Rückblick von Fuad Januar 2022

Ein Montag wie jeder andere?

Der 31.1.2022, Montagmorgen, 06:12 Uhr. Ich stehe mit sehr wenig Motivation auf und gehe ins Badezimmer und wasche mein Gesicht. Danach zurück in mein Zimmer, ich ziehe meine Klamotten an. Anschliessend gehe ich in die Küche, esse etwas, dann gehe ich zur Schule. Es ist windig und regnet ein wenig. Glücklicherweise habe ich einen Schirm dabei, sonst wäre ich ein nasser Lappen.

Ich bin 20 Minuten zu früh in der Schule. Das Warten ist langweilig. Es geschieht nichts. Ich sehe Lehrpersonen, die vorbeigehen, und einige Blätter herumfliegen, sonst ist alles ruhig.

Dann endlich ist es 08:10. Englischunterricht bei Frau Oberholzer, danach Unterricht bei Frau Rauber. Sie scheint aufgeregt zu sein und teilt uns mit „Heute Nachmittag werden wir in den Mehrzweckraum gehen und dort gibt es eine Lesung.“ NEIN!, denke ich, „Das ist mein freier Nachmittag.“ Aber Frau Rauber kennt da nichts. Wir müssen erscheinen, ob es uns passt oder nicht.

In den zwei Lektionen Sport kann ich mich auf dem Trampolin abreagieren. Wir probieren verschiedene Sprünge aus, machen beispielsweise einen Flip, Spreizsprung etc. Am Anfang ist es noch spassig, aber mit der Zeit wird es schon anstrengend. Einen Spagat, eine 180°-Drehung, perfekt landen. Alle diese Bewegungen müssen in der Luft ausgeführt werden und es ist viel Konzentration gefordert. Für mich war das schon eine Überforderung, finde ich.

Über Mittag gehe ich schnell nach Hause, um ein Nutellabrot zu schmieren. Zu mehr reicht die Zeit nicht, dann ich habe gleich Basketball. Oh, ich muss noch andere Kleider einpacken für die Lesung. Bei Frau Rauber darf man nicht mit Trainerhosen in den Unterricht.

Lesung

Und jetzt warten wir vor der Tür. Als ich in das Mehrzweckzimmer eintrete, sehe ich einen erwachsenen Mann, sehr wahrscheinlich aus Afrika. Damit habe ich jetzt nicht gerechnet und ich bin neugierig, wie der Nachmittag verlaufen wird.

Herr Addai begrüsst uns mit einem Lächeln und stellt sich uns vor. Er stammt aus einem kleinen Dorf in Ghana, wo die Frauen das Sagen haben. Ich denke, oh mein Gott. Die Männer dort werden sicher streng bewacht von den Frauen. Also ich könnte mir nicht vorstellen, so zu leben. Das ist meine Meinung. Warum, werde ich jetzt nicht erwähnen. Zurück zum Thema. Herr Addai erzählt uns eine Geschichte von einem Esel und einem Mann.

Die Geschichte des Esels, der in einen Brunnen fiel

Der Esel war sehr alt und hatte wenig Kraft. Er konnte nicht mehr viele Lasten tragen und schaffte es kaum noch Lasten zu tragen. Eines Tages fiel der Esel in einen Brunnen. Er kam nicht mehr alleine raus. Der Besitzer entschied, den Esel lebendig zu begraben und danach seine Lieferung ohne Hilfe auszuliefern. Er warf eine Schaufel Erde nach der anderen in den Brunnen und auf den Esel. Nachdem er schon viel Erde geschaufelt hatte, bekam er ein komisches Gefühl. Er wunderte sich, weshalb der Esel nicht schrie und auch sonst keinen Mux von sich gab.

Als Herr Addai hier die Geschichte unterbricht, hat er unsere gesamte Aufmerksamkeit auf sich gelenkt. Wir sind total gespannt, wie die Geschichte weitergeht. Er fragt uns: „Was denkt ihr, was ist mit dem Esel passiert?“. Natürlich denken wir alle, dass er schon lange tot ist.

Aber das Gegenteil ist der Fall. Herr Adai erzählt uns, dass der Esel immer wieder auf die Erde stand, die in den Brunnen geworfen wurde. Und so kam er höher und höher, bis er alleine aus dem Brunnen traben konnte. Damit hat der Esel bewiesen, auch wenn man alt ist, hat man immer noch ein Köpfchen, um zu überleben.

Weisheiten und Fakten aus Ghana

Danach erzählt er uns einige Sprichwörter aus Ghana. Einige waren witzig, zum Beispiel: „Je höher ein Affe auf einen Baum klettert, umso besser kann man seinen Hintern sehen“. Da lachte jeder 😂😂😂.

Wirklich spannend ist aber auch die Herkunft von Black Friday. Damals, als es Sklavenhandel gab, war Black Friday ein Tag, an dem die Preise für die Sklaven gesenkt wurden. So konnten sich alle Familie einen Sklaven leisten. Das ist schockierend! Ich kann es kaum glauben, dass der Begriff Black Friday von so einer Tatsache stammt.

Herr Addai erzählt, dass alle Sklaven aus Ghane mit dem Schiff transportiert wurden. Wenn die Sklavenhändler auftauchten, mussten die Kinder lügen und erzählen, dass ihre Eltern nicht zu Hause waren. Taten sie das nicht, wurden ihre Eltern gefangen genommen oder erschossen.

Gelungener Abschluss

Um uns aus nach den traurigen Geschichten wieder aufzuheitern, singen wir noch einige Lieder, tanzen im Mehrzweckraum und machen noch einige Erinnerungsfotos. Es war ein perfekter Montag für mich!

4 Antworten auf „Rückblick von Fuad Januar 2022“

  1. Was du über den Black Friday geschrieben hast, finde ich spannend. Jetzt weiss ich, woher der Begriff kommt und wie er entstanden ist.

    1. Lieber Betin
      Ich bin froh, dass du genauso wie ich es spannend fandest, etwas über Black Friday zu
      erfahren. Aber, dass es eine so schlimme Hintergrundgeschichte hat, verblüffte mich, als ich es hörte.
      Liebe Grüsse
      Fuad

  2. Ich finde, du hast einen sehr tollen Text verfasst. Wie detailliert und leidenschaftlich du schreibst, das finde ich einfach wunderbar. Bei deinem langen Text habe ich sehr viel neue Sachen erfahren, die ich vorher nicht gewusst habe.

    1. Lieber Lorik
      Danke für das Kompliment und ich bin froh, dass dir der Blogartikel gefällt. Ich fühle mich geehrt, dass ich dir etwas beibringen konnte. Ich hoffe, wenn ich bei dir einen Beitrag lese, dass ich auch etwa Neues lerne.
      Liebe Grüsse
      Fuad

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