Tragische Liebesgeschichte

Inspiriert von Giacomo Puccinis Oper „Madama Butterfly“

Sin-Hong-Jan war eine junge Japanerin, die als Kellnerin in einem beliebten Restaurant in Japan arbeitete, das jedoch in letzter Zeit nicht mehr so viele Kunden hatte. Sie war oft unkonzentriert, weil sie vor einer Woche Schluss mit ihrem Ex gemacht hatte. Sie wünschte sich endlich eine feste und dauerhafte Beziehung.

Gerade wollte sie einem amerikanischen Soldaten einen Kaffee bringen. Doch als sie die Treppe hinunterging, stolperte sie und fiel. Der Soldat sprang sofort auf und half ihr, aufzustehen. In dem Moment, als sie ihm in die Augen sah, verliebte sich Sin-Hong-Jan sofort. Sie wollte ihn noch nach seinem Namen fragen, doch keine Sekunde später war er verschwunden.

Am nächsten Tag traf sie den Soldaten wieder. Dieses Mal fragte sie sofort nach seinem Namen. „Janick“, antwortete er. Er entschuldigte sich für sein plötzliches Verschwinden und erklärte ihr, dass er unerwartet zu einem dringenden Einsatz im Stützpunkt gerufen worden war. Sie tauschten ihre Handynummern aus. Es dauerte nicht lange, bis sie Tag und Nacht miteinander schrieben und sich über ihre Hobbys, Lieblingsorte und Zukunftspläne austauschten.

Eines Tages fasste Sin-Hong-Jan all ihren Mut zusammen und fragte, ob er eine Beziehung wolle. Janick sagte: „Ja.“ Von da an gingen sie oft spazieren. Doch ein grosses Problem tauchte beim Abendessen auf. Bei Sin-Hong-Jan zu Hause gab es keine Gabeln oder Messer. Sie ass nur mit Stäbchen. Für Janick war das schwierig, weil er keine Ahnung hatte, wie man diese Stäbchen benutzte, aber er übte jeden Abend fleissig. Sin-Hong-Jan half ihm geduldig, bis er es schliesslich konnte.

Eines Tages erhielt Janick einen Brief. Er war zu Hause, weil er wegen seiner guten Leistungen einen freien Tag bekommen hatte. In dem Brief stand, dass er ein Angebot erhalten hatte, nach Italien zu gehen, um dort an einer internationalen NATO-Mission teilzunehmen, für die amerikanische Soldaten freiwillig eingeteilt werden konnten. Janick wollte diese Chance nutzen, doch Sin-Hong-Jan wollte nicht, dass er Japan verliess. Es kam zu einer grossen Diskussion.

Sie erklärte ihm, dass sie gerade eine berufsbegleitende Weiterbildung machte, um im Restaurant eine bessere Stelle zu bekommen. Dafür musste sie regelmässig Aufgaben erledigen, Menüplanung, Englischübungen und kleine Tests. Seit der Trennung von ihrem Ex fiel es ihr jedoch schwer, sich zu konzentrieren, und sie hatte Angst, die Prüfungen nicht zu bestehen. Janick war der Einzige, bei dem sie sich ruhig und sicher fühlte. Er half ihr beim Lernen, brachte ihr Struktur und erklärte ihr besonders die englischen Begriffe, die sie benötigte.

Nach vielen Gesprächen fanden sie einen Kompromiss: Sie würde ihn gehen lassen, wenn er ihr bis zur Abreise täglich bei ihren Aufgaben half. Janick stimmte zu.

Jeden Abend setzte sich Janick mit ihr hin, half ihr bei den Lernunterlagen, übte Englisch mit ihr und zeigte ihr, wie sie ihre Aufgaben besser organisieren konnte. Mit jeder Lektion gewann sie mehr Vertrauen in sich selbst. Am Ende hatte sie genug Sicherheit gewonnen, um ihn gehen zu lassen.

In der Nacht vor seinem Flug schlug sie vor, dass sie eine Fernbeziehung versuchen könnten. Janick stimmte zu und versprach zudem, sich regelmässig über Facetime aus Italien zu melden und zu schreiben. Die Verabschiedung war traurig, doch sie hielten Kontakt. Sin-Hong-Jan lächelte wieder, sobald sie miteinander sprachen oder schrieben.

Doch plötzlich wurde die Region, in der Janick stationiert war, in einen bewaffneten Konflikt verwickelt. Die NATO-Einheit musste eingreifen und Janick wurde zum Einsatz eingezogen.

Einige Wochen später endete die Operation und Sin-Hong-Jan freute sich schon auf seine Rückkehr. Aber am nächsten Tag klopfte ein Soldat an ihre Tür und es war nicht Janick. Der Soldat überreichte ihr ein kleines Kästchen mit der amerikanischen Flagge darauf und sagte mit trauriger Stimme: „Janick ist leider im Einsatz gestorben.“

Keine zwei Sekunden später fing Sin-Hong-Jan an zu weinen. Nachdem der Soldat gegangen war, stach sich Sin-Hong-Jan einige Stunden später mit einem Messer. Die Nachbarin bemerkte Blut am Fenster und rief sofort die Polizei. Wenige Minuten später brach die Polizei das Haus auf und fand Sin-Hong-Jan leblos am Boden.

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