Tanzende Metalle

Was auch immer war, Simea wusste immer, wen sie um Rat fragen konnte, besonders in Bezug auf Kleidung. Der Abschlussball war nur noch wenige Tage entfernt und sie hatte immer noch kein passendes Kleid gefunden. Als sie ihre Mutter um Rat fragte, wurde sie auf den Dachboden geschickt. Dort seien einige Boxen mit ganz vielen Kleidungsstücken, unter anderem auch einige aus ihrer Jugend.

Mit einem lauten Quietschen öffnete sich die Dachbodentür, liess ihre Treppe von der Decke herab und legte all ihre Geheimnisse und Schätze frei. Unter einer dicken Staubschicht standen etliche Kisten, Lampen, Telefone und allerlei Dinge, die man über die Jahre für einen späteren Gebrauch auf die Seite gelegt hatte.

Doch irgendetwas war anders. Schon einige Tage zuvor hatte Simea sich hier nach einem Stuhl umgesehen, aber nichts gefunden. Besonders gründlich hatte sie allerdings nicht gesucht. Trotzdem schien es, als wäre der Staub heute an manchen Stellen weniger dicht.

Neugierig wie sie war, machte sie sich gleich auf den Weg zu den Kisten, die anscheinend in letzter Zeit schon einmal durchwühlt worden waren. Was genau gesucht wurde, blieb ihr unklar, denn der Inhalt war weder besonders spannend noch von grossem Wert. Und schon gar nicht als Ballkleid geeignet. Gerade als sie aufgeben wollte, fiel ihr Blick noch einmal durch den Raum und da erhaschte sie plötzlich ein leichtes Schimmern.

Kurz, aber doch lang genug, um ihre volle Aufmerksamkeit zu fesseln. Ohne weiter nachzudenken, bahnte sie sich den Weg durch all den anderen Trödel. Als sie schliesslich den Ursprung des Schimmers fand, wusste sie, dass sich die Suche gelohnt hatte.

Sie traute ihren Augen kaum. Vorsichtig und bewusst, was dieses Schächtelchen für einen Wert verbergen konnte, strich sie den Staub von dem samtbezogenen Kästchen. Durch das schräge Fenster blinzelte die Sonne hinein und liess die alten Schätze darin aufblitzen.

Was für andere wie altes Metall gewirkt hätte, war für Simea der reinste Glücksfund. Völlig begeistert über die Schmuckstücke, die sie nun in den Händen hielt, sprang sie auf, stieg die klapprige Holzleiter hinunter und rannte zu ihrer Mutter.

Als sie aufgeregt von ihrer Entdeckung erzählte, machte ihre Mutter einen eher betrübten Eindruck. Mit leerer Stimme erklärte sie, dass die Schmuckstücke aus der Zeit stammten, in der sie noch Feuer und Flamme für das Tanzen war. Doch dann zog sie sich eine üble Verletzung zu, was sie für lange Zeit vom Tanz abhielt.

Simea wusste, wie schwer es für ihre Mutter war, an diese Zeit zu denken. Sie beschloss, so schön die Schmuckstücke auch waren, sie wieder auf dem Dachboden verschwinden zu lassen. Aus den Augen mit all den schönen und doch traurigen Erinnerungen.

2 Antworten auf „Tanzende Metalle“

  1. Sehr gefallen haben mir die Schmuckstücke von der Mutter in alten Zeiten, als sie noch Tanz-Fanatikerin war, aber leider aufgehört hatte wegen des Unfalls. Dazu finde ich, dass die Geschichte auf eine andere Weise geschrieben ist. Es werden bei jedem Satz andere Wörter verwendet und so klingt es nicht eintönig.

    1. Vielen Dank für den lieben Kommentar. Es freut mich, dass dir die Idee mit den Schmuckstücken aus der alten Tanzzeit gefällt.

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