaum jemand ist unterwegs. In der Nähe soll sich ein alter Keller befinden, von dem sie weiss, dass dort der beste Hacker der Schule arbeitet. Sie fühlt sich unwohl und schaut sich ständig um. Nach allem, was passiert ist, will sie eigentlich nicht allein sein, auch wenn sie es nicht zugeben will.

Plötzlich tippt ihr jemand auf die Schulter. Tracy zuckt zusammen und dreht sich erschrocken um. Doch es ist nicht die Person, vor der sie Angst hat. Es sind Gia, Brenda und Poppy. „Warum seid ihr hier? Ihr müsst nicht mitkommen“, sagt Tracy leise. Brenda schüttelt sofort den Kopf. „Doch, das müssen wir. Du gehst da nicht allein rein. Das geht uns alle etwas an, also kommen wir mit.“ Tracy ist froh, dass sie da sind, auch wenn sie gleichzeitig Angst hat.

In diesem Moment kommt ein Junge aus einem Gebüsch. „Also wollt ihr meine Hilfe, wie ich sehe“, sagt er grinsend. „Was für eine Überraschung.“ „Oh ja, wir brauchen deine Hilfe“, sagt Tracy nervös. „Ähm … wie heisst du noch mal?“ „Dave“, sagt Brenda schnell. „Er heisst Dave.“ Dave schaut sie überrascht an. „Du kennst meinen Namen?“ Für einen kurzen Moment sehen sie sich an. Dann sagt Brenda schnell: „Und das sind Tracy, Gia und Poppy. Und ich bin Brenda.“ Sie rettet sich aus der peinlichen Situation, merkt aber, dass er sie die ganze Zeit anschaut.

Dave zeigt ihnen den Weg in den Keller, damit sie wissen, wie sie ihn auch allein finden könnten. Unten angekommen sind sie überrascht.Es sieht gar nicht so aus, wie sie es erwartet haben. Ein riesiger Computer steht auf einem langen Tisch, daneben ein Gamerstuhl. In der Ecke steht ein weiterer Tisch mit mehreren Stühlen.

Alle setzen sich. Dave fragt, wobei er helfen soll. Eine Minute lang sagt niemand etwas. Dann beginnt Tracy, alles zu erzählen. Während sie spricht, werden Daves Augen immer grösser. Man sieht ihm an, dass ihn das schockiert. Sie wollen nicht weiter darüber reden. Dave startet ein Programm, mit dem er versucht, die Person zu orten.

Sie warten. Und warten. Irgendwann bringt Jason Essen vom Asiaten für alle. Niemand hat wirklich Hunger, aber sie essen trotzdem ein bisschen.

Plötzlich kommt keine Nachricht, sondern ein Anruf. Auf dem Display steht: Anonym. Dave schaltet sofort alles ein. „Geh ran“, sagt er leise. Tracy nimmt ab.

„Hallo? Wer ist da? Kenne ich Sie?“
Nur lautes Atmen ist zu hören.
„Ich kann dich hören“, sagt Tracy. „Antworte.“
„Ach, Tracy. Meine kleine süsse Tracy“, sagt die Stimme. „Warum bist du denn so sauer? Wegen unserem kleinen Kampf oder was?“
„Was willst du von mir?“
„Ich will dir dein Leben zur Hölle machen. Du wirst mich nie los. Ich bin dein schlimmster Albtraum.“Dann lacht er leise. „Und sag deinen kleinen Freunden hallo von mir. Ich glaube, sie werden sich freuen.“
Der Anruf endet.

„Hast du was gefunden, Dave?“, fragt Brenda sofort. Dave sagt nichts. Er starrt auf den Bildschirm. „OB DU WAS GEFUNDEN HAST!“, schreit Tracy panisch. „Dave atmet tief durch. „Das Signal kommt von der Schule“, sagt er schliesslich. „Er ist ganz nah.“ Alle schauen auf den Bildschirm. Der Punkt bewegt sich, direkt im Schulgelände.

Tracy rennt los. „TRACY, WARTE!“, schreien die anderen. Doch sie ist zu schnell. Jason ist auch schon weg. Gia bleibt kurz stehen. „Bleibt ihr hier!“, sagt sie zu Brenda und Poppy. „Ihr müsst schauen, wohin er geht.“ Dann rennt sie hinter Tracy her.

Dave schaut Brenda an. „Ist alles okay?“ Da bricht es aus ihr heraus. „Warum genau wir? Warum macht er unser Leben zur Hölle?“ Dave will sie nicht weinen sehen. Er geht zu ihr und nimmt sie vorsichtig in den Arm. Es ist das erste Mal, dass er das tut.

Die Konfrontation

Tracy hört nicht auf zu rennen. Ihr Atem geht schnell, ihre Beine brennen, doch sie bleibt nicht stehen. Erst als sie die Sporthalle erreicht, wird sie langsamer. Drinnen sieht sie jemanden. Die Person steht mitten in der Halle und schaut sie direkt an. Für einen Moment bleibt Tracy stehen. Dann geht sie langsam hinein. Neben der Tür greift sie sich einen Baseballschläger. Ihre Hände zittern, aber sie hält ihn fest.

„Also nur wir zwei“, sagt die Person ruhig. „Du weisst gar nicht, wie froh ich bin, dich hier zu sehen, Tracy.“ Tracy sagt nichts. „Ach komm“, fährt die Stimme fort. „Schweig doch nicht.“

Währenddessen schreibt Brenda Gia, dass Tracy in der Sporthalle ist. Ohne zu zögern rennen Gia und Poppy los, so schnell sie können. Brenda ruft gleichzeitig die Polizei an.

