Ein Abenteuer aus kleiner Sicht (Impulswerkstatt)

Es war einmal ein Zwerg namens Bartli. Er war nicht besonders klein, aber auch nicht besonders gross.

Bartli wollte unbedingt wieder einmal ein Abenteuer erleben. Also ging er zu seinem besten Freund Windhose.

Zu zweit machten sie sich auf den Weg. Mit einem Floss, das sie vor einiger Zeit gebaut hatten, fuhren sie den Fluss abwärts.

Ein, nein, zwei Wochen fuhren sie durch Wälder und über Seen. Endlich erreichten sie ein abgelegenes Ufer. Abgemagert und erschöpft suchten sie nach Nahrung und Unterschlupf. In einem hohlen Baum fanden sie die verlassene Wohnung eines Zwergs. Wem könnte diese Wohnung wohl gehört haben? Doch nach drei Tagen erfuhren sie es rasch.

Die Antwort liess nicht lange auf sich warten. Drei Tage später tauchte plötzlich ein Zwerg aus dem Nichts auf. Bartli und Windhose erschraken natürlich, beruhigten sich zügig. Es war Fürli, ein enger Freund der beiden.

„Was macht ihr in meiner Ferienwohnung?“, fragte er.
„Wir wussten nicht, dass sie dir gehört“, entgegnete Bartli.
„Ach, halb so wild. Ich sehe, ihr seid wieder auf Abenteuerreise. Kann ich auch mitkommen?“

Also gingen sie zu dritt weiter.

Sie beschlossen, einen Wanderpfad zu erkunden, der sich hinter ein paar Bäumen nach der Baumwohnung von Fürli befand. Über Stock und Stein wanderten sie, bis sie an einem Wasserfall ankamen. Der Legende nach sollte sich hinter dem Wasserfall, in einer Hölle, ein Schatz befinden.

Also suchten sie hinter jedem Felsen und Baumstamm nach einem Eingang. Doch sie fanden nichts. Dann vermuteten sie, dass sich der Eingang hinter dem Wasserfall befinden musste. Doch auch nach langem Klettern fanden sie nichts.

Erschöpft sprangen sie nach langem Suchen ins Wasser, um eine kurze Pause zu machen. Dabei sahen sie im Wasser eine Stelle, die besonders dunkel war. Das musste der Eingang sein.

Sie versuchten es, in die Hölle zu gelangen, doch keiner der dreien konnte lange genug die Luft anhalten. Daher beschlossen sie, Taucherausrüstungen zu basteln, sogar mit Tauchflaschen aus Bambus und Strohhalmen.

Schliesslich tauchten sie zu dritt hinunter und auf der anderen Seite wieder auf.

Vor ihnen erstreckte sich eine wundervolle Höhle, mit leuchtenden Steinen. Die verteilten Leuchtsteine ergaben zusammen mit den nicht leuchtenden Steinen ein fantastisches Bild: einen Sternenhimmel in einer Höhle.

Da erkannte sie, dass es sich nicht um einen greifbaren, materiellen Schatz handelte, sondern um den Wert der Erde. Überall gibt es schöne Orte, auch an solchen Standorten, wo man es nicht erwartet.

So beschlossen sie, nach Hause zurückzukehren. Doch der Weg war versperrt. Also drangen sie tiefer in die Hölle ein. Sie wanderten scheinbar endlos. Drei Wochen lang waren sie gefangen, bis sie in der Ferne ein Licht sahen. Hoffnung keimte auf.

Bartli war der Erste, der sich durch die Schwelle wagte. Doch anstatt in der Nähe von Fürlis Ferienwohnung herauszukommen, standen sie plötzlich direkt vor ihrer Heimat.

Voller Staunen blickten sie sich um. Drei Wochen lang hatten sie gesucht, getaucht, gestaunt und gehofft. Und nun waren sie wieder zu Hause, fix und fertig. Doch sie waren auch glücklich.

Denn alle wussten, der wahre Schatz war nicht aus Gold, sondern das, was sie gemeinsam erlebt hatten.


Dieser Text ist im Rahmen der Impulswerkstatt Mai/Juni 2025 von Myriade entstanden. Dafür stehen vier Bilder, der Begriff «Felsen» sowie ein Zitat zur Verfügung.

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