Willowbrook – eine ganz normale Stadt mit geringer Bevölkerungsdichte, die am Meer in England liegt. Zwischen all den modernen Schiffs-Restaurants, die sich am Meer befanden, gab es noch ein kleines, halb verfallenes Schiff. In Willowbrook kursierten Gerüchte, dass genau dort ein Seelenverkäufer wohnen sollte. Besonders komisch fanden alle, dass man jeden Freitagabend ein bestimmtes, älteres Paar dort treffen konnte, eine Frau und einen Mann.
Ich, selbst Bewohnerin Willowbrooks, beschloss, dieser Sache nachzugehen. An einem Freitag machte ich mich auf den Weg zu diesem geheimnisvollen Schiff. Leider war es dort nicht besonders sauber und es herrschte ein obskurer Geruch, der schwer einzuordnen war. Wie ich vermutet hatte, traf ich das ältere Ehepaar an. Sie sassen mitten im Restaurant. Ausser ihnen war niemand dort (zumindest schien es mir so).
Ich hatte Angst, aber schliesslich entschied ich mich, mich zu ihnen zu setzen. Zu meiner Überraschung waren sie nicht unzufrieden, sondern freuten sich sehr, mich zu sehen. Um die Situation nicht unangenehm zu machen, begann ich sofort ein Gespräch. Zunächst fragte ich kurz, wie es ihnen ginge, und erzählte ein wenig über mich selbst, um ihr Vertrauen zu ergattern.
Plötzlich erschien ein älterer Mann hinter dem Tresen. Er war erstaunt, mich zu sehen. In seinen Händen hielt er Teller mit Essen, die er in unsere Richtung trug. Ich fürchtete, was passieren würde, doch anstatt unfreundlich zu sein, setzte er sich zu uns und schloss sich dem Gespräch an.
Nach mehreren Stunden stellte sich heraus, dass der angeblich furchterregende „Seelenverkäufer“ in Wahrheit ein sehr freundlicher Mann war. Er führte das Restaurant seines Urgrossvaters weiter und war sehr traurig wegen der Gerüchte, die über ihn kursierten. Das ältere Paar waren einfach zwei gute Freunde aus seiner Jugend, die ihn jeden Freitag besuchten.
Dieser Text ist Teil der ABC-Etüden, eines Projekts, das von Christiane am Leben gehalten wird.
Im November ’25 müssen die Begriffe Seelenverkäufer, obskur und ergattern vorkommen. Die Länge des Textes darf 300 Wörter nicht überschreiten.
Geschrieben wurde diese Etüde von Zofia im Wahlfach Bloggen 25/26.


Sich eine eigene Meinung zu bilden, statt nur auf Gerüchte zu hören, finde ich wichtig. Klar, man sollte gesunden Menschenverstand walten lassen, aber den hat deine Protagonistin ja bewiesen. Gefällt mir sehr gut, deine Etüde, vielen Dank dafür! 😀
Danke für Ihre Mitteilung:)
Ich finde es sehr spannend, wie du die Aufgabe umgesetzt hast. Ich wäre niemals auf so eine besondere Idee gekommen, wie ein Restaurant mit einem obskuren Geruch. Das Bild passt perfekt zum Text – genau so habe ich mir die Szene vorgestellt, als ich den Text gelesen habe.
Danke!:)