In der Sporthalle beginnt der Kampf. Tracy versucht, sich mit dem Baseballschläger zu wehren, aber sie ist zu schwach. Die Person ist schneller und stärker. Sie reisst Tracy den Schläger aus den Händen und schlägt damit zu. Dann wird alles schwarz und Tracy fällt bewusstlos zu Boden. Durch die Fenster der Sporthalle blinken blaue Lichter. Die Person sieht sie, zögert keine Sekunde und rennt davon.

Jason kommt als Erster in die Halle. Er sieht Tracy reglos am Boden liegen, hebt sie hoch und trägt sie sofort nach draussen, direkt zum Krankenwagen. Tracy hat mehrere Platzwunden und blutet an verschiedenen Stellen. Sie wird sofort ins Krankenhaus gebracht. Jason fährt mit, die anderen kommen kurz danach mit dem Auto hinterher.

Im Krankenhaus werden ihre Platzwunden genäht. Die Ärzte lassen sie von selbst wieder aufwachen. Nach etwa zwanzig Minuten öffnet Tracy langsam die Augen. „Was ist passiert?“, fragt sie leise. „Und wo ist er?“

Die anderen sehen sich unsicher an. Poppy erzählt ihr, was passiert ist. Dass die Polizei gekommen ist, dass er geflohen ist. „Wo ist …?“, fragt Tracy noch einmal. „Er ist weggerannt, bevor wir da waren“, sagt Gia.

Tracy richtet sich langsam auf. Sie ist noch wacklig, aber ihre Stimme ist plötzlich fest. „Wir müssen unsere Handys wegschmeissen“, sagt sie laut. „Alle.“ Sie geht zum Fenster und wirft ihr Handy als Erstes hinaus. Es zerschellt auf dem Boden. „Jetzt ihr“, sagt sie. Die anderen schauen sie verwirrt an. „Warum?“, fragt Brenda. „Als ich mit ihm allein war“, sagt Tracy, „hat er gesagt, dass er uns jede einzelne Sekunde sieht. Egal, was wir machen.“ Sie schluckt. „Und was haben wir immer bei uns? Unsere Handys. Er muss etwas darauf gemacht haben.“

Langsam verstehen sie es. Einer nach dem anderen werfen sie ihre Handys weg. Noch am selben Tag kontaktieren sie Dave. Er besorgt für alle neue, sichere Handys.

Der Ball

Zeit vergeht und der Winterball steht vor der Tür. Die letzten Wochen waren ruhig. Keine Nachrichten, keine Anrufe, keine neuen Drohungen. Trotzdem ist das Gefühl nie ganz weg.

Am Abend des Balls machen sich alle fertig. Jede sieht traumhaft aus und jede hat ein Date. Tracy geht es besser, auch wenn man merkt, dass sie vorsichtiger geworden ist. Sie geht mit Jason. Brenda geht mit Dave. Poppy geht mit einem netten Jungen aus der Schule, er heisst Ted. Gia war in der Zeit davor auf mehreren Dates mit einem Mädchen namens Sky. Sie mögen sich sehr und verstehen sich gut. Also geht Gia mit Sky zusammen zum Ball.

Am Anfang haben alle Spass. Sie tanzen, lachen und versuchen, den Abend zu geniessen. Für einen kurzen Moment fühlt es sich an, als wäre alles vorbei. Als hätten sie es endlich geschafft.

Doch dann bleibt Gia plötzlich stehen. Ihr Gesicht wird blass. „Leute“, sagt sie leise, „ich glaube, er ist hier. ? ist hier.“ Alle schauen sich um. Erst sehen sie nichts. Dann sehen sie ihn. Eine Gestalt, die zu lange stillsteht, die sich nicht bewegt. Sie erstarren.

Aber Tracy rennt los.

So schnell ist sie noch nie gerannt. Sie spürt nichts ausser Wut und Angst. Sie will Antworten. Sie will, dass es endlich vorbei ist. Die Person rennt die Treppe hoch aufs Dach, Tracy direkt hinterher. Die anderen kommen ebenfalls nach, so schnell sie können. Gia ruft sofort die Polizei.

Oben bleibt Tracy stehen. Der Wind ist kalt, ihre Hände zittern.
„WER BIST DU?“, schreit sie. „WARUM TUST DU UNS DAS AN? WARUM?“
Die Person sagt nichts. Kein Wort. Kein Laut.

Tracy hält es nicht mehr aus. Sie geht auf sie zu und reisst ihr die Abdeckung vom Gesicht. Dann sehen sie es. Es ist Tracys Vater. Der Mann, der seit Jahren nicht mehr hier lebt. Der Mann, der nie wieder zurückkommen sollte.

Tracy stolpert einen Schritt zurück. „Warum?“, fragt sie leise. „Warum hast du das gemacht?“ Er schaut sie lange an. „Du weisst es wirklich nicht“, sagt er schliesslich. „Deine Mutter hat mich verletzt. Und ich wollte dir zeigen, wie sich das anfühlt.“ Jetzt ergeben Dinge plötzlich Sinn. Seine Stimme. Seine Worte. Dass er immer Tracy erwähnt hat. Dass es immer sie war.

Die Polizei kommt kurz darauf und nimmt ihn mit. Als sie ihn abführen, dreht er sich noch einmal um.

„Vergiss mich nie, mein Schatz“, sagt er ruhig. „Dein ?“

Epilog

Zwei Wochen sind vergangen. Seitdem ist nichts mehr passiert. Keine Nachrichten. Keine Anrufe. Keine Drohungen.

Doch manchmal, wenn Tracy ihr Spiegelbild sieht oder glaubt, ihr Handy würde vibrieren, obwohl sie keines mehr hat, fühlt sie sich wieder beobachtet.Und sie weiss: Nur weil es vorbei ist, heisst das nicht, dass es wirklich vorbei ist.

Vielleicht übernimmt jemand anderes seine Stelle.

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