Gellende Hitze prallt erbarmungslos auf mich nieder. Die Luft flimmert über dem Boden und der einzige Ort, an dem man sich in der Sommerzeit noch wohlfühlen kann, ist auf dem Wasser. Das Paddel gleitet durch das Meer und bringt mich immer weiter hinaus. Wellen gibt es praktisch keine. Hechelnd atme ich ein und aus und warte, bis Max mit seinem Stand-up-Paddle zu mir aufschliesst.
Auf einmal stösst etwas von unten gegen mein Brett. Ich schreie erschrocken auf und versuche, die Balance zu halten, während das Board unter mir gefährlich hin und her wackelt. Hektisch suche ich nach Halt, höre nur halb das Geschrei von Max. Mein Herz beginnt zu rasen, als ich eine dunkle Silhouette unter meinem Board erkenne. Panisch lasse ich mich fallen, sitze plötzlich auf dem Stand-up-Paddle und rudere instinktiv los.
Max kommt immer näher, scheint die Lage nicht zu verstehen und fängt sogar an zu sticheln. In mir beginnt es vor Panik und Wut zu brodeln. Und dann platze ich: Ich kreische verzweifelt und der helle Ton zieht über das flache Wasser hinweg bis an den Strand. Doch nicht nur die Touristen habe ich auf mich aufmerksam gemacht, sondern auch das unheimliche Biest unter mir. Mit Schrecken beobachte ich, wie es aus der Tiefe auf mich zurast.
Mit unglaublicher Geschwindigkeit schiesst es heran. In einem Moment ist es noch weit weg, im nächsten springt es aus dem Wasser, verfehlt mich und landet mit einem dumpfen Aufprall auf meinem Brett. Kalter Schweiss läuft meinen Rücken hinunter und mein bebender Körper will nur noch fliehen. Doch da höre ich Max’ fröhliches Lachen. Irritiert starre ich auf das struppige Tier, das vor mir liegt. Sein nasses Fell klebt am Körper, und seine Zunge hängt fröhlich aus dem Maul. Und da erkenne ich den riesigen Hund.
Dieser Text ist Teil der ABC-Etüden, eines Projekts, das von Christiane am Leben gehalten wird. Im März 2026 sind die Begriffe Sommerzeit, struppig und sticheln vorgegeben. Die Länge des Textes darf 300 Wörter nicht überschreiten.
Geschrieben wurde diese Etüde von Noreen im Wahlfach Bloggen 25/26.


Finde ich richtig gut und überaus spannend. Nie wäre ich darauf gekommen, dass ein großer Hund die Auflösung des „Biestes“ sein könnte. Ich habe irgendwie darauf gewartet, dass sie von einem Monster verschlungen würde oder dramatisch fliehen kann …
Danke dir für die Etüde! 😉