Eines Tages verwendete mein Vater den Begriff «verschuldet», den ich zwar kannte, von dem ich aber nicht richtig wusste, was er bedeutete. Er erklärte mir, das bedeute, dass man einer anderen Person noch sehr viel Geld geben müsse. Dann fügte er noch an, dass er deshalb länger und öfter arbeiten müsste. Das verstand ich.
Doch ich überlegte mir, wieso wir verschuldet waren und wem wir Geld schuldeten. Ich wollte ihn aber nicht danach fragen, vielleicht wäre er dann wütend geworden.
An meinem 15. Geburtstag bekam ich keine Geschenke. Mein Vater sagte. er könnte sich kein Geschenk für mich leisten. Ich wusste, warum. Generell war kein Geld mehr vorhanden. Damit ich mir überhaupt Sachen wie Klamotten leisten konnte, musste ich während der Sommerferien arbeiten.
Viele meiner Freunde verbrachten ihre Zeit am Strand und ich arbeitete. Das war schwer!! Ich hoffte einfach, dass mich niemand sehen würde, es wäre mir zu unangenehm.
Natürlich hat mich jemand gesehen. Ich habe ihn gebeten, niemanden davon zu erzählen. Aber er verlangte als Gegenleistung, meine totale Unterwürfigkeit. So musste ich alles machen, was er sagte, seinen Forderungen nachkommen.
In dem Moment wusste ich noch nicht, dass dies der Moment war, der meine restliche Zeit an der Schule zu Hölle machen würde. Ich musste mein hart verdientes Geld ausgeben, um ihm etwas zu kaufen. Mein Vater verstand nicht, warum ich nie Geld hatte, obwohl ich doch arbeitete. Er warf mir vor, alles zu verjubeln. Aber ich konnte mich nicht wehren, weil niemand wissen sollte, dass wir nicht so viel Geld hatten.
Doch dann, ein Jahr später, gewann mein Vater im Lotto. Ich kündigte meinen Job und erzählte jedem mein Geheimnis. Jetzt geniesse ich noch die restliche Schulzeit.
Dieser Text ist mit den Wörtern der ABC-Etüde für den Februar 2024 entstanden, die von Christiane betreut wird. Sie lauten Unterwürfigkeit, verschuldet und verjubeln. Er wurde von Luca im Wahlfach Bloggen 24/25 verfasst.


Dafür gibt es ein Wort, und das nennt sich „Erpressung“. Ich kann verstehen, dass du nicht wolltest, dass jemand von der Notlage erfährt, aber das so auszunutzen, zeugt von keinem guten Charakter.
Danke für die Etüde! ⛅☕🍪
Vielen Dank für diesen Kommentar. Ich habe mir diese Geschichte als Etüde ausgedacht, weil ich das sehr wichtig finde, diese Themen zu erwähnen. Danke für diese positive Rückmeldung.
Es gefällt mir, wie positiv die Geschichte endet
Danke für diesen freundlichen Kommentar. Mit dem Ende wollte ich einfach zeigen, dass schlechte Zeiten immer irgendwann zu Ende gehen und es dann wieder positiv wird.
Gruppenzwänge in der Schule oder in „Freundesgruppen“ sind so ziemlich das Widerlichste, ist aber wohl oft die Wirklichkeit. Das war in meiner Jugend auch schon so und scheint immer noch Gang und Gebe zu sein oder durch Konsumzwang und Social Media noch verstärkt wird.
Ich hoffe, Du hast es nicht selbst so erlebt! Und Dank, dass Du dieses Thema angeschnitten hast, damit es wieder ins Bewusstsein kommt.
Vielen Dank für den sehr netten Kommentar. Ich habe es zum Glück nicht genau so erlebt, aber ich wollte diese Themen einfach erwähnen, weil ich selbst früher leider Mobbing erlebt habe. Vielen Dank für diese nette Rückmeldung.
Gut beschrieben, wie sich das Ganze so hässlich weiterentwickelt hat.
Für die Probleme der Eltern kann man ja nichts, insofern müsste man nichts verheimlichen, aber das ist ja leider nur die Theorie, die Schulrealität ist grausamer als die spätere, wenn man nur für sich selbst verantwortlich zu sein braucht und nicht mehr so leicht gemobbt und terrorisiert werden kann wie in der Schule. Wie Werner hoffe ich, dass du es nur beschreibst, nicht erlebt hast.
Danke für diesen netten Kommentar. Ich habe es genauso zum Glück nicht erlebt.
Das freut mich. Es ist immer gut, sich etwas vorstellen zu können, was anderen tatsächlich widerfährt.