Ich drehe mich von einer Seite auf die andere. Mein Kopf ist voll. Bis oben mit Gedanken gefüllt. Nicht einen davon habe ich zu Ende gedacht. Ich versuche, alles zu ignorieren, die Stimme in meinem Kopf leiser zu drehen. Mein Herz rast, obwohl ich seit zwei Stunden ruhig in einem Bett liege. Nicht in meinem. Ich kenne den Ort nicht. Ich will meine Augen nicht öffnen, weil ich weiss, dass ich nicht zu Hause bin.
Ich halte meinen Kopf fest, der in regelmässigen Abständen pocht und Schmerz durch meinen ganzen Körper jagt. Schaudernd krieche ich tiefer in die riesige Decke, ziehe an den Enden und schlüpfe mit meinem Kopf darunter. Dunkelheit umgibt mich und die Stille droht mich einzufangen. Angsterfüllt und voller Schmerz kralle ich mich in das Bettlaken und beginne, von 100 hinunterzuzählen.
Jede Sekunde, die vergeht, fühlt sich wie eine Ewigkeit an. Und plötzlich höre ich etwas. Angespannt halte ich meinen Atem an und lausche in die Finsternis. Ich merke, wie mein ganzer Körper zu zittern beginnt, Schweiss bildet sich und gleichzeitig friere ich von oben bis unten. Wieder dieses leise Geräusch. Ich realisiere, dass noch jemand im Zimmer ist. Entsetzt reisse ich die Augen auf.
Jetzt höre ich es in regelmässigen Abständen. Ein leises Atmen. Ich konzentriere mich so fest darauf, dass ich selbst vergesse zu atmen. Als ich mir sicher bin, dass die Person neben mir schläft, krieche ich so leise wie möglich unter der Decke hervor. Im Zimmer ist es dunkel und ich sehe nur die schwarze Silhouette einer kleinen Person. Erleichtert schnappe ich nach Luft. Es ist nur ein Kind.
Mein Blick schweift durch das Zimmer und plötzlich starrt mich ein kalkweisses Gesicht an. Ein erstickter Schrei entweicht mir. Panik ergreift mich, mein Puls schiesst in die Höhe. Reflexartig stehe ich auf und stolpere rückwärts, doch ich erreiche die Bettkante und falle hin. Ein weiterer Schrei hallt durch das Zimmer. Doch dieses Mal nicht von mir. Der Junge unter mir schiebt mich aggressiv von sich weg und ich purzle quer über den holzigen Zimmerboden.
Von Angst ergriffen springe ich keuchend auf und versuche, von der weissen Person wegzukommen. Doch plötzlich öffnet sich eine Tür und zwei schwere Hände packen mich. Ich drehe und wende mich in dem Versuch, freizukommen.
„Ich bin es, dein Vater!“, flüstert eine vertraute Stimme.
Und dann realisiere ich, dass ich im Zimmer meines Bruders bin. Das Zimmer, in dem ein Bild mit der weissen Maske hängt. Langsam spüre ich, wie das Adrenalin meinen Körper verlässt, und ich sinke erschöpft in die Arme meines Vaters.


Deine Geschichte war sehr toll. Die Art wie du es geschrieben hast, hat mich sehr begeistert. Ich hatte sofort ein Kopfkino und wollte weiter lesen.
Danke viel mal, das freut mich sehr.