Da war ich mutig

Was versteht man unter dem Begriff „Mut”?

Mut bedeutet, etwas zu überwinden: eine Angst, eine Herausforderung oder eine schwierige Situation. Es kann bedeuten, gegen eine Person oder gegen die eigenen Ängste anzukämpfen, aber auch, eine unbeantwortete Frage zu stellen oder etwas Neues auszuprobieren.

Ein Beispiel für Mut, das ich erlebt habe, war, als ich im Stigeli versuchte, einen Frontflip vom 3-Meter-Sprungturm zu machen. Während ich die Leiter hochstieg, schossen mir immer wieder Gedanken durch den Kopf: „Was, wenn ich hart auf dem Bauch oder Rücken lande? Was, wenn jeder mich sieht? Kann ich mich dabei verletzen?“

Aber dann merkte ich, dass ich mich immer mehr verängstigte, je mehr ich über die negativen Dinge nachdachte. Also schloss ich meine Augen, machte den Sprung und es klappte! Das Aufkommen war zwar schmerzhaft, aber niemand hat mich ausgelacht und ich fühlte mich nicht schlecht. Es wurde mir klar, dass es völlig unnötig war, mir Sorgen zu machen, weil nichts wirklich Schlimmes passieren konnte.

Solche Momente, wie ein Frontflip vom 3-Meter-Turm, das erste Mal Wasserskifahren, mein erster Horrorfilm oder die erste Fahrt auf der schnellsten Achterbahn im Europapark, sind Beispiele, bei denen ich Mut bewiesen habe und über meine Ängste hinausgegangen bin.

Doch es gibt auch Situationen, in denen ich noch mehr Mut zeigen muss.

Präsentationen

Ein gutes Beispiel ist die Präsentation vor der Klasse. Die Lehrerin sagte, dass wir alle eine Präsentation zu einem bestimmten Thema halten sollen. Ich bereite immer eine schöne PowerPoint vor, mit Bildern, Texten, Zitaten und einer sorgfältig ausgewählten Schriftart. Zum Schluss übe ich den Vortrag vor dem Spiegel, achte auf meine Körperhaltung und stimme meine Stimme ab.

Doch egal, wie gut ich geübt habe, wenn ich dann vor der Klasse stehe, die Augen auf mich gerichtet sind und alle zuhören, verliere ich manchmal den Fokus. Während ich spreche, achte ich plötzlich nicht mehr auf meine Stimme und stolpere über meine eigenen Worte. In solchen Momenten denke ich immer: „Oh nein, die Lehrerin wird das bemerken und meine Note wird schlechter!“

Aber dann wird mir klar, dass es gar nicht schlimm ist. Ich stelle mir vor, wie sich die Lehrerin selbst in ihrer Zeit vor der Klasse gefühlt haben muss, vermutlich genauso wie ich.

Bei einer Präsentation im Fach Bildnerisches Gestalten, in der wir einen bekannten Künstler vorstellen sollten, fehlte mir plötzlich ein Kärtchen. Ich stand für ein paar Sekunden da und wusste nicht, was ich tun sollte. Doch dann fasste ich mir ein Herz, improvisierte und begann, ohne Vorbereitung über den Künstler zu sprechen, da ich mich gut informiert hatte. Am Ende war ich stolz auf mich, dass ich diese Situation gemeistert hatte.

Ein weiteres mutiges Erlebnis war, als ich mit 8 Jahren mein erstes Geigenstück vor Publikum spielte. Auch damals hatte ich viel Angst, aber ich tat es trotzdem.

Ich kann mich nicht gut wehren

Im ersten Jahr des Kindergartens erlebte ich eine Situation, in der ich mich hilflos fühlte. Es war ein Sommertag und alle Kinder wollten draussen spielen. Die Kindergärtnerin verliess als Erste das Zimmer und die anderen folgten ihr. Ich war dabei, ein Dominospiel zu beenden, als plötzlich fünf andere Kinder, darunter ein grosser Junge, mich packten und mich mit Brennnesseln ins Büro der Kindergärtnerin zerrten. I

Ich wusste, dass ich mich nicht wehren konnte, alle anderen waren draussen, sodass niemand hörte, was passiert war. Ich erinnere mich, dass ich weinte. Die Brennnesseln schmerzten, als sie mich an den Armen packten und mit voller Kraft auseinanderzogen, ähnlich wie das Zerren an einem Waschlappen.

