Es war ein warmer Sommertag und meine Freunde und ich wollten etwas unternehmen. Wir überlegten, was wir machen könnten. Wir dachten sehr lange nach, bis einer vorschlug, baden zu gehen. Alle waren einverstanden, doch das Freibad war zu überfüllt, um dorthin zu gehen.
Also überlegten wir weiter und kamen auf die Idee, zu einem See zu gehen. Zu welchem genau, war uns noch unklar. Wir fragten unsere Eltern, ob sie einen guten Badesee kennen, in dem wir baden konnten. Sie sagten, dass es einen kleinen Weiher oberhalb des kleinen Waldstückes gab, der nicht so oft besucht werde. Wir packten unsere Sachen und machten uns auf den Weg.
Am See angekommen waren wir etwas misstrauisch, denn am See waren wirklich keine Menschenseele zu sehen. Wir schauten uns um, doch uns fiel nichts Merkwürdiges auf. In der Mitte des Sees lag eine kleine Insel mit einem grossen Baum, umgeben von hohem Gras. An einer Stelle war das Gras niedergetrampelt, als würde ein Pfad zum Baum führen.
Den Weg beachteten wir nicht und sprangen direkt ins Wasser. Die Abkühlung tat gut. Nach einer Weile beschlossen wir, die Insel näher zu erkunden. Wir schwammen hinüber und entdeckten dort einen grossen Felsen, auf den wir hochkletterten, um einen besseren Überblick über die Umgebung zu bekommen.
Vom Felsen aus gingen wir zum Baum und fanden eine Leiter, die an den Stamm gelehnt war. Wir fragten uns, wohin die Leiter wohl führte. In ein Baumhaus vielleicht? Wir waren sehr neugierig und kletterten die Leiter hoch. Wir kletterten hinauf und fanden keine Hütte, sondern eine schlichte Plattform mitten im Baum. Plötzlich hörten wir eine Stimme, die von oben kam und älter klang.
Wir waren verwirrt und schauten nach oben. Oben in der Baumkrone gab es noch eine Plattform. Ein alter Mann sass darauf und sah zu uns herunter. Er fragte, was wir in seiner Wohnung zu suchen hätten. Erst da begriffen wir, dass dieser Mann tatsächlich in dem Baum lebte.
Er wirkte etwas seltsam auf uns. Als wir uns entschuldigten, dass wir in seine „Wohnung“ eingebrochen waren, meinte er nur, es sei nicht schlimm. Wir hätten uns ja mit Worten entschuldigt. Dann sagte er: „Jedes Wort hat fliessende Grenzen. Diese Tatsache zu ästhetischer Wirkung auszunützen, ist das Geheimnis des Stils.“ Warum er uns gerade ein Zitat von Arthur Schnitzler sagte, blieb uns ein Rätsel.
Wir hatten das Gefühl, dass dieser alte Mann nicht ganz normal war. Deshalb beschlossen wir, ihn und seine Baumhauswohnung in Ruhe zu lassen. Wir schwammen zurück, packten unsere Sachen und machten uns auf den Heimweg.
Zu Hause waren wir erschöpft und verwirrt zugleich, denn was wir an diesem Tag erlebt hatten, war definitiv etwas völlig Neues für uns.
Dieser Text ist im Rahmen der Impulswerkstatt Mai/Juni 2025 von Myriade entstanden. Dafür stehen vier Bilder, der Begriff «Felsen» sowie das Zitat von Arthur Schnitzler zur Verfügung.
Liam, WF Bloggen 24/25


Feines Abenteuer! Solche Begegnungen hätte es im Schwimmbad sicher nicht gegeben. Vorsicht: in Absatz 5 und 6 hat sich ein Stück Text verdoppelt.
Danke vielmal für deinen Hinweis auf den Fehler, da habe ich wohl nicht aufgepasst. LG Liam