Hallo, ich bin Rolf. Jeden Samstag gehe ich mit meiner Frau in die Stadt, damit sie shoppen kann. Heute ist wieder Samstag, und das bedeutet, dass wir uns auf den Weg machen. Ich hasse diesen Tag in der Woche, weil ich einfach keine Ahnung habe, was ich tun soll, während sie in den Geschäften herumschaut.
Manchmal sitze ich in einer Bäckerei und trinke einen Kaffee, aber oft muss ich bei ihr bleiben, um sie zu beraten. Meine Frau heisst Maria. Sie geht leidenschaftlich gerne shoppen. Sie hat einen tollen Geschmack, und ich bewundere ihre Fähigkeit, die besten Angebote zu finden, auch wenn sie es manchmal etwas übertreibt.
An einem Samstagmorgen möchte man doch eigentlich ausschlafen und sich einen gemütlichen Morgen machen, vielleicht mit einem Kaffee und meinem Lieblingsbuch. Aber nicht mit Maria. Sie hat ihre eigenen Pläne und erwartet, dass ich Punkt acht Uhr bereit bin.
Es ist unsere wöchentliche Tradition: pünktlich zur Ladenöffnung stehen wir vor dem Geschäft, damit sie die besten Schnäppchen erwischt. Also springe ich aus dem Bett, frühstücke hastig und ziehe mich an, während ich versuche, die Müdigkeit abzuschütteln. Immerhin ist Samstag und ich hoffe, dass ich danach noch etwas Zeit zum Entspannen finde.
Im Shoppingcenter geht es das richtig los. Maria entdeckt überall etwas, das ihr gefällt oder einfach gerade super in Mode ist. In solchen Momenten kommt es mir vor, als wäre sie der Flash, so schnell huscht sie von Laden zu Laden.
Kurz vor der Ladenöffnung bleibt sie vor einem Schaufenster stehen. Drinnen liegen ein paar ausgefallene Mützen. Das ist mein Stichwort, sie braucht Rat.
„Rolf“, ruft Maria. „Findest du diese Kappe auch so leicht?“ Ich fragte mich, was diese Frage jetzt wieder soll. Darum antworte ich: „Maria, wie soll ich das Gewicht der Kappe kennen, wenn ich sie noch nie in meiner Hand hatte?“ Sie war etwas verärgert über meine Antwort. Ich wusste aber wirklich nicht, was ich sonst antworten sollte.
Maria schnauft empört und sagt: „Was ist jetzt schon wieder mit dir los? Was hat Gewicht mit der Kappe zu tun?“ Ich antwortete ruhig: „Du hast gefragt, ob ich sie leicht finde. Sie wird wohl nicht so schwer sein wie ein Felsen, aber woher soll ich das wissen?“
„Verstehst du das Wort leicht eigentlich nicht?“, schreit Maria, völlig ausser sich. Ich konnte nicht anders und musste fragen, was das Wort für sie bedeutet. „Es bedeutet unkompliziert. Was ist daran so schwer zu verstehen?“, entgegnet sie.
Daraufhin konnte ich mir eine kleine Frechheit nicht verkneifen und sagte: „Dann passt die Kappe auf keinen Fall zu dir, denn unkompliziert bist du nun wirklich nicht.“
Woher soll ich wissen, was sie mit diesen Worten meint? Die Situation erinnert mich an ein Zitat von Arthur Schnitzler:
Jedes Wort hat fliessende Grenzen. Diese Tatsache zu ästhetischer Wirkung auszunützen, ist das Geheimnis des Stils.
Arthur Schnitzler
Dieser Text ist im Rahmen der Impulswerkstatt Mai/Juni 2025 von Myriade entstanden. Dafür stehen vier Bilder, der Begriff «Felsen» sowie ein Zitat zur Verfügung.
Janis, WF Bloggen 24/25


Hallo J ! Das Zitat hast du ja echt genial eingebaut !!
Vielen Dank. Es war für mich nicht einfach, den Text mit dem Zitat zu verbinden. Ich bin froh, dass es dir gefällt.