4 Geschichtsanfänge für die etwas Unkreativeren unter euch

Mit diesem Beitrag möchte ich Leuten, die Probleme haben, Geschichtsanfänge oder Einleitungen zu schreiben, ein wenig unter die Arme greifen. Vielleicht entfachen diese Ideen eure eigene Fantasie.

Variante 1

Es war Abend, die Luft war feucht. Bei jedem meiner tiefen Atemzüge stiess ich eine graue Wolke aus meinem Mund, als ich voller Panik durch den dunklen Wald rannte. Die Äste gaben mir brennende Schläge auf die Stirn und auf meine aufgeschürfte Wange. Einzelne Tränen flossen mir das blutende Gesicht hinunter und mein Tempo wird langsamer durch die Erschöpfung, die sich in mir auftürmte.

Ich blickte kurz nach hinten, mit der Hoffnung sie abgehängt zu haben. Falsch gedacht. Die 6-beinigen Kreaturen waren mir immer noch auf den Fersen. Mein Herz schlug wie eine laute Trommel gegen meine Brust, was ein leichtes Brennen in ihr auslöste. Wie aus dem Nichts reagierten meine Beine, bevor mein Verstand es konnte und wurden schneller.

Wieder rannte ich durch den dunklen dichten Wald, nicht wissend, ob dies meine letzten Minuten sein würden oder nicht. 

Variante 2

Mein Blick wanderte die Hauswand hinauf und ich fragte mich, ob dies die richtige Entscheidung war, die ich hier traf. Ich war für ein Bewerbungsgespräch in einer der weltweit grössten Banken eingeladen worden. Dies ist für mich eine einmalige Chance.

Menschen in Anzügen eilten an mir vorbei, um sich durch die schmale Drehtür zu quetschen. Sie sahen alle so aus, als hätten sie den Stress ihres Lebens und würden es auch für ihren Job aufgeben. Ich atmete noch einmal tief ein und aus und lief Richtung Drehtüre. Es fühlte sich alles so unrealistisch an und ich war in meinen Gedanken versunken.

Irgendwann holte mich die Realität wieder ein und erst jetzt bemerkte ich, wie lange ich schon versuchte, durch diese Türe zu gehen. Sie drehte sich immer schneller und schneller. Sie wurde so schnell, dass ich die Aussenwelt nicht mehr durch die Fenstertüren sehen konnte und alles verschwommen war. Die Übelkeit meldete sich in mir und ich hielt mir zur Sicherheit die Hand vor den Mund. Die komische Tür drehte sich nun in Blitzgeschwindigkeit und auf einmal schleudert sie mich durch ihren Ausgang.

Ich knallte mit voller Wucht auf den Boden und versuchte, nicht zu erbrechen. Einige Minuten vergingen und erst jetzt traute ich mich, meinen Blick zu heben und das Gebäude von innen zu betrachten. Als ich voller Verwirrung sah, wo ich gelandet war, klappte meine Kinnlade so schnell hinunter, als würde jemand an einer Schnur daran ziehen. „Das kann doch nicht wahr sein“, kam es nur leise vor mir.

Variante 3

Ich stand gerade in der Küche und bereitete das Mittagessen für meinen kleinen Bruder und mich vor, als die Sirenen zu heulen anfingen. Geschrei von den Strassen stieg zu unserer kleinen Wohnung im dritten Stock hoch.

Mein Bruder fing an zu weinen, da er erst vier Jahre alt war, und rief nach mir. Ich nahm den Topf mit dem kochenden Essen von der Herdplatte und rannte zu ihm an den Tisch. Ich hob ihn vom Stuhl hoch, setzte den Kleinen auf dem Boden ab und befahl ihm, er soll seine Schuhe anziehen.

Das Adrenalin pulsierte in meine Adern und ich begab mich rennend in unser kleines Zimmer, um die wichtigsten Dinge in einen kleinen Rucksack zu packen. „Vergiss nicht deine Jacke anzuziehen, Joshua, es ist kalt im Keller!“, schrie ich in den Gang. Als ich fertig war, ging ich zu ihm, um mich ebenfalls warm anzuziehen. Ich schulterte den Rucksack, nahm Joshua auf den Arm und rannte die Treppen hinunter.

