Kaffee, Routine und ein unerwartetes Treffen

Wie jeden Abend sass ich in meinem Sessel mit einer Tasse Kaffee. Am Morgen hatte ich neun Stunden im Büro gearbeitet. Als altes Gewohnheitstier mag ich einen festen und strukturierten Tagesablauf: morgens ins Büro gehen und danach zu Hause mit einer Tasse Kaffee entspannen.

Jedoch findet meine Mutter meinen Tagesablauf langweilig und einsam. Deshalb hatte sie absichtlich ein Blind Date für mich organisiert. Ihrer Meinung nach sollte ein 37-jähriger Mann schon längst eine Partnerin haben, doch ich hatte dafür nie wirklich Interesse. Ich verstehe, was sie damit sagen möchte, da sie schon sehr alt ist und nicht möchte, dass ich später ganz alleine bin.

Das Blind Date fand in einem Café statt. Die Dame war etwa 33 Jahre alt. Ich fand sie hübsch, aber wir hatten kaum gemeinsame Interessen. Sie erzählte mir, dass sie Abenteuer liebt, unter anderem Wanderungen durch den Amazonas. Ich hingegen hasse Wandern und würde dafür niemals meine Ferien einsetzen. Schnell wurde mir klar, dass wir beide nicht perfekt zueinanderpassen.

Trotzdem fand sie es einzigartig und interessant, dass ich jeden Tag den gleichen Tagesablauf habe, und stellte mir sehr viele Fragen. Wir unterhielten uns lange und bemerkten gar nicht, wie die Zeit verging. Vier Stunden später war es bereits spät am Abend. Am nächsten Morgen musste ich wieder neun Stunden arbeiten, also sagte ich: „Leider muss ich jetzt langsam losgehen, da ich morgen arbeiten muss.“ Sie war einverstanden und wir zogen beide unsere Mäntel und Schals an.

Ich fuhr sie nach Hause, und als wir vor ihrer Haustür standen, gab sie mir einen kleinen Kuss auf die Wange. Ich wurde rot und wir verabschiedeten uns voneinander. Ich hoffe, dass ich noch mehr von ihr hören werde.


Dieser Text ist Teil der ABC-Etüden, eines Projekts, das von Christiane am Leben gehalten wird. Im Januar ’26 sind die Begriffe Gewohnheitstier, absichtlich und einsetzen vorgegeben.
Die Länge des Textes darf 300 Wörter nicht überschreiten.
Geschrieben wurde diese Etüde von Kunsel im Wahlfach Bloggen 25/26.

4 Antworten auf „Kaffee, Routine und ein unerwartetes Treffen“

  1. Auch ich glaube nicht, dass daraus eine Beziehung werden könnte, aber wenn beide neugierig auf das Leben des anderen sind, könnte sich ja vielleicht eine Freundschaft entwickeln. Auch das wäre schon viel, wenn er sonst mehr oder weniger total allein ist.
    Danke, dass du mitgeschrieben hast, gefällt mir gut, dein Text. 😉

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