In diesem Beitrag erzähle ich eine Geschichte, die mit dem Bild in Verbindung steht.
1895
Im Jahr 1895 lebte eine sehr reiche Familie namens Brown. Mister Brown besass die grösste Schneiderei der Welt. Er führte 40 Geschäfte auf der ganzen Welt, weshalb die Familie viel reiste. Sie besuchten immer die Länder, in denen sich die Geschäfte befanden.
Das zweitgrösste war in Frankreich, mitten in Paris gleich neben einer kleinen Bäckerei. Also gingen sie im Sommer dorthin. Mister Brown buchte zwei Zimmer im besten Hotel der Stadt, eines für sich und seine Frau und eines für ihre beiden Töchter, Luci und Matha.
Die beiden liebten es, zu reisen. Dank ihres Vaters trugen sie immer die schönsten Kleider. Sie hatten auch einen älteren Bruder namens Jack, doch er war seit zwei Jahren beim Militär. Der Kontakt zu ihm bestand nur über Briefe. Sie erzählten ihm alles und er schrieb ihnen ebenso viel zurück.
Das Treffen
Während die Familie in Paris war, befand sich Jack in Belgien. Sie wollten sich unbedingt treffen. Also fuhren sie bis an die Grenze zwischen Frankreich und Belgien. Dort gab es einen langen Steg, der über einen Fluss führte. Genau dort wollten sie sich treffen.
Sie hatten Jack geschrieben, wann und wo sie sich treffen wollten. Sie hofften, dass die Zeit für ihn passen würde. Die Vorfreude war gross, alle waren motiviert und gespannt darauf, ob er sich verändert hatte.
Zehn Minuten vor dem vereinbarten Zeitpunkt waren sie da, voller Erwartungen. Doch als sie mit der Kutsche ankamen, erlebten sie einen Schock: Sie sahen keinen Steg mehr.
Sofort rannten sie zum Schild, auf dem stand: „Frontière avec la Belgique“ (auf Deutsch: „Grenze zu Belgien“). Dort sahen sie es: Der Steg war eingestürzt. Sie brachen in Tränen aus, weil sie Jack nicht sehen konnten.
Er war zu weit entfernt. Sie konnten nicht erkennen, ob er da war. Sie wussten nicht einmal, ob er überhaupt gekommen war.
Doch Jack stand tatsächlich auf der anderen Seite und sah dasselbe Bild. Auch er war sehr enttäuscht.
Sie sollten sich nie wiedersehen, weil er eine Woche später starb. Er wurde angeschossen und überlebte nicht.
Dieser Text ist im Rahmen der Impulswerkstatt Mai/Juni 2025 von Myriade entstanden. Dafür stehen vier Bilder, der Begriff «Felsen» sowie ein Zitat zur Verfügung.


Das ist ja traurig! Eigentlich eher dramatisch und auf jeden Fall eine sehr gute Idee!
Danke viel Mals für ein Kommentar und ja es ist ziemlich traurig.