„Zehntausend!“, rief ein etwas obskurer Mann durch den Saal. Mit diesem Satz kaufte er ein Gemälde, das eigentlich nicht einmal tausend Franken wert war. Jeder im Raum war erstaunt, da sie dachten, der Mann sei ein einfacher Mann mit einem kleinen Einkommen, aber sicher nicht jemand, der einfach mal etwas im fünfstelligen Bereich kaufen konnte.
Da niemand wirklich interessiert an dem Bild war, konnte er es leicht ergattern. Dennoch fragte sich jeder, was an diesem Gemälde so speziell war. Es zeigte ein Schiff in einem Sturm. Viele Seeleute versuchten, das Steuer zu halten; in ihren Augen konnte man die Angst spüren. Das Bild war zwar schön, aber es war kein wirklich berühmtes oder spezielles von diesem Künstler. Und niemand wollte wirklich ein Gemälde besitzen, das Seelenverkäufer hiess, oder in ein solches investieren.
Kaum hatte der Mann das Bild gekauft, verschwand er spurlos. Niemand wusste, wohin er gegangen war. Das Einzige, was von ihm blieb, war das Gemälde, das in der Wohnung hing, in der man ihn zuletzt gesehen hatte.
Es gibt viele Gerüchte über sein Schicksal. Manche denken, er habe seine Seele verkauft; andere glauben, er sei wahnsinnig geworden, weil er sein Geld verschwendet habe. Wieder andere behaupten, er habe sich so sehr an das Gemälde geklammert, dass er wahnsinnig wurde und nun in einer Klinik lebe. Die Wahrheit kennt niemand, da niemand wirklich Kontakt zu ihm hatte.
Aber dank dieser mysteriösen Geschichte hat das Bild heute wieder einen hohen Wert auf dem Kunstmarkt.
Dieser Text ist Teil der ABC-Etüden, eines Projekts, das von Christiane am Leben gehalten wird. Im November ’25 müssen die Begriffe Seelenverkäufer, obskur und ergattern vorkommen. Die Länge des Textes darf 300 Wörter nicht überschreiten.
Geschrieben wurde diese Etüde von Yadhira im Wahlfach Bloggen 25/26.


Das ist wahr: Je obskurer die Geschichte um etwas oder jemanden ist, desto mehr Aufmerksamkeit erregt sie oft. Gefällt mir sehr, wie du den „Seelenverkäufer“ eingebunden hast, super gemacht. Und ja, ich würde mich auch dafür interessieren … 😉
Danke, dass du mitgeschrieben hast! Schön, von dir zu lesen! 😀