Mein grosser Bruder

Mein Bruder ist zweieinhalb Jahre älter als ich und wird im September 18 Jahre alt. Er ist leidenschaftlicher Judoka. Als ich in die Schule kam, war er bereits da und passte immer auf mich auf. Einmal versuchte ein Junge, mich zu würgen. Doch mein Bruder kam mit seinen Freunden zur Hilfe und die Situation drehte sich zu meinen Gunsten. Ich durfte dem Jungen sogar eine Ohrfeige verpassen.

Wenn mein Bruder jedoch nicht da war, hatte ich immer Angst, mich nicht wehren zu können. Vielleicht ist es eine Angewohnheit aus dem Kindergarten, aber ich fühle mich oft hilflos, wenn ich alleine bin.

Schnee in der Pause – Hurra!

Es tut mir leid, wenn ich euch enttäuschen muss, aber die Überschrift ist ironisch gemeint. Einerseits macht eine Schneeballschlacht mit Freunden immer Spass, aber es gibt auch weniger schöne Momente, die man nicht erwartet.

Es war in der ersten Sekundarklasse während der grossen Pause. Fast alle Jungs aus der ersten Sek versammelten sich auf dem Fussballplatz für eine Schneeballschlacht. Ich bemerkte eine riesige Gruppe aus der zweiten und dritten Sek, die auf der gegenüberliegenden Seite stand, und auch einige Asylsuchende aus Lilienberg.

Ich hatte keine Ahnung, was passieren würde, aber ich wusste, dass es nicht gut ausgehen würde. Meine Freunde und ich gingen vorsichtshalber zur Seite, um uns aus dem Konflikt herauszuhalten. Doch dann flog der erste Schneeball und später warfen immer mehr Schüler harte, fast eisige Schneebälle. Ein riesiges Chaos brach aus und zum Glück haben die Lilienbergler den Konflikt für sich entschieden.

Am nächsten Tag wurden nicht nur die Lilienbergler, sondern auch wir aus der ersten Sekundarstufe von den älteren Schülern bombardiert. Es war schlimmer als am Vortag: Sie schossen nicht nur Schneebälle, sondern rannten uns wie eine Horde hungriger Wölfe hinterher. Einige von uns hatten Glück und konnten entkommen, aber andere, darunter auch einige meiner Freunde, wurden erfasst, gestossen und zu Boden geworfen. Es war eine sehr unangenehme Erfahrung.

Fazit

Mut zeigt sich in vielen verschiedenen Formen. Wenn man persönliche Ängste überwindet, schwierige Herausforderungen meistert oder in Momenten, in denen man einfach aus seiner Komfortzone heraustritt. Es ist oft der innere Kampf gegen unsere Ängste und Zweifel, der den Unterschied macht. Egal ob bei einem Frontflip vom 3-Meter-Turm, einer improvisierten Präsentation oder dem ersten Geigenstück vor Publikum, Mut bedeutet nicht, keine Angst zu haben, sondern trotz der Angst zu handeln.

Es gibt auch Situationen, in denen Mut gefordert wird, um sich zu wehren oder für sich selbst einzustehen, ganz besonders in Momenten, in denen man sich hilflos fühlt. Der Schutz und die Unterstützung von geliebten Menschen, wie etwa einem älteren Bruder, können dabei eine grosse Rolle spielen. Doch auch die eigenen Erfahrungen, wie das Überwinden von schwierigen Momenten ohne äussere Hilfe, tragen zur persönlichen Entwicklung bei.

Eigentlich geht es darum, Mut zu finden, auch wenn man sich unsicher oder verletzlich fühlt. Mut bedeutet, sich dem zu stellen, was einem Angst macht und daran zu wachsen. So werden Mut und Selbstvertrauen im Laufe der Zeit immer stärker und helfen dabei, sich den Herausforderungen des Lebens zu stellen.


Dieser Text wurde von Benjamin im Wahlfach Bloggen 24/25 geschrieben.

Kommentar verfassen

Entdecke mehr von schreibenblog

Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

Weiterlesen