Eigentlich hätte er selbst laufen können und wir hätten es trotzdem noch rechtzeitig in den Keller geschafft. Aber je schneller wir dort waren, desto höher waren unsere Überlebenschancen. BAMM. Wieder eine Bombe. Und dieses Mal keine 300 Meter von uns entfernt. Kurz blieb ich stehen, um zu lauschen, wo die Kriegsflugzeuge hinflogen. Ich bewegte mich erst wieder, als ich mir sicher war, dass sie abgedreht hatten.

Obwohl ich wusste, dass sie nicht mehr in unserer Nähe waren, gingen wir in den Keller. Wer wusste schon, ob sie nicht nochmals zurückkommen würden. Im Keller angekommen, setzte ich meinen Bruder erschöpft auf das kleine Holzbett und gab ihm ein Büchlein zum Anschauen. „Ich bin gleich wieder da. Bleib du hier und schau das Büchlein an“, sagte ich zu ihm.

Ich rannte, so schnell ich konnte, die Treppen hinauf zurück in die Wohnung. Ich holte unseren kleinen Notfallkäfig für die Mäuse heraus und legte diese vorsichtig dort hinein. Andere Sachen, wie weitere Nahrungsmittel und Trinkflaschen mit frischem Wasser packte ich in einen anderen Rucksack, zusammen mit Decken, Taschenlampen und dem grossen Messer, welches mir mein Vater gegeben hatte, bevor er in den Krieg zog.

Als ich gerade die Wohnungstür hinter mir abschloss, hörte ich meinen Bruder schreien. Er schrie Stopp und danach meinen Namen. Ich rannte besorgt wieder alle Treppen hinunter und fiel dabei fast um.

Plötzlich trat ein Mann aus der Kellertür hinaus, mit meinem Bruder auf dem Arm. Ich schrie ihn an, dass er sofort meinen Bruder loslassen solle und streckte ihm bedrohlich mein Messer entgegen. Er hob seine freie Hand in die Luft und sagte: „Ich kenne euren Vater. Er hat mir damals aufgetragen, euch zu holen, wenn es so weit sein würde. Ich habe deinen Rucksack schon mitgenommen. Wir müssen gehen. Jetzt!“

Ich wusste nicht, ob ich ihm trauen konnte oder nicht. Ok, er sagte, er kenne meinen Vater. Dies hat aber nichts zu bedeuten, denn er könnte es einfach so sagen. Ich entschied mich dazu, ihm doch zu glauben und steckte mein Messer zurück in meine Jackentasche. Schnell lief ich an ihm vorbei in den Keller, um zu prüfen, ob er wirklich alles mitgenommen hatte, wie er es behauptete. Tatsächlich hatte er nichts übersehen und ich lief wieder zurück.

„Ich trage meinen Bruder“ zischte ich und er bot mir an, meinen grossen Rucksack zu tragen. Ich gab ihm stumm meinen Rucksack und nahm meinen Bruder auf den Rücken. Er nickte mir mit einem Lächeln im Gesicht zu und lief los.

Damals wusste ich noch nicht, was mich erwarten würde. Das Einzige, was mir klar war, wir würden wahrscheinlich nie mehr zu unserem Haus zurückkehren.

Variante 4

Gelangweilt starre ich aus dem grossen Fenster im Klassenzimmer. Die Schneeflocken fliegen wie kleine Federn vom Himmel und landen weich auf dem schon schneebedecktem Boden. Ich bewundere noch eine Weile den fallenden Schnee und höre auf einmal jemanden ungeduldig meinen Namen rufen. Ungern wende ich mich von dem schönen Ausblick aus dem Fenster und gebe ein leises „Hm?“ von mir.

Der grosse mager gebaute Lehrer, der vor der Wandtafel steht, stellt mir eine Frage über eine englische Redewendung. Ich habe keine Ahnung, wovon er spricht. Nachdem ich ihm das erklärt habe, wende ich meinen Blick von ihm ab. Er fährt mit seinem Gerede fort, und ich betrachtete wieder den weich aussehenden Schnee. Die Menge an Schnee, welcher fällt, verdoppelt sich.

(Erinnerung: Es geht in diesem Text darum, dass die Ich-Erzählerin im aufwirbelnden Schnee den Geist ihrer kürzlich verstorbenen Mutter sieht.)

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